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Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen

Zum 26. Mal wurden vom 5. bis 10. August die Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen (EFOL) ausgetragen.

Rund 350 Läuferinnen und Läufer aus 14 Nationen trafen sich in Jablonec nad Nissu (Gablonz an der Neiße) in der Tschechischen Republik, um die per Karte und Kompass in Stadt-, Park- und Waldlandschaften orientierungstechnisch besten und dabei schnellsten Läufer aus der Forstbranche zu ermitteln.

Einmal Silber für das deutsche Team

Nach einigen Jahren ohne deutsche Beteiligung fuhr dieses Jahr wenigstens ein kleines fünfköpfiges deutsches Forst-Orientierungs-Lauf-Team nach Tschechien. Startberechtigt in den Meisterschaftsklassen sind alle Beschäftigten der Forstbranche, Waldbesitzer, Forststudenten und Auszubildende im Forstbereich sowie ihre Angehörigen. In der offenen Klasse ist jedermann eingeladen teilzunehmen. Durch zwei Forstwissenschaftler-Familien aus Bayern und Niedersachsen waren so die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, die Technische Universität München, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und der TÜV Nord vertreten.

Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen
Massenstart der Seniorenstaffeln und der Open-Class-Staffeln. Foto: G. Weber-Blaschke

Dass die deutsche Mannschaft nicht leer ausging, war einer länderübergreifenden Liaison zu verdanken, da sich bei nicht zustande kommenden Länderstaffeln auch Einzelläufer verschiedener Nationen zusammenschließen durften. In der Schülerklasse M14 holte sich das Team mit Lukas Blaschke (Deutschland) und Sebastian Glazko (Litauen) die Silbermedaille. Sie mussten sich nur den schnellen Letten geschlagen geben, konnten aber überraschenderweise die starken Polen hinter sich lassen. Die Deutschlandstaffel, die in der Open-Class mit Alexandra Nuske, Robert Nuske und Gabriele Weber-Blaschke startete, verpasste dort aber ihre Minimal-Chance auf den 3. Platz durch zeitraubende Orientierungsschnitzer der zwei letztgenannten Läufer – beide beim verflixten Posten 10 auf einer zugewachsenen Verjüngungsfläche – und erreichte den 5. Platz.

Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen
Staffelübergabe der Deutschlandstaffel von Gabriele Weber-Blaschke (l.) auf Alexandra Nuske. Foto: L. Blaschke

Team-Leader Markus Blaschke freute sich beim freundschaftlichen Staffelerlebnis mit einem estnischen und einem finnischen Kollegen über Platz 8 in ihrer Wertungsklasse (Seniorenklasse Herren). Auch bei den Einzelläufen im Sprint und in der Mitteldistanz schlugen sich die deutschen Starter zufriedenstellend bis beachtlich. Alexandra Nuske verpasste mit zwei 4. Plätzen nur knapp das Treppchen, was gegen die erwartungsgemäß starken Skandinavier- und Osteuropäerinnen, bei denen Orientierungslaufen teilweise zu den Nationalsportarten gehört, sensationell gewesen wäre.

Abwechslungsreiches Nordböhmen und Isergebirge

Der Sprintwettbewerb fand in der Gastgeberstadt Jablonec rund um das Leichtathletikstadion statt. Hier galt es, anhand der Karte blitzartig zu entscheiden, welche Straßenzüge und Parkdurchquerungen die schnellste Route bildeten, und in der Eile nicht einen der vielen falschen Posten (Posten einer anderen Laufklasse) anzusteuern. Jablonec ist bekannt für seine moderne Architektur der 1900er, 1920er und 1930er Jahre mit prächtigen Bauten des Jugendstils und des Funktionalismus sowie für die Glasproduktion, die in den umliegenden Wäldern eine Fichtendominierte Forstwirtschaft prägte. Zudem ist es ein bedeutendes Zentrum des Sports, im Sommer Radfahren und Wandern, im Winter Skifahren in jeglicher Form.

Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen
Das böhmische Mittelgebirge grenzt unmittelbar an das Lausitzer Bergland an. Foto: L. Blaschke

Die Wettbewerbe Mitteldistanz und Staffel wurden in den stadtnahen Wäldern des Isergebirges mit Zieleinlauf im Langlauf- und Biathlonstadion durchgeführt. Das Isergebirge ist Teil der Westsudeten an der Grenze zwischen Tschechien und Polen, geprägt von Granit im Süden und von Gneiss, Glimmerschiefer und einigen Gebieten mit vorherrschendem Basalt im Norden. Der höchste Berg auf tschechischer Seite ist der Smrk mit 1.124 m. Durch die Strukturvielfalt des Geländes mit kleineren und größeren Felsformationen, Bachtälern, Bergkuppen, unterschiedlichsten Waldbeständen und schwer abzuschätzender Belaufbarkeit mussten die Orientierungsläufe konzentriert, leichtfüßig und durch die Höhendifferenzen mit guter Kondition erfolgen.

Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen
Felsformationen prägen die Waldstrukturen in den Gebirgen im nördlichen Tschechien. Foto: L. Blaschke

Neben den Sportwettbewerben (mit Eröffnungs- und Abschlusszeremonien aller Nationen einschließlich einer eigenen EFOL-Hymne) wurden von den tschechischen Gastgebern auch ein forstfachliches Seminar, ein gemeinschaftliches Bankett sowie forstliche und kulturelle Exkursionen in die Umgebung höchst professionell organisiert. Auch bei dieser Veranstaltung war der Borkenkäfer Thema Nummer eins. Während das niederschlagsreiche Isergebirge mit Fichtenabgängen noch relativ verschont ist, haben die Kalamitäten in ganz Tschechien große Dimensionen erreicht. Insbesondere westlich von Prag fallen zudem viele Kiefern(rein)bestände aus. Problematisch ist insbesondere, dass die Aufarbeitungen in den staatlichen Forsten nahezu ohne eigene Waldarbeiter erfolgen muss. Derzeit sind aber kaum noch fachkundige Unternehmer zu bekommen.

Europameisterschaften im Forstlichen Orientierungs-Laufen 2020

Die weißrussische Mannschaft nahm bei der Abschlussveranstaltung aus den Händen der hervorragenden tschechischen Gastgeber die EFOL-Flagge entgegen und heißt alle europäischen Orientierungs-Läufer der Forstbranche nächstes Jahr in Grodno im Westen von Weißrussland in der Nähe der litauischen und polnischen Grenze herzlich willkommen.

Markus Blaschke, Teamleader der deutschen Mannschaft, nimmt Anmeldungen aus der deutschen Forstbranche gerne entgegen: info@efol.de

Weitere Informationen im Internet: www.efol.de

Markus Blaschke, Gabriele Weber-Blaschke/Red.

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