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Europäische Bauleistungen im Rückwärtsgang

Für das Jahr 2012 ist in Europa von einer Abnahme der Bauaktivitäten um gut 4,5 % auszugehen, und auch für 2013 werden nochmals leichte Einbußen erwartet. Laut den Experten des europäischen Forschungs- und Beratungs-netzwerkes EUROCONSTRUCT ist erst zum Ende des Prognosehorizonts im Jahr 2015 mit einer Erholung zu rechnen. Doch nicht überall leidet der Bausektor. So trotzen etwa Irland, Norwegen und Deutschland dem negativen Trend.
Internationale Experten-Einschätzung
Auf der Winterkonferenz 2012 in München präsentierte das EUROCONSTRUCT-Netzwerk seine neuesten Einschätzungen zur Baukonjunktur in Europa. Dabei dürfte den aktuellen Prognosen zufolge das Bauvolumen in den 19 Ländern, die dem Netzwerk angehören, im Zeitraum von 2008 bis 2013 insgesamt um rund ein Fünftel schrumpfen. Für das Jahr 2013 wird nur mit einem Umfang von 1,27 Bill. EUR (in Preisen von 2011) gerechnet, wodurch das europäische Bauvolumen dann voraussichtlich sogar das Niveau von Mitte der 1990er Jahre knapp unterschritten haben wird.
„Die positive Entwicklung der Bauwirtschaft in Europa, die maßgeblich durch die niedrigen Zinsen nach der Euroeinführung, steigenden Wohlstand und die umfangreiche Förderung von Infrastrukturprojekten begünstigt wurde, fand ihr Ende mit der Finanz- und Wirtschaftskrise“, erklärt ifo-Experte Ludwig Dorffmeister. In etlichen der 19 EUROCONSTRUCT-Länder halte die Eurokrise das Baugeschehen weiter in Atem, hinzu kommt die anhaltende Schwäche der Weltwirtschaft.
Im vergangenen Jahr wiesen insbesondere Großbritannien (-6,6 %) und Italien (-5,8 %) einen deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen auf, und auch für das Jahr 2013 werden in diesen beiden Ländern Einbußen erwartet (-2,1 % und -1,4 %). Für Frankreich (-0,9 %) sieht es dieses Jahr nur wenig besser aus. Auch in Spanien dürften die Bauleistungen weiter abnehmen. Für Portugal bleiben die Risiken für die Bauwirtschaft vorerst weiter hoch.
In Deutschland wirkt sich lediglich die öffentliche Baunachfrage bremsend aus. Die Pipeline für gewerbliche Bauvorhaben ist gut gefüllt, und starke Zuwächse sind in den nächsten Jahren vor allem im Wohnungsbau zu erwarten. Günstige Zinsen, Sorgen um eine steigende Inflation und ein Anhalten der Eurokrise sowie Wohnungsmangel in Ballungsgebieten sind einige Gründe für die zuletzt gestiegene Neubaunachfrage.
Für die europäische Bauwirtschaft bleiben laut EUROCONSTRUCT die Rahmenbedingungen insgesamt jedoch weiter ungünstig. Dennoch dürfte das Baugeschehen in einzelnen Ländern lebhaft bleiben, so Dorffmeister.
 
ifo Institut

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