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Erwartungen des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW an die neue Landesregierung

In einem 10-Punkte-Programm hat der Vorstand des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW auf seiner Sitzung am 29. Mai in Lemgo seine forstpolitischen Erwartungen an die neue Landesregierung verabschiedet.

„Die waldbesitzenden Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen erwarten von der neuen Landesregierung mehr Wertschätzung und Gestaltungsspielraum für den Kommunalwald. Sie appellieren an die Parteien, die Vielfalt der Rolle des Kommunalwaldes von der Erholungsfunktion im Großstadtwald bis zur „naturalen Sparkasse“ für ländliche Kommunen zu stärken, eine Bevormundung der kommunalen Waldbesitzer zu vermeiden und den Kommunalwald als gesellschaftlich wichtigen Faktor anzuerkennen“, so der Vorsitzende des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW, Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg). In einem 10-Punkte-Programm hat der Vorstand des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW auf seiner Sitzung am 29. Mai in Lemgo seine forstpolitischen Erwartungen an die neue Landesregierung verabschiedet.
Der Geschäftsführer des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW, Dr. Gerd Landsberg: „Die neue Landesregierung wird nach den Ankündigungen in den Wahlprogrammen die Forstwirtschaft und die nachhaltige Nutzung der Wälder wieder deutlich in den Vordergrund stellen. Die Kommunen wollen dazu ihren Beitrag leisten und haben konkrete Vorschläge erarbeitet, die die Anforderungen und Interessen von unseren Großstadtwäldern bis hin zu den kommunalen Forstbetrieben im ländlichen Raum berücksichtigen.“
Forstorganisation. Für die Zukunft der Forstorganisation sieht der Verband die Notwendigkeit, ein flächendeckendes Betreuungsangebot des Landes für den Kommunal- und Privatwald sicherzustellen. Gleichzeitig müssten kartellrechtliche Bedenken bei der Holzvermarktung ausgeräumt und kartellfeste Organisationsmodelle entwickelt und erprobt werden. „Wir kommen nicht umhin, Teile der bisherigen Organisation umzustellen. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Kommunen nicht die Verlierer sind und der Wald – und hier insbesondere die kleineren Kommunen und der kleinteilige Privatwald – auch zukünftig bewirtschaftet werden können“, macht Halbe deutlich.
Förderung. Bei der durch die Novellierung des Bundeswaldgesetzes erforderlich werdenden Umstellung von indirekter auf direkte Förderung müsse gewährleistet werden, dass die derzeitigen staatlichen Fördermittel den kommunalen Waldbesitzern vollständig erhalten bleiben. Landsberg verweist darauf, dass die kostenfreien oder nicht kostendeckenden staatlichen Dienstleistungen in der Vergangenheit immer als Ausgleich für die vom Kommunalwald erbrachten Gemeinwohlleistungen wie das freie Betretungsrecht gewährt wurden. Landsberg regt an, den kommunalen Waldbesitz im Gemeindefinanzierungsgesetz zu gewichten. „Viele waldbesitzende Kommunen können sich die staatlichen Forstdienstleistungen zu Vollkosten aus eigener Kraft kaum leisten. Das Land soll daher im kommunalen Finanzausgleich eine Sonderzuweisung Kommunalwald schaffen“, regt Landsberg an.
Holzbau. Ein Schwerpunkt der Themen betrifft den Waldbau im Klimaschutz. Hier sieht der Verband große Vorteile durch die Nutzung von Holz statt Wälder bevorzugt stillzulegen. Daher setzen sich die Vertreter des Kommunalwaldes für ein Förderprogramm Holzbau ein. „Dabei geht es nicht nur um finanzielle Anreize für Investoren und Häuslebauer, sondern insbesondere auch um die Entrümpelung der Bauvorschriften von Restriktionen, die das Bauen mit Holz erschweren. Heute bieten die technischen Innovationen enormes Potenzial für den Bau mehrstöckiger Holzhochhäuser im urbanen Raum, das auch in NRW genutzt werden sollte“, so Landsberg. In Österreich werde beispielsweise ein 24-geschossiges Holz-Hochhaus (HoHO Wien) in Seestadt Aspern gebaut.
Naturschutz. Mit Blick auf die zukünftige Gestaltung des Naturschutzes fordert der Verband, weitere Schutzgebiete wie Wildnisentwicklungsgebiete oder Nationalparke nur mit Zustimmung der kommunalen Parlamente auszuweisen. Eine weitere Aufgabe sieht der Verband in der Stärkung der wald- und eigentümerfreundlichen Regelungen im Jagdgesetz und Öffentlichkeitskampagnen pro Holz und Wald NRW.
Landesverband Lippe
Die Sitzung des Vorstandes des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW fand auf Einladung von Anke Peithmann, Landesverbandsvorsteherin des Landesverbandes Lippe, im Schloss Brake in Lemgo statt. „Der Landesverband Lippe ist der größte Körperschaftswaldbesitzer in NRW und seit Jahrzehnten mit seiner nachhaltigen, naturnahen Bewirtschaftung seiner Wälder äußerst erfolgreich“, sagt Peithmann.
„Wir arbeiten beim Gemeindewaldbesitzerverband NRW seit vielen Jahren aktiv mit und freuen uns, dass wir den Vorstand heute hier zu Gast hatten. Damit unterstützen wir die Verbandsarbeit und fördern den fachlichen Austausch.“
Kommunalwald in NRW
In NRW gibt es rund 915.000 ha Wald, das ist ein knappes Drittel der Landesfläche. Die Waldfläche aller Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in NRW beträgt 196.000 ha. Das macht 21 % der Waldfläche im ganzen Land aus. Der Kommunalwald ist damit fast doppelt so groß wie der Staatswald NRW.
Bis 1970 war der größte Teil des Kommunalwaldes in 14 Gemeindeforstämtern organisiert, die sich bis auf das Gemeindeforstamt Willebadessen (Westfalen) und Aachen (Rheinland) aufgelöst haben.
Rund 150 kommunale Försterinnen und Förster arbeiten gegenwärtig als Beamte oder Angestellte in rund 90 Kommunen auf rund 140.000 ha Waldfläche.
Über 300 Kommunen, Kreise, Zweck- und Landschaftsverbände sind Mitglied in einem der 260 forstlichen Zusammenschlüsse (Forstbetriebsgemeinschaften).
12 Kommunen haben einen Betriebsleitungsvertrag, 5 Kommunen einen Betriebsleitungs- und Beförsterungsvertrag mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW.
 

Link zum 10-Punkte-Programm

 
Gemeindewaldbesitzerverband NRW

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