Forstpolitik

EU-Parlament: Abgeordnete pochen auf aktives Bewirtschaften

Bearbeitet von Jörg Fischer

Das EU-Parlament verlangt Korrekturen an Kommissionsplänen zur Waldstrategie, spricht sich aber für Holz als erneuerbaren Rohstoff aus.

EU-Politik ist manchmal schwer nachvollziehbar. Am 14. September sprachen sich die EU-Abgeordneten mehrheitlich gegen den Ausbau der Holznutzung zur Energieerzeugung aus. Einen Tag vorher fassten sie aber eine Entschließung zur EU-Waldstrategie 2030.

Diese hatte die EU-Kommission im Juli 2021 präsentiert. Sie soll Leitlinien vorgeben, wie Europas Wälder an neue Bedingungen, Wetterextreme und die Unsicherheit des Klimawandels anzupassen sind.

EU-Parlament: Wald nicht als CO2-Senke für andere sehen

In der Entschließung hebt das Parlament bemerkenswerterweise hervor, Holz sei die einzige natürliche erneuerbare Ressource, die energieintensive Materialien ersetzen könne. Die „multifunktionale Rolle“ der Wälder erfordere eine ausgewogene Umsetzung der EU-Waldstrategie, um diese Leistungen bereitzustellen.

Wälder nur als CO2-Senken zu sehen, die für fehlenden Emissionsreduktionen in anderen Wirtschaftszweigen herhalten müssen, dagegen sprachen sich die EU-Parlamentarier aus. Dass mehr als drei Milliarden Bäume bis 2030 gepflanzt werden sollen, begrüßten sie indes.

Aktives Bewirtschaften gefordert

In ihrer Entschließung pochen die EU-Volksvertreter unter anderem auf eine nachhaltige aktive Bewirtschaftung der Forstflächen, um die Anpassung und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu stärken. Das steht den weitreichenden Stilllegungsplänen von bis zu 10 % der Kommission entgegen.

Angesichts der Vielfalt der Wälder und Klimabedingungen in der EU sollte die Art der Bewirtschaftung aber stärker auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene entwickelt und weniger von der EU-Kommission vorgegeben werden, so das Parlament. Mit Nachdruck betonen die Abgeordneten das hohe Maß an Subsidiarität der Mitgliedstaaten in der EU-Forstpolitik.

Gleichzeitig drängen sie auf eine EU-weite Definition und Kartierung von Primär- und Altwäldern, da diese „eine Schlüsselrolle“ für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Kohlenstoffbindung und das Bereitstellen von Süßwasser spielten. Monoforstkulturen seien nicht länger mit EU-Geld zu unterstützen, da artenreiche Wälder eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels aufwiesen, heißt es unter anderem in der Entschließung.

Waldbauern sollen einbezogen werden

Die Parlamentarier fordern zudem die Kommission auf, mit den Waldbesitzern eng zu kooperieren, denn rund 60 % der Wälder befinden sich im Besitz von etwa 16 Millionen Privateigentümern. In Europa besitzt die Mehrheit der Eigentümer weniger als 10 ha. Die Kooperation mit den Waldbauern müsse einer der Eckpfeiler bei der Umsetzung der neuen EU-Forststrategie sein. „Wir haben Gutes erreicht für die Förster und Waldeigentümer”, zeigt sich die bayerische EU-Abgeordnete Ulrike Müller (Freie Wähler) zufrieden. Sie leitete über rund sechs Monate als Berichterstatterin federführend die Verhandlungen.

Gleichzeitig bemängelte das Europaparlament, dass bisher nicht einmal die Hälfte der verfügbaren EU-Mittel für forstwirtschaftliche Maßnahmen verwendet worden sei. Es fordert die Mitgliedstaaten auf, die bürokratischen Hürden für die Inanspruchnahme dieser Beihilfen abzubauen.

So bewerten Abgeordnete den Beschluss

Die bayerische SPD-Abgeordnete Maria Noichl kritisiert indes, dass sich das Parlament nicht für ein klareres Bekenntnis zu einer EU-weiten Kontrolle und strategischen Planung einer nachhaltigen, multifunktionalen Waldwirtschaft durchgerungen habe. „Soll die Kommission zukünftig vor den nationalen Plänen der Mitgliedstaaten kuschen müssen“, fürchtet sie. Marlene Mortler, CSU-Abgeordnete in Brüssel widerspricht vehement: „Eine Zentralisierung der Forststrategie nach Europa und neue Zertifizierungen sind ein Irrweg.“ Man müsse dem „großen Erfahrungsschatz“ der privaten und staatlichen Waldeigentümer sowie der Förster intensiv zu nutzen.

Für die Grünen ist mit der Entschließung indes eine Chance vertan. Sie stimmten daher nicht zu. Nach Einschätzung von Martin Häusling (Grüne) läuft die Parlamentsposition darauf hinaus, dass naturnahe Waldbewirtschaftung zwar als Goldstandard bezeichnet wird, seine Umsetzung aber freiwillig bleiben soll und somit wohl weiterhin ein Nischendasein fristen wird. Sie befürworteten stattdessen EU-weite Regelungen.

Text: Josef Koch, Redaktion BLW, mit Material von AgE