Waldschutz

Eschentriebsterben: Auf der Suche nach der „Super-Esche“

Bearbeitet von Jörg Fischer

Ein kleiner, unscheinbarer Pilz macht unseren Eschen zu schaffen. Schon seit Jahren verursacht das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), Erreger des sogenannten Eschentriebsterbens (ETS), deutschlandweit erhebliche Schäden in Eschenbeständen. Die größte Hoffnung wird derzeit auf die natürliche Entwicklung von Resistenzen gegen das ETS gesetzt.

Forschende der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) untersuchen derzeit, ob sich solche Resistenzen genetisch nachweisen lassen. Im Rahmen des bundesweiten Verbundprojekts „FraxForFuture“ – gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV) – wird gezielt nach Eschen gesucht, die nur wenige oder sogar gar keine Symptome aufweisen. Ziel der Suche sei es, die Hoffnungsträgerinnen für den zukünftigen Erhalt der Esche zu finden. Felix Rentschler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Waldnaturschutz der FVA: „Es gibt Hinweise, dass einige Eschen gegen die Infektion toleranter sind als andere und dies genetische Ursachen hat. Solche Bäume stechen aus stark erkrankten oder absterbenden Eschen im direkten Umfeld hervor.“

Im Jahr 2021 wurden mithilfe interessierter Forstrevierleitenden und Waldbesitzenden bereits 150 solcher Eschen identifiziert, wie aus einer Pressemitteilung der FVA hervorgeht. Kleiner Wermutstropfen: Auch die potenziell toleranten Bäume wiesen dennoch häufig leichte Schadsymptome auf. „Völlig resistente Eschen konnten wir bisher noch nicht finden“, so Rentschler. So viele nahezu gesunde Eschen zu finden wie nur möglich sei deshalb enorm wichtig, um potenziell pilzresistente Bäume zu erhalten.

Mit Genetik gegen das Eschentriebsterben

Um potenzielle Resistenzen gegen das ETS an die Folgegeneration vererben zu können, gelte die erneute Suche der FVA nun augenscheinlich gesunden weiblichen Bäumen zur späteren Saatgutgewinnung. Dafür bitten die Forschenden um Hinweise von Revierleitenden sowie von Bürgerinnen und Bürgern. Zur Beurteilung der Vitalität der Bäume können eine Checkliste auf der Website der FVA und ein sogenannter Boniturschlüssel helfen.

Potenziell tolerant – und nun?

Von den bereits im vergangenen Jahr gefundenen Eschen-Hoffnungsträgern wurde laut FVA bereits Genmaterial gesichert, indem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Pfropfreiser auf Eschen-Unterlagen veredelt haben. Elena Körtels, Mitarbeiterin der Abteilung Waldnaturschutz der FVA, spricht von 2.000 jungen Eschen-Klonen, die nun für Resistenztests verfügbar seien. „Wir konfrontieren sie gezielt mit dem Erregerpilz und prüfen ihre Widerstandsfähigkeit gegen das Eschentriebsterben“, erklärt die Wissenschaftlerin das weitere Vorgehen.

Langfristig will die FVA einige der widerstandsfähigsten Exemplare in sogenannten Klon-Archiven bewahren, um damit die Grundlage für eine Samenplantage zu schaffen. Außerdem würden Resistenztests der Nachzucht aus geerntetem Saatgut erfolgen. Zukünftig sollen so weitere Samenplantagen angelegt werden, die als Basis für ETS-tolerante Eschengenerationen dienen können.

Was ist „FraxForFuture“?

Im Projekt „FraxForFuture“ wird neben der Auswahl widerstandsfähiger Eschen umfassende Forschung zu Einflussfaktoren und Folgen des Eschentriebsterbens betrieben. Dabei wird beispielhaft der Umgang mit einem invasiven Schaderreger erprobt. Forschungsinstitute, Forstverwaltungen und Hochschulen aus ganz Deutschland arbeiten in verschiedenen Disziplinen zusammen, um alle Aspekte der Krankheit und ihrer Folgen, vom Erreger bis zur Widerstandsfähigkeit der Esche, zu verstehen und Maßnahmen für den Umgang mit erkrankten Beständen zu erarbeiten.

Mit Material der FVA