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Die Teilnehmer diskutierten anhand von Waldbildern die möglichen Auswirkungen der umfangreichen politischen Regelwerke für den Wald. Foto: U. Messerschmidt

Expertenrat statt Mantra: „Schützen durch nachhaltiges Nutzen“

Auf Einladung des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) Landesverband Nordrhein-Westfalen, des Gemeindewaldbesitzerverbandes Nordrhein-Westfalen und des kommunalen Forstarbeitskreises Südwestfalen fand am 14. August 2015 ein Waldspaziergang mit Politikern, Förstern, Waldbesitzern und Bürgermeistern im Schmallenberger Stadtwald statt. Ziel der Veranstaltung war es zu zeigen, wie die Förster im Walde arbeiten und ihre Anliegen der Politik mit auf dem Weg zu geben. Dabei ging es auch um die Frage, wie die Natur geschützt werden kann.
Eingeladen waren zum Waldspaziergang diejenigen Abgeordneten aus Landtag, Bundestag und dem Europäischen Parlament, die ihre Wahlkreise in Südwestfalen haben.
Unter dem Arbeitstitel „Prozesssteuerung im Wald – Schützen durch nachhaltiges Nutzen“ diskutierten die Teilnehmer und Fachexperten anhand von Waldbildern die möglichen Auswirkungen der umfangreichen politischen Regelwerke für den Wald. Die den Wald betreffenden Gesetze und Strategien, angefangen bei der Biodiversitätsstrategie oder dem derzeit in Arbeit befindlichen Naturschutzgesetz für NRW bis hin zu den geplanten EU-Wildnisgebieten und der EU-Waldstrategie, verfolgen vorrangig das Ziel, bestehende Lebensräume zu schützen, indem man sie nicht mehr bewirtschaftet.
Dass die Verbannung der Forstwirtschaft aus großen Teilen der heimischen Wäldern für den Naturschutz nicht immer der beste Weg ist, konnten die Forstfachleute anhand beeindruckender Waldbilder nachweisen. „Die Erwartungen an den Wald aus allen gesellschaftlichen Gruppen sind sehr hoch. Wald ist aber mehr als nur Wildnis. Artenvielfalt und Bewirtschaftung des Waldes schließen dabei einander nicht aus, sondern können gut miteinander vereinbart werden“, so der Vorsitzende des Gemeindewaldbesitzerverbandes, Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg).
Am Beispiel der breiten Palette an Baumarten im Stadtwald Schmallenberg werde deutlich, dass erst die nachhaltige Forstwirtschaft zu der heute vergleichsweise hohen Biodiversität geführt habe. Die Forstwirtschaft im Schmallenberger Stadtwald erfülle nicht nur die gesellschaftlichen Erwartungen an den Naturschutz im Walde, sie sichere gleichzeitig auch noch Einnahmen für die Stadtkasse. Dieses Waldgebiet ist in seiner Gesamtfläche auf 2.800 ha Landschaftsschutzgebiet und zu einem Drittel Flora-Fauna-Habitat- und Naturschutzgebiet. Aufgrund einer seit Jahrhunderten praktizierten Waldbewirtschaftung finden sich heute viele Rote-Liste-Arten und seltene Biotope im Wald. Rotmilan, Schwarzstorch, Spechtarten, Wildkatze und unzählige kleinere Tier- und Pflanzenarten haben ihren sicheren Platz im Schmallenberger Wald. Und die Artenzunahme setzt sich – angestoßen, begleitet und gefördert durch den städtischen Revierförster – unaufhaltsam weiter fort.
Fachliche Kritik übten die Förster insbesondere an den Vorschriften des Landes für die Bewirtschaftung der FFH-Gebiete. Hier gelte das so genannte Verschlechterungsgebot. Dies bedeute, dass der Anteil der Buchen in diesen europäischen Schutzgebieten nicht abnehmen dürfe. Der Förster dürfe nur das Wachstum der Buchen unterstützen. Dazu müssten die sich natürlich verjüngenden Fichten entfernt werden, obwohl sie als „Brotbaum“ gelten, weil sie die besten Erträge liefern. „Wir vergeuden hier unglaubliches Zuwachs-Potenzial“, so Stadtförster Siegfried Hunker. Hier entständen enorme Verluste, die letztendlich durch Steuergelder abgefangen werden müssten. Zudem seien die Vorschriften kontraproduktiv für die natürlich ablaufenden Prozesse im Wald. In den Höhenlagen des Rothaargebirges sei die Fichte mit Blick auf den Klimawandel besser an den Standort angepasst als die Buche. Die Fachleute wünschen sich daher, dass die betroffenen Gebiete als Fichten-Buchen-Wälder ausgewiesen werden.
Das Fazit des Landesvorsitzenden des BDF,  Fred Josef Hansen bei der Auftaktveranstaltung im Bundesgolddorf Latrop: „Der heute hier zu Lande vorgefundene Wald ist das Ergebnis regelmäßiger und fachgerechter Nutzung unter erprobten und erfolgreichen Maximen von Nachhaltigkeit und Achtsamkeit im Umgang mit Mensch, Material und Natur. Diese Tatsache kann und darf niemand anderes als die Waldeigentümer und die Experten für sich reklamieren. Wir werden unser fachliches Know-how nicht mehr unter den Scheffel stellen.“
Hansen kündigte eine Forstsetzung der Gespräche mit den forstpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen an.
BDF Nordrhein-Westfalen
Die Teilnehmer diskutierten anhand von Waldbildern die möglichen Auswirkungen der umfangreichen politischen Regelwerke für den Wald. Foto: U. Messerschmidt Die Teilnehmer diskutierten anhand von Waldbildern die möglichen Auswirkungen der umfangreichen politischen Regelwerke für den Wald. Foto: U. Messerschmidt

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