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Experten aus Polen und Brandenburg entwickeln Wildkorridore

Das immer dichter werdende Verkehrsnetz in Deutschland lässt die Wildunfallzahlen steigen und erhöht die Gefahr für Mensch und Tier. Auch in Polen ist in den nächsten Jahren ein massiver Ausbau der Infrastruktur geplant, der erhebliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben wird. Es ist jetzt dringend notwendig, Zerschneidungen zu verhindern bzw. abzumildern und vorhandene Barrieren zu überbrücken, denn Wildtiere wie Wolf, Rothirsch, Fischotter und Biber müssen wandern, um zu überleben. Sind die Populationen isoliert, drohen Krankheiten durch genetische Verarmung. Darüber hinaus führt der Klimawandel schon jetzt zu einer Verschiebung von Lebensräumen, auf die die Tiere flexibel reagieren müssen.
Ein „tierischer“ Grenzverkehr zwischen Polen und Brandenburg ist schon seit langem zu verzeichnen. So gründet sich z. B. die junge Wolfspopulation in Brandenburg auf einzelne Wölfe aus Polen, die den Weg durch die Oder und über Autobahnen und Straßen hinweg gemeistert haben. Doch der Weg verläuft nicht immer reibungslos. Ein trauriges Beispiel ist der Verkehrstod eines Wolfsrüden an der B 97 bei Spremberg, der im November 2010 zur Überlebensfrage für das erste brandenburgische Wolfsrudel wurde.
Ein deutsch-polnisches Kooperationsprojekt zur Netzwerkbildung für transeuropäische Wildtierkorridore begegnet diesen Problemen. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg hat das Projekt initiiert und setzt es in Partnerschaft mit der Umweltstiftung WWF Deutschland um. Die Regionale Umweltdirektion Landsberg ist an der Konzeption und Organisation beteiligt und das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg tritt als Förderer auf. Die deutsch-polnische Kooperation ist Teil des Modellvorhaben „Ökologischer Korridor Südbrandenburg“, das 2007 von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ins Leben gerufen wurde, um Wald- und Feuchtgebiete von Polen über Südbrandenburg bis zur Elbe in Sachsen-Anhalt für wandernde Wildtiere miteinander zu vernetzen. Informationen zum Projekt sind im Internet unter www.wildkorridor.de abrufbar.
Workshop zum Thema
Natur kennt keine Grenzen – vor diesem Hintergrund findet am 27. und 28. Januar 2010 ein binationaler Workshop zu Wildkorridoren statt. Deutsche und polnische Verwaltungsvertreter, Referenten von NGOs und weitere Fachleute treffen sich im polnischen Łagow, um gemeinsam Projekte zur ökologischen Vernetzung zu entwickeln.

Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

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