ARAL, TAnkstelle, Dieselpreis
Kraftstoffpreise steigen scheinbar unaufhaltsam
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Explodierende Dieselpreise gefährden den Holztransport

11. März 2022

Die Preise für Diesel, Schmiermittel oder Ersatzeile steigen schon seit Monaten. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation jetzt noch verschärft. Die Holztransportbranche musste allein beim Diesel Preissteigerungen von über 30 % innerhalb weniger Tage verkraften. Wer seine Frachtraten jetzt nicht neu verhandelt, könnte still und leise vom Markt verschwinden, befürchten Branchenkenner.

Der Blick auf Preistafeln der Tankstellen verursacht seit Tagen großes Unbehagen: Dieselkraftstoff hat Anfang dieser Woche bundesweit die Zwei-Euro-Marke überschritten und kostet mit 2,10 €/l und darüber hinaus mehr als je zuvor. Die Ursache dafür ist der Krieg in der Ukraine. Seitdem klettert der Ölpreis unaufhörlich – und mit ihm der Preis für Kraftstoffe. Das liegt auch daran, dass die Importeure die Einfuhr von Diesel aus Russland zurückgefahren haben und sich die Hausbesitzer schon jetzt für den nächsten Winter mit Heizöl eindecken. Zum Teil wird Dieselkraftstoff offenbar schon gehortet. Eine weitere Freigabe der nationalen Reserven könnte zwar für eine Entspannung sorgen, die Lage dürfte in nächster Zeit jedoch angespannt bleiben.

Den Holztransport hat die Situation kalt erwischt. Bei einem Dieselverbrauch von 40 bis 50 l pro 100 km machen die Kraftstoffkosten ein Drittel und mehr der Gesamtkosten einer Rundholzspedition aus. Wir haben bei einigen von ihnen nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Die Lage ist dramatisch

Matthias Boor, der Vorsitzende der Bundesvereinigung des Holztransportgewerbes (BdHG), benötigt monatlich 25.000 l Diesel. Er betreibt am Firmenstandort in Lüdinghausen zwar eine Betriebstankstelle, an der sich auch andere Gewerbetreibende versorgen, aber groß ist sein Preisvorteil nicht. „Vor acht Tagen habe ich netto noch 1,28 €/l bezahlt, heute sind es schon 1,59 €/l“, schildert er uns Ende letzter Woche seine Lage. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) weiß es am 11. März noch genauer: „Lag der Netto-Dieselpreis im Dezember laut OMR noch bei 1,15 €/l, ist er in seit dem Angriff Russlands innerhalb nur weniger Tage um über 60 % auf 1,85 €/ l gestiegen.“ 

Damit ihn die Preisexplosion nicht hinwegfegt, hat Matthias Boor bereits seine Kunden angeschrieben, hat ihnen die Entwicklung der Kosten vorgerechnet und seine neuen Frachtpreise mitgeteilt. Einige haben das akzeptiert. Kunden, die sich nicht entscheiden wollen, fährt er vorläufig nicht mehr an.Diese Verfahrensweise empfiehlt er auch seinen Kollegen. Die Lage sei dramatisch, erklärt er, denn die Preissteigerung übertrifft die branchentypischen Margen.

Eine gewisse Hilfe sind die Dieselfloater, die große Holzabnehmer in ihren Dienstleisterverträgen verankern. Aber auch sie passen die Preise in der Regel nur nur alle paar Monate an, sodass die Fuhrunternehmen die Steigerungen bis zur nächsten Anpassung aus eigener Kraft schultern müssen. Bei einer Mehrheit der Fuhrunternehmen spielen solche Floater aber ohnehin eine untergeordnete Rolle.

So wie bei Ulrich Vaupel aus Elend im Harz. Er verbraucht 20.000 l Diesel pro Monat und sagt: „Jetzt wird die Luft ganz, ganz dünne.“ Seine Kunden reagierten zwar verständnisvoll auf seine Anfragen nach höheren Diensteisterpreisen, aber zunächst wollen sie das Ganze noch überdenken. Er persönlich überlegt es sich dreimal, ehe er bei seinen Auftraggebern anruft, zumal er das in nächster Zeit wohl alle paar Tage machen müsste. Er hofft darauf, dass die Bundesregierung endlich die Mineralölsteuer senkt.

Frank Trebert aus Romrod in Hessen hat schon im Januar eine Preiserhöhung bei einigen Auftraggebern ausgehandelt. Jetzt müsste er schon wieder bei ihnen anklopfen. Seine Erfahrung aus der Vergangenheit ist leider so, dass Anfragen erstmal abblockt werden. Ihm bereitet sein Job gerade keine so große Freude. Erst der Fahrermangel und jetzt auch noch die hohen Kosten, die ja nicht nur den Diesel betreffen, sondern auch Ad Blue, Schmierstoffe, Ersatzteile oder Löhne.

Großes Verständnis, kleines Entgegenkommen

Lukas Mengel aus Burgwald-Bottendorf in Hessen geht es ähnlich. Er hat seine Tarife ab Mitte 2021 neu verhandelt, muss jetzt aber schon wieder höhere Kraftstoffpreise verkraften. Man könne kaum noch kalkulieren, weil die Preise täglich stiegen. Wie er berichtet, haben die Kunden zwar großes Verständnis, doch ihr Entgegenkommen sei leider klein. Dabei hat in den letzten Jahren so maches Unternehmen auf Preisverhandlungen verzichtet, weil es wegen der großen Schadholzmengen für die Holztransportbranche gut lief. Aus seiner Sicht müssten die Holzabnehmer die Preise um mindesten 8 bis 10 % anheben. „Es geht um Dimensionen, die sich nicht kompensieren lassen.“ So sieht es auch Hans-Heinrich Blendermann von der Firma Holz Reimann: „Sollten die Holzabnehmer nicht auf die Anfragen der Holzspediteure eingehen, werden sich viele Betriebe wohl still und leise verabschieden.“

Christian Kleinheinz aus Rettenberg in Bayern ist stellvertretender BdHG-Vorsitzender. Er weiß aus zahlreichen Telefonaten, dass viele Kollegen am Boden zerstört sind und daran denken ihre Lkw einfach stehen zu lassen. Er empfiehlt ihnen, möglichst sofort auf ihre Auftraggeber zuzugehen. „Der Sprung war so gewaltig, dass die Bereitschaft der Holzabnehmer deutlich höher ist als üblich“, schildert er seine Erfahrung.

Auftraggeber kündigen Sonderzuschläge an

Mit dieser Einschätzung dürfte er richtig liegen. Christian Witte, der Logistikleiter von Egger in Brilon, stellt klar, dass sein Unternehmen die Fuhrleute nicht sitzen lasse werde. Er hat seit 2012 gute Erfahrungen mit dem Dieselfloater gemacht. Das Instrument sei aber nicht für solche Krisen vorgesehen, weil die Zeiträume bis zur nächsten Anpassung zu lang seien. Egger plant einen Sonderzuschlag für die Holzspeditionen. Witte weist allerdings darauf hin, dass die Holzindustrie höhere Transportkosten nur bis zu einem gewissen Maß aushalten kann, die Produkte müssen schließlich verkäuflich bleiben. Martin Müller von den Bayerischen Staatsforsten stimmt ihm zu, wenn er sagt, dass die Holztransportbranche mit Recht erwarten könne, dass ihnen ihre Auftraggeber einen Ausgleich bieten.

Der Staat muss ran

Sollte sich die Preisspirale in den nächsten Monaten weiterdrehen, dann dürfte das die Privatwirtschaft überfordern. Damit die Transportketten nicht reißen, sollte darum auch der Staat aktiv werden. Das ist unter anderem die Ansicht des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik (BGL). Er fordert zum Beispiel:

  • die unverzügliche temporäre Einführung eines verbilligten Gewerbediesels, der die Kosten drücken soll,
  • die wöchtliche Ermittlung des Dieselpreisindexes, damit die Dieselfloater in kürzeren Abständen greifen können,
  • die gesetzliche Verkürzung der Zahlungsziele auf maximal zwei Wochen, um die Liquidität der Unternehmen zu stärken,
  • die Auflegung eines Soforthilfeprogramms für das Transportgewerbe, um die Folgen der Preisentwicklung zu mildern,
  • Die Preisexplosion bei den Energiepreisen und der Fachkräftemangel werden sonst aus Sicht der Verbände zu einer Gefahr für die mittelständische Transportunternehmen. „Für viele Speditionen ist das nicht darstellbar“, sagt auch BdHG-Geschäftsführer Marco Burkhardt.

    Oliver Gabriel