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ESF-Projekt "Gescheites Brennholz"

ESF-Projekt „Gescheites Brennholz“

Ziel des ESF-Projektes „Gescheites Brennholz“ (Projektdauer: 1.10.2010 – 31.3.2012) ist es, praxisorientierte Lehrgänge und Informationen für hessische Brennholzbetriebe und deren Beschäftigten zu entwickeln und zu erproben. Durch Vermittlung und Umsetzung von Erkenntnissen zu Arbeitsschutz, Trocknung und Qualitätssicherung können die Wettbewerbsfähigkeit von Brennholzbetrieben gesteigert, regionale Holzenergiemärkte institutionalisiert und Brennholz effizienter und emissionsärmer für die Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Die entwickelten Seminare können als berufliche Qualifizierungsmaßnahme in die Ausbildung vorhandener Ausbildungsberufsbilder eingesetzt werden.

Für das Seminar Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz wurde eine Checkliste zur Gefährdungsermittlung entwickelt. In vielen Betrieben fehlt eine deutlich gekennzeichnete Abgrenzung des Arbeitsbereiches gegenüber denjenigen Flächen, auf denen sich Kunden (Selbstabholer) und Besucher bewegen dürfen. Weitere Aspekte sind Umgang mit Motorsäge, Sägespaltmaschine, Trockner, Manipulation und Stapeln von Stamm- und Brennholz, Maschinenlärm, sowie Ladungssicherung. Anhand von Übungen werden die Teilnehmer im Umgang mit Gefahren sensibilisiert.

Im Seminar Trocknung und Feuchtebestimmung von Scheitholz lernen die Teilnehmer Grundlagen der natürlichen und technischen Brennholztrocknung kennen und können einen Trocknungsprozess mit einfachen Mitteln steuern. Sie können an einzelnen Scheiten die Holzfeuchte zu Beginn und am Ende der Trocknung mittels Darrprobe bzw. elektrischem Messgerät nachvollziehbar bestimmen und Kunden vermitteln.
Im Seminar Normung, Messtechnik und Qualitätssicherung von Scheitholz lernen die Teilnehmer Brennholznormen und einfache Werkzeuge der Qualitätskontrolle kennen sowie den Umgang mit Messtechnik und Einflüsse der prozess- und produktbezogenen Qualitätssicherung und können diese für ihre betrieblichen Anforderungen anwenden. Sie können Feuchtemessgeräte vergleichen und beurteilen sowie Brennholzmengen nachvollziehbar ermitteln und ihren Kunden Qualitätsunterschiede erläutern.
Abhängig Beschäftigte aus Brennholzbetrieben in Hessen können innerhalb der Projektlaufzeit kostenfrei an den folgenden Seminaren teilnehmen. (Infos unter http://www.holzfachschule.de/technologie-transferprojekte-gescheites-brennholz.html).  
  • Modul 1: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Brennholzbetrieb, 27.2.2012
  • Modul 2: Trocknung und Feuchtemessung von Scheitholz, 28.-29.2.2012
  • Modul 3: Normung, Messtechnik, Qualitätssicherung von Scheitholz, 1. – 2.3.2012
Danach werden die Seminare bundesweit und für alle Zielgruppen angeboten.
Die erfolgreiche Teilnahme wird mit einem Zertifikat bescheinigt und gilt als Fortbildung für Mitglieder des BuVBB e.V. sowie der RAL-Gütegemeinschaft Brennholz e.V.

Anhand der guten Erfahrungen mit dem Projekt „Gescheites Brennholz“ ist nun ein weiteres Branchenprojekt „Definierte Hackschnitzel“ (1.10.2011 bis 30.11.2013) von der Holzfachschule in Kooperation mit dem Bundesverband Brennholzhandel und -produktion e.V. gestartet worden. Infos sowie eine Online-Befragung können unter www.definierte-hackschnitzel.de nachgelesen werden.

Das ESF-Projekt „Gescheites Brennholz“ und das ESF-Projekt „Definierte Hackschnitzel“  sind Branchenprojekte des Bundesverbandes Brennholzhandel und -produktion e.V. gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds – und der Holzfachschule Bad Wildungen e.V.
        
Hintergrund
 
Die Aufbereitung von Brennholz entwickelt sich aufgrund der Verknappung fossiler Energieträger rasant, flächendeckend und dezentral. In 2005 wurden in Deutschland ca. 21,7 Mio. m³ (fm) Holzbrennstoffe in Privathaushalten verbraucht. Davon entfielen 17,5 Mio. m³ (fm) oder 80,5 % auf Scheitholz [MANTAU / SÖRGEL, 2006]. Im Jahr 2008 waren es bereits 20 Mio. m³ (fm) Scheitholz [HICK / MANTAU, 2008]. Werden Importe fossiler Brennstoffe durch heimisches Scheitholz ersetzt, verbleiben mindestens 60 % der Kosten als vermiedene Devisen zusätzlich als Kapital für die regionale Wirtschaft. Aufgrund der begrenzten Holzmengen und steigender Nachfrage ist schon jetzt ein effizienterer Umgang erforderlich.
Laut einer Befragung in Hessen (Rücklauf n=50) gehören Brennholzbetriebe überwiegend zu Land-, Forst-, Holzwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau oder zum Handwerk. Sie sind entweder Mitglied in der Land- u. Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (BG) oder in der Holz-BG. Meist handelt es sich um inhabergeführte Betriebe im Nebenerwerb oder mit zusätzlichem Geschäftsfeld, die einen Familienangehörigen und / oder eine Aushilfskraft in Teilzeit oder in Vollzeit beschäftigen. Gleichwohl gibt es auch hoch mechanisierte hauptgewerbliche Brennholzbetriebe mit großer Produktionskapazität. Mehr als die Hälfte der Betriebsinhaber sind Gesellen oder Facharbeiter, 25% sind Meister. Die durchschnittliche Jahresmenge pro Betrieb beträgt knapp 1800 srm. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe produziert / handelt zwischen 200 bis 700 srm pro Jahr, ¾ der Betriebe macht ca. 200 bis 1500 srm pro Jahr. Etwa 2/3 des Scheitholzes wird trocken und ca. 1/3 nass verkauft. Knapp 2/3 des Scheitholzes wird in srm und ca. 1/3 in rm angeboten.
Organisationsstrukturen, Berufsbildungsmaßnahmen und wirtschaftssystematische Zuordnung von Brennholzbetrieben sind kaum bekannt. Sie zahlen Beiträge an Berufsgenossenschaften, Sozialversicherungsträger und an das Finanzamt, sind aber als eigenständige Branche mit einem eigenen Ausbildungsberuf nicht identifizierbar.
Geht man davon aus, dass ca. 65% des jährlichen Scheitholzverbrauches für Eigenversorgung direkt ab Wald aufbereitet und ca. 15% importiert werden, verbleiben ca. 20% von 20 Mio. m³ (fm), die in Deutschland gewerblich erzeugt werden. Bei einer mittleren Jahresproduktion von 1.800 srm je Betrieb und einer Umrechnung von 2 srm / fm gibt es ca. 325 Betriebe in Hessen und ca. 4.440 Betriebe bundesweit.
 

Holzfachschule Bad Wildungen

 
Holzfachschule Bad Wildungen

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