Test Husqvarna 550 XP Mark II
80 % der Bauteile wurden verändert. Hier sichtbar der neue Zylinder, der Luftfilter und der Wegfall des Deko-Ventils
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Exklusivtest Husqvarna 550 XP Mk II

30. Januar 2019

Am 17. Januar präsentierte Husqvarna in Schweden die neue Profisäge der 50-cm³-Klasse. Wir hatten die Chance, die Husqvarna 550 XP Mark II exklusiv schon vier Wochen vorher in Empfang zu nehmen und im laufenden Betrieb für die Forst & Technik zu testen. Dabei bekommt man doch tiefer gehende Erkenntnisse als kurz beim Scheibchen-Schneiden.

Der Markt für Motorsägen ist nach wie vor heiß umkämpft und durch die jüngste Innovation von Stihl, die Einspritztechnik in der neuen großen Fällsäge, noch einmal stärker in Bewegung gekommen. Dabei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass dieses Segment für Starkholzprofis ein vergleichsweise geringes Volumen im Gesamtmarkt hat. Die Musik spielt bei den kleineren Universalsägen vom Schlage einer Stihl MS 261 oder eben der Husqvarna 550 XP. Davon hat jeder Unternehmer mindestens eine im Schuppen stehen und auch die privaten Holzmacher greifen gerne darauf zurück.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Einspritzung besitzt die neue Huski nicht. Die Namensergänzung der 550 XP Mark II ließe eher darauf schließen, dass es sich nur um ein Facelift der alten 550 aus dem Jahr 2012 handelt.

Aus dieser Perspektive wird es klar: Die neue 550 (r.) ist deutlich gewachsen
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Stellt man beide Generationen jedoch direkt nebeneinander, ist sofort klar ersichtlich, dass hier eine komplett neue Säge aufgebaut wurde. Allein vom Größenunterschied ist glaubhaft, dass nur 20 % der Komponenten vom alten Modell übernommen wurden. Noch deutlicher wird es, wenn man den Gehäusedeckel abnimmt. Der Zylinder ist völlig anders ausgeformt, der Luftfilter hat eine wesentlich größere, gefaltete Oberfläche bekommen.

Schwachpunkte beseitigt

Damit kommen wir auch gleich zu den wichtigsten Entwicklungszielen, die der Hersteller bei dieser Maschine hatte. Natürlich sollte die Leistung wieder ein bisschen gesteigert werden, aber es galt auch ein paar Schwächen der ersten Generation auszumerzen. Die Husqvarna 550 galt bisher schon als echtes Powergerät, aber auch als Zicke und war kein Musterbeispiel an Dauerhaltbarkeit. Vor allem beim Warmstart berichteten Kunden immer wieder von Problemen, die auf eine Dampfbildung im Vergaser aufgrund zu hoher Temperaturen hindeuteten. Das sollte sich ändern. Mit einem gänzlich überarbeiteten Wärmemanagement will Husqvarna eine um 13 % bessere Hitzeableitung realisiert haben. Auffällig ist dabei, dass die Kühlrippen jetzt wieder waagerecht liegen, während sie beim alten Modell (im Bild vorne) parallel zum Luftstrom, der vom Schwungrad her kommt, angeordnet waren. Der vergrößerte Auspuff wird jetzt über Keramikdichtungen gegen den Motorblock abgeschirmt. Wie schon bei der großen Husqvarna 572 gibt es im Deckel überdies eine Hitzebarriere aus Spezialkunststoff zwischen Motor und Vergaser.

Die Trennwand zwischen Motor und Vergaser besteht aus einem hitzeabschirmenden Spezialkunststoff
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Ebenso wie bei der großen Schwester haben die Schweden diverse hochbelastete Komponenten verstärkt, so z. B. die Kurbelwelle und das dazugehörige Lager. Die gebündelten Maßnahmen schlagen sich auch auf der Waage nieder. Obwohl mit dem Dekompressionsventil auch ein (in unseren Augen verzichtbares und störungsanfälliges) Bauteil weggelassen wurde, wird die Maschine mit 5,3 kg um ganze 400 g schwerer angegeben als das Vorgängermodell. Wie sich das in der Praxis auswirkt, dazu später mehr.

Leistungszuwachs

Die neue 550 XP MkII ist über das gesamte Drehzahlband etwas kräftiger als das Vorgängermodell
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So ganz nebenbei ist bei dieser umfangreichen Kur auch eine Mehrleistung von 0,2 kW herausgesprungen. Mit 3,0 kW liegt die neue 550 wieder gleichauf mit ihrer Erzrivalin MS 261 und kann eigentlich über das gesamte Drehzahlband etwas mehr als die erste Generation 550. Für die effektivere Schnittleistung ist das allerdings nur die halbe Miete. Als erste Profisäge wird die Mark II ab Werk mit einer Schiene mit nur 1,3 mm Nutbreite und der dazugehörigen .325“-Schmalschnittkette SP 33G aus eigener Herstellung ausgerüstet. Wie wir bereits mehrfach feststellen durften, steigt die Schnittgeschwindigkeit tatsächlich messbar an, wenn die Säge weniger Material aus einer schmäleren Schnittfuge abtragen muss. Als positiver Nebeneffekt wiegt so eine Schneidgarnitur auch deutlich weniger: Bei der 15“-Version sind das 874 g gegen 1 028 g, also ein Gewichtsvorteil von über 150 g.

Greifbare Unterschiede

Die 550 XP ist mit 50 cm³ das wichtigste Modell unter den Profisägen von Husqvarna
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Unseren Testeinstieg haben wir diesmal wie eine Blindverkostung von verschiedenen Weinen aufgebaut. Nachdem über die neue Säge ja noch keinerlei Daten im Umlauf waren, hat der Unternehmer von uns einfach ein Paket bekommen mit dem Auftrag: „Mach mal, probier´s aus und sag uns, was Du denkst.“ Dieses Experiment haben wir mehrfach durchexerziert. Das Ergebnis war eigentlich immer sehr ähnlich: Die Probanten konnten sich nur sehr schwer entscheiden, welche Säge schwerer ist. Manche meinten sogar dass die alte Husqvarna 550 mehr wiegt. Wie wir ja jetzt schon wissen, gleicht sich das Systemgewicht mit montierter Schneidgarnitur ein Stück weit aus. Aber selbst beim Hochheben der reinen Motoreinheit war der gefühlte Unterschied marginal. Das mag zum einen daran liegen, dass unsere geeichte Waage entgegen der Werksangabe nur eine Differenz von gut 300 g zwischen alt und neu bescheinigte, spricht aber auch für eine gute Massenzentrierung.

Nach dem Starten der Motoren befanden die Tester, dass die Neue einen „rotzigeren“, aggressiveren Klang hat, der sich aber nicht unbedingt lauter anfühlt. Auf dem Papier ist der Lärmpegel der Maschine um 1 dB auf 107 dB gestiegen. Damit gehört die neue Huski leider auch schon zu den lauten Sägen. Zum Vergleich: Die Stihl MS 261 steht mit 104 dB in der Liste.

An der einfachen Bedienung hat sich nichts geändert – der eingefleischte Stihl-Fahrer muss demnach weiter umdenken, weil der Choke oben liegt und zum Ausschalten nach unten gedrückt wird. Seitliche Kettenspannung und verliersichere Muttern gehören auch hier längst zum Standard. Vor allem beim Entasten gibt es viel Lob für das neue „Astwiesel“. Laut dem leitenden Ingenieur für die 50-cm³-Klasse, Anders Persmeer, beschleunigt die 550 Mk II mit dem neuen Motor auch deutlich schneller. Zu der vielgerühmten Flinkheit trät aber weiterhin auch das alte Husqvarna-Konzept mit der außenliegenden Kupplung bei, weil sich die Säge so einfach leichter um die Längsachse kippen lässt. Prinzipbedingt gestaltet sich dafür der Kettenwechsel bei so einer Maschine etwas aufwändiger und wenn man die Säge eingeklemmt hat, lässt sie sich nicht einfach durch den Ausbau des Schwerts befreien, weil man die verspannte Kette nicht abnehmen kann. Das war aber schon immer so.

Die Wendigkeit beim Entasten war seit jeher eine Stärke der kleinen Husqvarna-Sägen
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Die Schnittleistung der neuen Husqvarna 550 XP kann begeistern – mit der dünnen Kette ist man tatsächlich fühlbar flotter unterwegs, ohne dass die schmäleren Zähne dabei merklich früher stumpf werden. Lediglich gegenüber dem filigranen Schwert herrschte bei unseren Testern eine gewisse Skepsis, ob sich dieses nicht leichter verbiegen würde. Laut Hersteller ist die X-Force-Schiene jedoch materialmäßig entsprechend verbessert, dass man sich hier keine Sorgen machen muss. Innerhalb der ersten vier Wochen gab es auf jeden Fall keine Probleme. Keinerlei Kritikpunkte gab es diesmal auch zum Startverhalten. Die Säge springt sehr zuverlässig an – egal ob der Motor kalt oder warm ist. Da haben die Schweden offensichtlich ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht.

Bei der Wartung schlägt wieder das Kupplungskonzept ins Kontor: Mit der Mechanik für die Kettenbremse im Außendeckel ist dieser unweigerlich ein wenig zerklüftet und bietet mehr Ecken und Winkel, in denen sich Späne festsetzen können. Der neue große Luftfilter mit seinen 25 µm feinen Poren verspricht auf jeden Fall lange Wartungsintervalle. Wie bei all diesen neuen Filtern sollte man Druckluft besser meiden und stattdessen lieber zu Wasser und Spüli greifen.

Heiße Kiste

Einen Kritikpunkt fand einer der Tester dann aber doch noch: Die Griffheizung wurde ihm bisweilen zu heiß. Nachdem diese drehzahlabhängig arbeitet, werden die Hände natürlich umso wärmer, je mehr man mit Vollgas im starken Holz unterwegs ist. Andere wiederum, die mehr zu entasten hatten, freuten sich über die Effizienz der Heizung. Möglicherweise hat das auch was mit der Herkunft der Säge aus dem winterkalten Skandinavien zu tun?

Abgesehen von der Lautstärke scheint Husqvarna mit der neuen 550 wieder eine richtig gute Säge auf den Markt gebracht zu haben, die auch zu alten Tugenden zurückgefunden hat. Wir trauen den Schweden auch zu, dass sie die Dauerhaltbarkeit jetzt wieder im Griff haben.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass in Schweden zeitgleich auch die neue Husqvarna 545 XP vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um eine geringfügig „zahmere“ Version mit dem Smart-Start-System, bei dem durch das Vorspannen einer Feder der Anwerfvorgang unterstützt wird. Husqvarna ruft dafür 869 € inklusive MWSt. auf und für die 550 XP 979 €. Mit der Griffheizung sind es 90 € mehr.

 

Kommentar: Sinnloser Krawall

In der jüngeren Zeit musste ich feststellen, dass im Prinzip jede neue Motorsäge, die auf den Markt kommt, noch lauter ist als ihr jeweiliges Vorgängermodell. Das trifft auch auf die hier getestete Husqvarna 550 XP Mk II zu, wenn auch nur in relativ geringem Maße. Den Vogel abgeschossen hat in dieser Beziehung im vergangenen Jahr die Firma Stihl mit ihrer MS 462. Diese übertrifft mit 108 dB die MS 461 um ganze 3 dB. Wir erinnern uns kurz zurück an den Physikunterricht: Eine Differenz von 3 dB entspricht einer Verdoppelung der Schallenergie!

Eine diesbezügliche Nachfrage in der Entwicklungsabteilung von Stihl brachte eine verblüffende Antwort: Die Sounddesigner haben sich „nach der Befragung des Testpublikums für den dynamischeren, aggressiven Sound, der die Leistung überzeugend dokumentiert“ entschieden.

Was lernen wir daraus? Die Säge wurde mit Absicht so laut gemacht, und man hätte es auch anders machen können … Passend dazu hat Stihl in diesen Tagen einen neuen Oberklasse Forsthelm auf den Markt gebracht mit extrem gut gedämpften Gehörschützern, damit der ganze Krach möglichst doch wieder draußen bleibt.

Spätestens an diesem Punkt möchte ich dem Testpublikum genauso wie den Ingenieuren zurufen (in der Hoffnung, dass sie mich überhaupt hören können) ob sie eigentlich noch ganz bei Trost sind!? Wir machen ein Werkzeug mutwillig lauter als es notwendig wäre? Ich gebe offen zu: Als passionierter Motorradfahrer habe ich in der Vergangenheit auch so manches Moped mit einem Spezialauspuff soundmäßig optimiert. Irgendwann wurde mir aber klar, dass das Geboller auf längeren Strecken einfach nur nervt. Wenn das schon bei einem Hobbyspielzeug so ist, das ich nur ab und zu am Wochenende benutze, dann gilt das doch umso mehr bei einem Arbeitsgerät! Wir reden bei diesen Lautstärken ja nicht mehr alleine von den Ohren, sondern von Ganzkörperstress.

Auch bei Husqvarna habe ich kein stichhaltiges Argument gehört, warum die neue Säge wieder etwas lauter geworden ist. Für die reine Verbesserung der Leistungsausbeute scheint es auch hier nicht zwingend notwendig. Offensichtlich denkt derzeit bei den Herstellern niemand groß in Richtung Schalldämpfung, solange nur die Grenzwerte eingehalten werden. Ich finde, da sollte schleunigst ein Umdenken stattfinden. Geringe Lautstärke kann sehr wohl ein Marketinginstrument sein. Wie bei den E-Autos kommt die Akzeptanz für die leise Power ja auch bei den Akkusägen heute schon von ganz alleine.

 

Heinrich Höllerl