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Es war einmal ein Sturm

Im Januar 2007 zog der Orkan Kyrill über Westeuropa hinweg. Sein Windfeld erfasste dabei ganz Deutschland und traf eine Region ganz besonders.

Das Jahr war noch jung, gerade einmal 18 Tage alt.Ebenso jung waren noch die gesteckten Vorsätze und die neuen Ideen, die nur darauf warteten, umgesetzt zu werden. Und doch wurde einiges gleich zu Beginn des Jahres wieder über den Haufen geworfen. Schuld daran war ein Alptraum, der für etliche Waldbesitzer zur Wahrheit wurde. Es war der Orkan Kyrill. Er tobte über das forstliche Wirken vieler Jahre einfach so hinweg. Er knickte, faltete, bog, entwurzelte, er riss alles zu Boden, was sich ihm hemmend in den Weg stellte und nicht genug Widerstandskraft besaß. Dabei kam er nicht einmal überraschend. Sturmwarnungen gab es schon Tage zuvor. Zahlreiche Tiefs fegten bereits im Vorfeld Kyrills übers Land. Man war somit vorbereitet oder zumindest gewarnt. Doch dann kam eben Kyrill – der Höhepunkt des sturmreichen Winters. Die stärkste Windböe wurde im Laufe des Abends an der DWD-Wetterwarte Wendelstein offiziell mit 202 km/h gemessen.

Am späten Nachmittag stellte sogar die Bahn erstmals in Deutschlands Nachkriegsgeschichte den gesamten Schienenverkehr ein. Aber der Sturm spielte sein zerstörerischeres Spiel im Verborgenem, denn zum Zeitpunkt seiner größten Entfaltung verabschiedete sich die Sonne am Horizont. Das war am 18. Januar 2007. Seine Schaffenskraft zeigte sich erst am nächsten Tag im vollem Umfang.

Hart getroffen wurde vor allem Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Wälder im Sauerland und im Siegerland. Die Schadensfläche belief sich hier auf etwa 50.000 ha. Davon waren wiederum 30.500 ha größere Windwurfflächen. Mit über 72 % Anteil an den geschädigten Flächen war der Privatwald am stärksten betroffen. Mit großem Einsatz gelang es in kürzester Zeit, die geworfenen 15,7 Mio. Fm Holz aufzuarbeiten. Das entspricht etwa dem Dreifachen des durchschnittlichen Jahreseinschlags in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt fällte Kyrill in den deutschen Wäldern 58,8 Mio. Fm. Für nicht wenige Waldbesitzer war der Orkan auch das existenzielle Aus. Dabei war es egal, ob sich die jeweiligen Betroffenen mit ihren Beständen gerade in der Endphase, der des Starkholzes, oder vielleicht noch in der Aufbauphase, auf dem Weg hin zum Starkholz, befanden. Beide wurden in ihrem forstlichen Wirken durch die winterlichen Turbulenzen weit, wenn nicht sogar ganz zurückgeworfen.

So war es schon häufig. Lothar, er wütete kurz nach Weihnachten 1999. Oder 1990, Vivian und Wiebke, sie tobten sich im Februar 1990 über Deutschland aus. Auch sie haben Existenzen gebrochen. Jetzt zehn Jahre nach dem Sturm, hat der neue Wald auch ein neues Gesicht bekommen. Er ist natürlich nicht nur viel jünger, sondern er ist vor allem artenreicher geworden. Betrug ehemals der Laubholzanteil auf den Kyrill-Flächen ca. 7 % und der des Nadelholzes 93 %, so hat sich die Baumartenverteilung zugunsten des Laubholzes verändert. Momentan wachsen 47 % Laubholz und 53 % Nadelholz auf den zu 98 % wiederbewaldeten Kyrillflächen.

Eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt. „Bei der Erstellung des Wiederbewaldungskonzepts nach Kyrill spielten Klimaschutzaspekte eine wichtige Rolle“, so der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. „Kyrill hat gezeigt, dass eine Krise auch eine Chance sein kann, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein.“

Jochen Reinstorf

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