Naturschutz, Landschaftspflege

Die Silkebuche war einmal

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Geschätzte 300 Jahre war sie alt, und sie hatte einen Stammumfang von 6,55 m: die Silkebuche bei Eichhorst in der Schorfheide. Es sei dahin gestellt, ob sie auch der massereichste Baum in Brandenburg war, auf jeden Fall war sie einzigartig. Sie hatte keinen geraden Stamm ausgebildet, sondern verzeigte sich schon in drei bis vier Meter Höhe in zahlreiche Kronenstämme, die kandelaberartig nach oben strebten, sodass ihr Kronendurchmesser mit rund 25 m fast der Baumhöhe entsprach, die mit 35 m angegeben wird.

Ein Foto der Silkebuche aus dem Jahr 2019
Ein Foto der Silkebuche aus dem Jahr 2019; Foto: IMAGO / Contrast/Behrend

Dieser Wuchs wurde dem Naturdenkmal am 28. Juli allerdings zum Verhängnis, denn die Silkebuche brach – vollbelaubt und weißfaul wie sie war – am 28. Juli einfach auseinander. Es hatte einige Tage zuvor und auch am 28. Juli zwar geregnet, aber nur leicht. Auch stürmisch war es an diesem Unglückstag nicht. Zuerst stürzten nur zwei Kronenteile des Baumes zu Boden, Ende August folgte bei windigem Wetter auch der große Rest. Jetzt reckt sich nur noch ein Ast grün gen Himmel.

Die 300 Jahre alte Silkebuche ist Ende Juli auseinandergebrochen
Nur ein grüner Ast reckt sich noch gen Himmel; Foto: O. Gabriel

Die Silkebuche war eine Attraktion und lockte jedes Wochenende viele Wanderer in die Eichheide. Sie werden auch weiterhin kommen, müssen sich nun aber mit dem Anblick eines langsam zerfallenden Baumes begnügen. Die Oberförsterei Groß Schönebeck hat angekündigt, ihn liegen zu lassen. Voraussichtlich wird die Gemeinde Schorfheide ein neues Schild aufstellen, das über den Baum, das Datum seines Zerbrechens und die Gründe dafür informiert.

Die belaubte Krone war offenbar so schwer, dass der weißfaule Stamm sie nicht mehr tragen konnte
Die belaubte Krone war offenbar so schwer, dass der weißfaule Stamm sie nicht mehr tragen konnte; Foto: O. Gabriel

Ihren Namen verdankte die Silkebuche einer lokalen Sage. In Wikipedia kann man dazu nachlesen: „Ein Förster hatte den Geburtstag seiner Frau Silke vergessen und wollte sich voller Gewissensbisse an dem damals bereits großen Baum aufhängen. Ein Männlein im Walde riet ihm jedoch, stattdessen den Baum seiner Frau zu schenken und schickte ihn nach Hause mit der Auflage wieder mit ihr zurückzukommen. Nachdem der Förster mit seiner Silke zurückgekehrt war, fanden sie unter dem Baum eine von dem Männlein reich gedeckte Geburtstagstafel vor.“

Oliver Gabriel