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Erstmals Waldkalkung im Harz nach 20 Jahren

Erstmals Waldkalkung im Harz nach 20 Jahren

Nach über 20 Jahren werden Fichtenwälder im Oberharz erstmals wieder mit Kalk revitalisiert. Das Projekt „Waldkalkung Oberharz“ des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt mit einem Flächenumfang von rund 600 ha startete am 18. August 2011. Der Naturkalk wurde auf einer Landeswaldfläche im Forstrevier Tanne durch Hubschrauber-Einsatz verteilt.
Im ehemaligen Landkreis Wernigerode wurden letztmalig in den Jahren 1986 bis 1990 großflächige Revitalisierungskalkungen in den höheren Lagen des Harzes durchgeführt.
Bernd Dost, Leiter des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt: „Schwefeldioxid-Emissionen sind in Sachsen-Anhalt seit 1990 deutlich reduziert worden. Dagegen ist der Säureeintrag durch Stickstoff-Emissionen in den vergangenen 15 Jahren gestiegen und führt dazu, dass die Böden saurer geworden sind. Kalkung ist eine Maßnahme, um die Situation zu verbessern.“ Aktuelle Ergebnisse einer bundesweiten Bodenzustandserfassung aber auch lokale Messdaten sowie Analysen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen belegen dies. „Mit knapp 170 € pro Hektar ist die Kalkung eine sinnvolle Investition in die Bestandssicherung des Waldes“, fügte Dost hinzu.
Die finanziellen Mittel zur Durchführung der Bodenschutzkalkungen werden im Landesforstbetrieb erwirtschaftet. Je Hektar werden 3 t Naturkalk aus dem Südharz ausgebracht. Dieser Kalk entfaltet seine Wirkung langsam aber dafür sehr nachhaltig. Hierdurch ist gesichert, dass der Einfluss auf das gesamte Ökosystem Wald vertretbar gering ist.
Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen (NW-FVA) hat die Vorbereitungsarbeiten zum Kalkungsprojekt insbesondere die Flächenauswahl wissenschaftlich begleitet. Wasserwirtschaftliche Interessen und Naturschutzaspekte wurden bei der Flächenauswahl berücksichtigt. Hierzu erfolgten intensive Vorbereitungen mit dem Umweltamt, der Wasserbehörde, der Unteren Naturschutz- und Forstbehörde des Harzkreises.
Hintergrund: Seit Anfang der 1980iger Jahre gibt es bundesweit zahlreiche Waldschäden, von Verfärbungen der Blatt- und Nadelmasse bis hin zu Absterbeerscheinungen von ganzen Waldkomplexen. Durch verstärkte Stickstoffeinträge über die Luft kommt es zur Bodenversauerung mit negativen Auswirkungen auf das Feinwurzelsystem der Bäume. Durch Auswaschung von Schad- und Nährstoffen aus dem Waldboden wird langfristig auch die Gewässerqualität negativ beeinträchtigt. Um die Abgabe von Säurebildnern zu reduzieren, wurden bundesweit Gesetze und Verordnungen zur Luftreinhaltung verabschiedet. Bodenschutzkalkungen sollen zudem die Bodenversauerung mildern und damit die geschädigten Wälder stabilisieren.
MLU Sachsen-Anhalt

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