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Forstleute aus 15 europäischen Ländern trafen sich auf Einladung der UEF, FECOF und Landesforsten RLP zu einem gemeinsamen Kongress im Schloss Waldthausen bei Mainz. Vorn in der Mitte: die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken

Europas Forstleute zu Gast in Rheinland-Pfalz

Am 28. September 2017 trafen sich Europas Forstleute auf Einladung der Union of European Foresters (UEF), der Fédération Européene des Communes Forestiéres (FECOF) und Landesforsten Rheinland-Pfalz im Schloss Waldthausen bei Mainz zu einem gemeinsamen Kongress.

Der neu gewählte UEF-Vorstand mit Präsident Michael Diemer (3. v. r.) Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken Prof. Dr. Ulrich Schraml von der FVA in Freiburg FECOF-Präsident Pierre Grandadam Dan Burgar Kuželicki von der EU-Kommission

Alle vier Jahre kommen die europäischen berufsständischen und gewerkschaftlichen Vertreter der UEF zusammen, um ihr Präsidium neu zu wählen. Auch die forstpolitischen Weichen für die Zukunft werden neu gestellt und wichtige Prozesse angestoßen. Der XIX. Kongress der UEF wurde am 28. September 2017 gemeinschaftlich mit der europäischen Kommunalwaldorganisation FECOF ausgerichtet und stand unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken.

Forstwirtschaft im Wandel

Das Tagungsseminar am 28. September stand unter der Überschrift „Forstwirtschaft im Wandel – Change Processes and Change Management in Forestry“ und wurde durch Ulrike Höfken, Forstministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Michael Diemer, Präsident der UEF, Pierre Grandadam, Präsident der FECOF, und Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF, eröffnet.

„Auch die Forstwirtschaft und Entwicklung von Wäldern kann ohne die internationale und vor allem europäische Dimension nicht mehr gedacht werden. Hierzu haben vor allem die Menschen, die damit tagtäglich arbeiten müssen, etwas zu sagen. Dass wir uns dazu mit unseren europäischen KollegInnen austauschen und absprechen können, ist ein großer Gewinn. Ich freue mich auf dieses Treffen der großen forstlichen Familie. Ein Einengen in nationale Grenzen bringt uns nicht weiter“, begrüßte Ulrich Dohle die Gäste.

Staatsministerin Höfken betonte die großen Herausforderungen der Forstwirtschaft und des Waldes im Hinblick auf die Themen Klimawandel, Biodiversität und Rohstoffversorgung. Die Forstleute könnten zu Recht stolz sein auf den Begründer des Nachhaltigkeitsbegriffs Carl von Carlowitz und ihre heutige Arbeit, mit ihrem umfassend nachhaltigen und multifunktionalen Ansatz, der insbesondere auf Langfristigkeit ausgerichtet sei. Der Wald sei sowohl Retter als auch Opfer in Zeiten des Klimawandels, so Höfken weiter. Jedes Jahr bedeute der Klimawandel beispielsweise einen Verlust von 20 Mio. Euro für den rheinland-pfälzischen Wald. Ein Wandel hätte auch für das Rollenbild des Försters stattgefunden, erklärte die Ministerin und fügte hinzu, dass Forstleute heute Dienstleister, Moderatoren und Multiplikatoren seien. Höfken schloss ihre Begrüßungsrede mit den Worten: „Forstleute bilden den Grundstein, um die gewachsenen Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.“

Forest Family

Pierre Grandadam, Präsident der FECOF, legte besonderen Wert auf die Verbundenheit der „großen forstlichen Familie“ in Europa, die sich auch in der Interessenvertretung in Brüssel zeige. Nur gemeinsam könne man die inhaltlichen Herausforderungen, vor denen die „Forest Family“ in diesen turbulenten Zeiten ohne jeden Zweifel stehe, bewältigen, betonte er. Sie vereine dabei die Zielvorstellung eines multifunktionalen und nachhaltig bewirtschafteten Waldes, der den verschiedensten Interessen, die an ihn gestellt werden, gerecht werde. Dafür lohne es sich, erläuterte Grandadam, im europäischen Sinne, zu kämpfen.

Dan Burgar Kuželicki von der EU-Kommission hielt den ersten Fachvortrag. Er stellte fest, dass trotz einer fehlenden gemeinsamen EU-Forstpolitik die Wälder eine wichtige Bedeutung in vielen Politikfeldern der EU einnehmen. Dabei unterliegen sie einem großen Wandel, dem man entsprechend begegnen müsse. Auch er ging auf den Klimawandel und die EU-Klimaziele sowie die Rolle von Bioenergie und Bioökonomie ein. Weiterhin machte er deutlich, dass aus Sicht der EU-Kommission nur eine nachhaltige Forstwirtschaft die Leistungen der Wälder auch in und für die Zukunft sichern kann.

Der zweite Referent des Kongresses war Prof. Dr. Ulrich Schraml von der FVA in Freiburg. Sein Vortrag trug den Titel „Einflüsse von Veränderungsprozessen auf das Forstpersonal“. In seiner Präsentation machte er deutlich, dass sich die Gesellschaft über die vergangenen Jahrzehnte kolossal verändert habe und nannte insbesondere Stichwörter wie Lebensstile, Technik, Landflucht, Informationsverfügbarkeit und Kommunikation. Es gebe aktuell eine Sehnsucht nach Landleben und Wildnis. Viele derjenigen Menschen jedoch, die sich nach diesem Leben sehnen, so Schraml, seien gleichzeitig nicht bereit Einschränkungen hinzunehmen. Forstliche Experten werden zunehmend nicht als Problemlöser, sondern als Teil des Problems gesehen. Der Wald würde erfolgreich von Buchautoren als Sozialutopie verkauft und so auch verstanden, fügte er hinzu. Es gebe kaum Verständnis für Waldeigentum in einem Leben ohne Besitz, wo alles „geteilt“ würde, sagte Schraml. Er skizzierte abschließend einige Lösungsansätze für diese Probleme. Gefragt seien heute Forstleute mit einem breiten Rollenverständnis und vielfältigen Kompetenzen. Der Wald könne zum Bildungsort werden, wo man bereits früh die Liebe zum Wald wecken kann, betonte Schraml. Nur so könne man die eigenen „Kunden“ zu Multiplikatoren machen und ehrenamtliches Engagement für den Wald stärken und dadurch „Verbündete“ finden.

An der nachfolgenden Podiumsdiskussion beteiligten sich die Vorsitzenden des finnischen, bulgarischen und italienischen Berufsverbandes sowie der Direktor der französischen Kommunalwaldvereinigung FNCOFOR als Vertreter der FECOF. Einig war man sich in dieser Runde, dass sich die Kommunikation zwischen den verantwortlichen Entscheidungsträgern und Betroffenen noch stark verbessern müsse. Dies gelte sowohl untereinander als auch für die Kommunikation nach außen. Das Berufsbild des Försters hätte sich, gleichsam wie die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald, in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark verändert. Dieser Trend gehe jedoch nicht mit einer positiven Entwicklung bei der Personalausstattung oder der Bezahlung des Fachpersonals einher. Hier sahen die Experten einen deutlichen Nachbesserungsbedarf für die Zukunft.

Fachexkursion

Abgerundet wurde der Tagungsteil im Schloss Waldthausen durch eine Fachexkursion, organisiert durch das Forstamt Kastellaun und Mitarbeiter der Landesforsten Rheinland-Pfalz, in den Soonwald. Denn neben aller Theorie darf der Wald als praktisches Betätigungsfeld bei keiner forstlichen Veranstaltung fehlen. Die Forstleute erhielten während des Nachmittags Einblicke in die QD-Waldbaustrategie der Landesforsten, die Umsetzung von Windkraftanlagen im (Staats)-Wald und den technischen Fortschritt bei der Waldarbeit.

Mehr Informationen zu den Verbänden:
http://www.european-foresters.eu/
http://www.fecof.eu/
https://www.wald-rlp.de/
http://www.bdf-online.de/

Jens Düring, Pressereferent des BDF, und Alexander Wendlandt, Techn. Berater mit geschäftsführender Funktion der FECOF
Der neu gewählte UEF-Vorstand mit Präsident Michael Diemer (3. v. r.) Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken Prof. Dr. Ulrich Schraml von der FVA in Freiburg FECOF-Präsident Pierre Grandadam Dan Burgar Kuželicki von der EU-Kommission

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