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Erste weltweite Konferenz zu Klimafolgen

Erste weltweite Konferenz zu Klimafolgen

Erstmals kommen vom 27. Mai bis 30. Mai in Potsdam Wissenschaftler und Entscheidungsträger aus allen Teilen der Welt zusammen, um die Klimafolgenforschung in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Auf der Konferenz  „Impacts World 2013“ soll eine neue Forschungs-Agenda entwickelt werden, um Forschungslücken systematisch aufzugreifen.
Zu den Teilnehmern gehören Spitzen-Entscheider wie EU-Kommissarin Connie Hedegaard und Rachel Kyte von der Weltbank genauso wie herausragende Wissenschaftler wie Cynthia Rosenzweig von der US-amerikanischen NASA Klimaforschungsabteilung und Joseph Alcamo vom UN Umweltprogramm.

„Für faktenbasierte Entscheidungsfindung in einer Welt, die mit einem so nie dagewesenen Klimawandel konfrontiert ist, ist es Zeit für eine neue Ära der Folgenforschung und wir sind sehr stolz, Gastgeber zu sein, jetzt wo es um diesen entscheidenden Schritt nach vorn geht“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Dieses hat gemeinsam mit dem Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) geholfen, dieses von der Wissenschaftsgemeinschaft getragene Projekt zu organisieren.

Beginn einer mühevollen Integration

„Dies bedeutet aber auch, dahin zu gehen, wo es weh tut“, betont Schellnhuber. „Eindrucksvolle Fallstudien und Pionierarbeit bei der Computersimulation einzelner Sektoren, etwa des Wassermanagements oder der Landwirtschaft, sind die Grundlage, um jetzt die mühevolle Integration der Ergebnisse über alle Grenzen hinweg zu wagen. Es geht darum, die Punkte zu einem großen Ganzen zu verbinden und die Terra Incognita für immer zu verlassen.“

Klimafolgenforschung ist ein relativ junger Zweig der Forschung zum globalen Wandel. Elementare Physik, sorgfältige Beobachtungen und moderne Computersimulationen lassen uns heute sehr sicher sein, dass der Ausstoß von Treibhausgasen zu Klimawandel führt. Klar ist auch, dass bei signifikanter globaler Erwärmung langfristig negative Effekte, wie etwa verringerter Niederschlag in bereits wasserarmen Gebieten, die positiven Effekte wie die CO2-Düngung bei Pflanzen überwiegen.
 
Computersimulationen von Klimafolgen aber müssen mit Unsicherheiten und enormer Komplexität zurechtkommen. Die Analyse der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft wird besonders kompliziert durch Wechselwirkungen innerhalb der einzelnen Sektoren, etwa die Auswirkungen von Ökosystemänderungen auf die Verbreitung von Malaria oder die Folgen der Ozeanversauerung und Küstenerosion für globale Nahrungsmittelketten.

Stakeholder auf schwere Entscheidungen vorbereiten

„Entscheidungsträger sind mit signifikanten Unsicherheiten konfrontiert, wenn es um die Abschätzung des Ausmaßes von Klimafolgen und ihrer genauen Verteilung in Raum und Zeit geht“, sagt Schellnhuber. „Die Wissenschaft kann sie darin unterstützen, eine Perspektive des Risikomanagements einzunehmen einige Auswirkungen des Klimawandels werden vielleicht mit nur geringer Wahrscheinlichkeit eintreten, dafür aber inakzeptable Schäden verursachen, so dass sie vorsorglich besser vermieden werden sollten. Solche Folgen würden die Lebensgrundlage von Millionen Menschen erheblich beeinträchtigen. Wir können die Zukunft nicht voraussagen, sagt Schellnhuber. Aber wir gestalten sie, an jedem einzelnen Tag.“

Einige der Fragen, mit denen die Wissenschaftler sich befassen werden:
 • Wie lassen sich Kettenreaktionen abschätzen, die durch zukünftige Extremereignisse ausgelöst werden könnten?
• Wie lässt sich unsere Erfassung von Beobachtungsdaten vervollständigen, und wie können wir mit lückenhaften Datensätzen umgehen?
• Wie können wir die Robustheit von Computersimulationen vergrößern und Klimafolgenmodelle konsequent verbessern?
• Können wir den Eintrittszeitpunkt von Klimafolgen eingrenzen, um passgenauere Anpassungsstrategien zu entwickeln?
 
Die Diskussion wird dazu beitragen, die Agenda in einem der weltweit wichtigsten Wissenschaftsfelder voranzubringen.
Die Ergebnisse, die auf der „Impacts World 2013“ diskutiert werden, sind Teil der ungeheuer großen Menge von wissenschaftlichem Material, das in den 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC eingeht. Bei der Konferenz vorgestellt werden auch Resultate des Intersectoral Impacts Model Intercomparison Project (ISI-MIP). Dieses hat es zum ersten Mal geschafft, eine umfassende modellbasierte Analyse von globalen Klimafolgen quer durch unterschiedliche Sektoren vorzulegen, von der Landwirtschaft bis zur Gesundheit.
 
Prioritäten

Connie Hedegaard, Europa-Kommissarin für Klimaschutz: „Den weltweiten Ausstoß von Treihausgasen zu verringern, muss unsere erste Priorität bleiben, um die globale Erwärmung unter 2°C zu halten und gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Dennoch werden die negativen Effekte eines sich verändernden Klimas in Europa heute immer deutlicher. Die Anpassung an diese Veränderungen ist eine der fundamentalsten Herausforderungen für die räumliche Entwicklung Europas. Darum hat die Europäische Kommission eine Strategie entwickelt, die den Entscheidungsträgern helfen soll, die besten Lösungen zugunsten ihrer Bürger zu wählen.“

Rachel Kyte, Weltbank-Vizepräsidentin für nachhaltige Entwicklung: „Der Klimawandel birgt das Risiko, Millionen Menschen in Armut zu stürzen.“

Pavel Kabat, Direktor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA): „Nur durch einen integrativen Ansatz können wir nützliche Information schaffen, die den politischen Entscheidern helfen, effektive Lösungen zu entwickeln.“

Chris Field, Carnegie Institution for Science in Stanford und Leiter der Arbeitsgruppe II des IPCC: „Eine effektive Klimafolgenforschung zu gestalten gehört zu den größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Wenige Folgenstudien lassen sich problemlos in Risikoabschätzungen übersetzen, denn die volle Bandbreite möglicher Ergebnisse kann selten untersucht werden.“

Cynthia Rosenzweig, NASA Goddard Institut für Weltraumstudien (GISS): „Der weltweite Landwirtschaftssektor sieht sich einer bedeutenden Herausforderung ausgesetzt, nämlich der Verbesserung der Ernährungssicherheit für eine Bevölkerung, die bis Mitte des Jahrhunderts auf 9 Milliarden Menschen ansteigen wird wobei es gleichzeitig gilt, die Umwelt und die Funktion der Ökosysteme zu schützen. Diese Herausforderung ist verbunden mit der Notwendigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen, und dabei die potentiellen Vorteile zu nutzen und die potentiellen negativen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion zu minimieren.“

Nigel Arnell, Universität Reading, Großbritannien: „Ein gewisses Maß an Klimawandel ist mittlerweile unvermeidlich, und wir müssen uns an sich ändernde Wettersysteme anpassen. Dafür müssen wir wissen, welche Auswirkungen und Folgen Klimaveränderungen mit sich bringen können wir müssen wissen, welche Folgen wahrscheinlich sind, welche möglich sind, und welche dies nicht sind. Daher müssen wir in der Lage sein, die möglichen Auswirkungen des Klimawandels zu modellieren, nicht nur auf der lokalen Ebene, sondern auch regional und global, da viele unserer Aktivitäten internationalisiert sind zum Beispiel unsere globalen Versorgungsketten.“

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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