Waldbau

Erstaufforstungen im Landkreis Northeim

Bearbeitet von Rainer Soppa

Als Ausgleich für Waldverluste und Landschaftsverbrauch bei der Vergrößerung von Steinbrüchen oder den Bau von Straßen oder Stromtrassen entstanden im Landkreis Northeim in drei Jahren zehn Hektar neue Wälder. Die Niedersächsischen Landesforsten lassen insgesamt rund 25 ha bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen aufforsten.

Die Forstämter Münden, Reinhausen und Dassel wollen mit diesem ehrgeizigen Ziel die Landschaft im Landkreis bereichern, das Klima verbessern und Grundwasser schützen. Wo bisher Getreide oder Energiepflanzen angebaut wurden, sollen künftig naturnahe Laubwälder aufwachsen.

Bäume pflanzen wie am Fließband: Andreas Kaiser (rechts) und sein Sohn Maik forsten einen ehemaligen Acker bei Schoningen mit Eichen auf. Die Pflanzmaschine mit zwei Kabinen ist an einem landwirtschaftlichen Traktor montiert.
Bäume pflanzen wie am Fließband: Andreas Kaiser (rechts) und sein Sohn Maik forsten einen ehemaligen Acker bei Schoningen mit Eichen auf. Die Pflanzmaschine mit zwei Kabinen ist an einem landwirtschaftlichen Traktor montiert. 
© Rudolph/Landesforsten

Das Niedersächsische Forstamt Münden forstet derzeit mit einer Pflanzmaschine eine 12 ha große Ackerfläche in der Gemarkung Schoningen auf. Das zusammenhängende Flurstück wurde zuletzt als Ackerland landwirtschaftlich genutzt. Andre Olschewski aus dem Forstamt Münden leitet das laufende Projekt in der Revierförsterei Verliehausen. Er lässt Stieleichen, Winterlinden, Elsbeeren, Kirschen, Bergahorne und Hainbuchen pflanzen. Neue Sträucher kommen hinzu und bilden den künftigen Waldrand. So vernetzen sie die Aufforstungsflächen mit bestehenden Feldgehölzen und Hecken. „Derzeit waren nur die Sträucher Weißdorn, Kreuzdorn und Schwarzer Holunder erhältlich. Gerne hätten wir noch mehr Arten gepflanzt, aber die aktuelle Börse für Baumschulpflanzen ist ausgedünnt“, sagt Förster Olschewski. Ein breiter Waldaußenrand mit heimischen, standortstypischen Gehölzen schirmt den künftigen Wald von umliegenden Ackerflächen ab. Ziel ist ein Klima angepasster Laubmischwald, in dem Eichen die vorherrschende Baumart bilden.

Waldroggen als Schutz vor Mäusen

Als Schutz vor Mäuse-Fraßschäden an den Jungpflanzen ließen die Forstleute vorab Waldstaudenroggen aussäen. Der Roggen lenke Mäuse davon ab, im Winter die Rinde der Laubbäume anzunagen. Weiterhin hielte das Getreide Gräser in Schach, die mit den jungen Laubbäumen um Wasser und Nährstoffe konkurrierten, ergänzt Andre Olschewski. Alle Erstaufforstungs-Flächen gehören den Landesforsten. Der kleinste Acker bei Üssinghausen ist 7.500 m² groß, die mit 126.000 m² größte Ackerfläche liegt in der Gemarkung Schoningen. Hier und in der Revierförsterei Hardegsen sorgen Pflanzmaschinen mit Pflanzerinnen und Pflanzern für eine gesicherte Rückkehr der Laubwälder.

Die Waldmehrung ist durch Umweltauflagen bei Bauprojektennotwendig geworden: Die neuen Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland oder die Sanierungen der Autobahnen stellen einen Eingriff in die Landschaft dar und führen zu Waldverlusten. Laut Waldgesetz muss der Verursacher diese Waldverluste an anderer Stelle wieder ausgleichen. „Wir wollen mit den Ersatzaufforstungen artenreiche, naturnahe und klimaangepasste Wälder entwickeln und forsten geeignete Ackerflächen in begrenztem Umfang auf“, begründet Johannes Thiery das laufende Aufforstungsprojekt. Förster Thiery ist Ansprechpartner bei den Landesforsten für Kompensationen in Südniedersachsen. Der Fachmann arbeitet in der Funktionsstelle für Naturdienstleistungen im Forstamt Reinhausen und koordiniert von dort auch die jüngste Waldmehrung im Landkreis Northeim.

Quelle: NLF/Red