Holzindustrie, -verbände

Europäischer Holzbau will ressourceneffiziente Wald- und Holznutzung

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Der Europäische Holzbauverband Timber Construction Europe reagiert auf die derzeit dramatische Versorgungslage der Holzbaubetriebe mit einem Bündel an Lösungsvorschlägen für eine ressourceneffiziente Wald- und Holznutzung.

Die europäischen Zimmereien und Holzbauunternehmen sehen sich seit Anfang des Jahres 2021 in einem Spannungsfeld zwischen erhöhter Nachfrage in nahezu allen Holzbausektoren und einer unsicheren Versorgungslage mit Holzprodukten. Erschwerend hinzu kommt, dass die Preise im Laufe des Frühjahrs 2021 deutlich gestiegen sind – zum Teil auf das Doppelte. Als Grund sieht der Europäische Holzbauverband Timber Construction Europe gestiegene Überseeexporte der Roh- und Schnittware nach Nordamerika und Asien. Sie führen zu einer Verknappung auf den europäischen Märkten und wirken der angestrebten Klimaschutzwirkung, wie sie im Green Deal für Europa beschrieben wurde, gegenwärtig entschieden entgegen, so der Verband.

Nachfrage nimmt zu

Die Nachfrage nach nachhaltigem Holzbau habe zugenommen, die Politik habe dessen Potenziale erkannt. Jetzt verschärfe sich aber trotz ausreichender Holzvorräte die Versorgungslage aufgrund von klimabedingten Waldschäden, pandemiebedingten Marktschwankungen und begrenzten regionalen Verarbeitungskapazitäten.

Die Sägeindustrie profitiere aktuell von einer erhöhten Nachfrage in den Überseemärkten. Dies habe zur Folge, dass die Materialkosten auf dem europäischen Markt für die Unternehmen des Holzbaus signifikant gestiegen sind. Das erschwere die Kalkulation aktueller Projekte für Zimmererbetriebe. Zusätzlich bremsen lange Lieferzeiten und Engpässe bei der Versorgung die Marktdynamik des europäischen Holzbaus. Dadurch werde der Klimaschutzbeitrag, zu dem die Holzbauweise in der Lage sei, signifikant geschmälert.

Klimaschutz größte Herausforderung

Der Klimaschutz stelle mittlerweile für die weltweite und insbesondere für die industrielle Gesellschaft in Europa eine der größten Herausforderungen dar. Dazu müsse und könne der Bausektor und insbesondere der Holzbau einen wichtigen Beitrag leisten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dies schließe unter anderem kurze regionale Lieferwege und Wertschöpfungsketten mit ein.

Folgende Lösungen schlägt der Verband vor:

Konsequente CO2-Besteuerung im Bausektor

Der Bausektor ist weltweit für ein Drittel der Treibhausemissionen verantwortlich. Die globale Erwärmung muss deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau beschränkt werden. Dazu ist es notwendig, Lieferwege und Herstellungsprozesse von Baumaterialien konsequent hinsichtlich ihrer CO2-Bilanz in die öffentlich-rechtliche Bewertung einzubeziehen und zu bepreisen. Die „Graue Energie“ darf nicht länger in der Bewertung von Gebäuden und Baumaterialien unberücksichtigt bleiben. Im Rahmen der Bauprodukten-verordnung muss als wesentliche Grundanforderung an Bauwerke BWR 7 die „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ für alle EU- Mitgliedstaaten mandatiert und systematisch ausgeführt werden.

Bekenntnis zur forstwirtschaftlichen Nutzung der europäischen Wälder

Der Wald erfüllt viele Aufgaben. Er ist Erholungsgebiet, wichtiger Klimaschützer, Heimat für Tiere und Pflanzen und ein wichtiger Rohstofflieferant. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung gewährleistet, dass der Wald diese vielfältigen ökologischen, sozialen und ökonomischen Leistungen dauerhaft gewährleistet. Die Rohstoffversorgung ist so langfristig gesichert. Auch in Zukunft soll der europäische Wald nachhaltig forstwirtschaftlich genutzt werden und den umweltfreundlichen Baustoff Holz liefern. Durch das Bauen mit Holz wird das Klimaschutzpotenzial der Bauwirtschaft erhöht. Wald und Holzbau können so gemeinsam als Kohlenstoffspeicher die Klimaschutzleistung deutlich steigern. Eine ressourceneffiziente Holznutzung muss sich ebenso an den langfristigen Bedürfnissen der heimischen Holzwirtschaft, wie auch an den gesellschaftlichen Erfordernissen des Naturschutzes orientieren. Gesetzliche Vorgaben und Regelungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft müssen dabei umgesetzt werden.

Ressourceneffiziente Nutzung des Rohstoffes Holz

Auch wenn aktuelle Holzbestände durch Umwelteinflüsse oder Insektenbefall gezeichnet sind, stellt das betroffene Holz keinen minderwertigen Rohstoff dar, sondern verfügt über nahezu identische Eigenschaften wie herkömmliches Bauholz. Das sogenannte Kalamitätsholz behält, unabhängig von äußeren Beeinträchtigungen, seine Tragfähigkeit und seine wichtige Funktion als CO2-Senke. Grundsätzlich sollte aus ökologischer und klimapolitischer Sicht die stoffliche Verwertung von Holzbeständen der thermischen Verwertung vorgezogen werden. Das Potenzial der stofflichen Nutzung von Holz ist dabei noch nicht ansatzweise ausgeschöpft. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen der Kaskadennutzung weiter verbessert werden, um die CO2-Speichereffekte und somit die Klimaschutzwirkung aufrecht zu erhalten.

Förderung von nachhaltigen Nahversorgungsnetzwerken

Für einen effizienten Klimaschutzbeitrag ist eine direkte und regionale Rohstoffversorgung von großer Bedeutung. Eine stringente Wertschöpfungskette vom Wald über die Sägewerke zu den holzverarbeitenden Unternehmen mit kurzen Lieferketten ist in hohem Maße ökologisch. Dadurch wird der bestmögliche Klimaschutzeffekt erzielt, da lange Transportwege und somit CO2-Ausstoß vermieden werden. Gestärkt werden damit zudem die klein- und mittelständischen Wirtschaftsstrukturen in den europäischen Regionen. Dazu zählt der Aufbau von effizienten Kooperationsstrukturen und die Bildung und Förderung von Genossenschaften. So könnten stabile und faire Preise sowie eine zuverlässige Verfügbarkeit entlang der Wertschöpfungskette erreicht werden.

Gezeichnet durch das Präsidium von Timber Construction Europe

Peter Aicher, Holzbau Deutschland- Bund Deutscher Zimmermeister

Hansjörg Steiner, Holzbau Schweiz

Sigfried Fritz, Holzbau Austria

Hubert Gruber, lvh.apa

Jean Schumacher, Holzbau Luxembourg

Quelle TCE