Waldschutz

Erster Teil des sechsten IPCC-Sachstandsberichts vorgestellt

Bearbeitet von Jörg Fischer

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek haben gestern (9. August) in Berlin den ersten Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats der Vereinten Nationen IPCC vorgestellt.

Der Bericht stellt fest, dass sich der Einfluss des Menschen auf das Klima mittlerweile deutlich nachweisen lässt und der dadurch hervorgerufene Klimawandel konkrete Auswirkungen auf Wetterextreme in allen Regionen der Welt hat. Auch ist der Klimawandel in den vergangenen Jahrzehnten schneller vorangeschritten als zuvor. Bei zunehmender Erwärmung nehmen die Risiken für Mensch und Natur weiter zu, zum Beispiel durch Änderungen im Wasserkreislauf oder durch Wetterextreme, wie Hitze oder Starkregen.

Die wesentlichen Inhalte des IPCC-Sachstandsberichts

Der erste Band des IPCC-Berichts zeigt auf, dass die Aktivitäten des Menschen das Klima bereits jetzt in einen Zustand versetzt haben, wie er in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie aufgetreten ist. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie schon seit zwei Millionen Jahren nicht mehr. Hervorgehoben wird auch die beispiellose Geschwindigkeit, mit denen die Änderungen voranschreiten. So gab es zumindest in den letzten 2.000 Jahren keine so schnellen globalen Temperaturerhöhungen wie aktuell und die Konzentrationen der Treibhausgase CO2 und Methan steigen seit 1850 sogar schneller als jemals in den letzten 800.000 Jahren.

Schon bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C werden Hitzewellen sowie Starkregenereignisse und somit Überschwemmungen in Europa und vielen weiteren Regionen der Welt deutlich häufiger auftreten und verheerender sein. Außerdem können besonders bei stärkerer globaler Erwärmung auch bislang unwahrscheinliche, aber katastrophale Ereignisse nicht ausgeschlossen werden. Hierzu zählen starke Änderungen in der räumlichen Verteilung von Niederschlagsmustern sowie der Zusammenbruch der Eisschilde der Arktis und Antarktis, was einen Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter verursachen würde.

Um die Pariser Klimaziele noch erreichen zu können, müssen laut IPCC die weltweiten Treibhausgasemissionen ab den 2020er-Jahren sinken – also ab sofort. Im Jahr 2050 müssen die globalen CO2-Emissionen netto Null erreichen. Hierfür sind ambitionierte Emissionsminderungen notwendig. Gleichzeitig geht der IPCC davon aus, dass zusätzlich zu diesen Minderungen CO2 spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts aus der Atmosphäre entfernt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen.

Stimmen zum sechsten IPCC-Sachstandsbericht

Bundesumweltministerin Schulze erklärte im Rahmen der Vorstellung des Berichts: „Es gab schon genug Weckrufe und Appelle. Der heute vorgestellte IPCC-Bericht führt uns erneut vor Augen, dass die Zeit für die Rettung des Planeten, wie wir ihn kennen, abläuft. Der Bericht verdeutlicht auch, viele Klimawandelfolgen können wir schon heute nicht mehr vermeiden – wir können uns als internationale Staatengemeinschaft nur bestmöglich darauf vorbereiten und anpassen. Wir alle haben es jetzt in der Hand, die 2020er-Jahre zu einem Klimaschutzjahrzehnt zu machen und die Erderwärmung möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen. Noch ist es nicht zu spät dafür.“

Bundesforschungsministerin Karliczek ergänzte: „Dank verbesserter Beobachtungen, Messungen und Klimamodelle gibt es heute nicht mehr den geringsten Zweifel daran, dass wir Menschen es sind, die das Klima weltweit verändern. Damit stehen wir natürlich und sehr klar in der Verantwortung, auch gemeinsam etwas zu ändern. Wir werden deshalb nochmals spürbarer in Wissenschaft und Forschung investieren, um dem Klimawandel mit aller Kraft entgegenzutreten. Deutschland soll das Zentrum für die Entwicklung von klimafreundlichen Technologien werden.“

Auch die AGDW – Die Waldeigentümer gaben bereits kurz nach der Vorstellung des ersten Teils des IPCC-Berichts eine Stellungnahme heraus. So erklärte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW: „Die Situation ist dramatisch: Wir befinden uns mit Extremwetterereignissen wie Dürre, Trockenheit und Starkregen mitten im Klimawandel. Erstes Opfer sind die Wälder: Folgeerscheinungen wie Waldbrände, Insekten- und Krankheitsbefall setzen zahlreichen Baumarten zu. Daher muss alles dafür getan werden, um den Wald und die Waldbesitzer beim klimaresilienten Waldumbau zu unterstützen. Wir brauchen den richtigen Mix an Baumarten, und wir müssen uns in der Baumartenwahl noch breiter aufstellen.“ Ein zentrales Instrument für die Waldbesitzer sei hierfür die Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes. Diese Honorierung solle aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) erfolgen, in den die Emittenten einzahlen. „Die Honorierung der Klimaschutzleistung ist ein wichtiger Meilenstein für die Stabilisierung unserer Wälder angesichts der beschleunigten Erderwärmung“, so von der Marwitz abschließend.

Hintergrund:

Der nun vorliegende erste Band des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts (AR6) informiert über die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Die kommenden zwei Bände des Berichts werden im Februar und März 2022 erscheinen. Sie informieren über den weltweiten Kenntnisstand zu Risiken und Folgen des Klimawandels für Menschen und Ökosysteme, die Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel und Optionen zur Minderung des Klimawandels.

Eine deutsche Übersetzung der Hauptaussagen des IPCC-Sachstandberichts kann hier heruntergeladen werden.

Red./Quelle: IPCC, BMBF, BMU und AGDW