Naturschutz, Landschaftspflege

Erholung in der Landschaft: Zwischen Leid und Mehrwert

Bearbeitet von Carolin Föste

Ein Ausflug ins Grüne ist Balsam für Körper und Seele. Doch wenn sich zu viele Leute am gleichen Ort tummeln, können Erholung und Natur darunter leiden. Was es bei der Planung und Pflege von Freizeit-Landschaften zu beachten gibt, diskutierten Fachleute am WSL Forum für Wissen 2021 „Erholsame Landschaft“.

Diverse Studien zeigten bereits: Der Aufenthalt in der Natur kann Stress senken und sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Auch Gärten und städtische Grünanlagen spielen hier eine wichtige Rolle. Das zeigte sich am Forum für Wissen „Erholsame Landschaft“, das im November 2021 an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL stattfand.

Bewegung im Freien gegen Stresshormone

So berichtete die WSL-Forscherin Nicole Bauer unter anderem, dass Gartenarbeit sowohl gegen kurzfristigen wie auch langanhaltenden Stress helfe: Darauf deuteten nicht nur die Ergebnisse von Befragungen, sondern auch Messungen des Stresshormons Cortisol bei Versuchspersonen hin. In einer Untersuchung Bauers war der bloße Aufenthalt in der Natur bei sehr hohen Belastungen durch Stressfaktoren nicht hilfreich, wie die Psychologin erklärt. Bewegung dagegen helfe immer.

Bunt und vielfältig sind Landschaft und Konflikte

Menschen bevorzugen dabei arten- und strukturreiche Landschaften mit Elementen wie Einzelbäumen und Hecken. Beliebt seien auch Orte mit Aussicht und solche am Wasser. Liegen die attraktiven Orte in dichtbesiedelten Gebieten, oder werden sie etwa auf Social Media stark beworben, könne das jedoch zu Konflikten führen. „Große Probleme gibt es aber nur auf wenigen Prozent der Landesfläche“, sagt Marcel Hunziker, Landschaftsforscher an der WSL.

Unter Umständen reiben sich nicht nur die verschiedenen Freizeitnutzungen wie Radfahren und Wandern aneinander. Auch mit den primären Nutzungen der Flächen – durch die Forst- und Landwirtschaft – könne es zu Problemen kommen. „Das liegt zum Teil auch daran, dass den Menschen heute die Grenzen von privatem und öffentlichem Land weniger klar sind als früher“, sagt Matthias Bürgi von der WSL im Interview. An einigen Hotspots verschärften sich diese Probleme im Lockdown. Die Akzeptanz, selbst gegenüber geschützten Ökosystemen, bestehe dann oftmals nicht mehr.

Landschaftspflege in der Politik

Lösung sei die Kommunikation, die sich an die jeweiligen Nutzergruppen anpasse. Manche Menschen erreiche man über Informationen, bei anderen müsse man Überzeugungsarbeit leisten. Hunziker illustriert dies am Beispiel von Schneesportarten, die abseits der Pisten stattfinden und in Konflikt mit dem Schutz von Wildtieren kommen können. Hier müsse überzeugt werden, bestimmte Gebiete zu umgehen.

Damit die Landschaft ihre Anreize zur Bewegung und Erholung weiterhin bieten kann, müsse „die Bühne gepflegt werden“, sagt WSL-Landschaftsforscher Felix Kienast. Er fordert, die Landschaftspflege solle stets ein Aspekt politischer Entscheidungen sein. Nur wenn Menschen die Natur wertvoll und attraktiv finden, „gehen sie in die Landschaft, und bewegen sich dort, und es gibt die Gesundheitseffekte auf der Fläche“, erklärt der Forscher.

Quelle: WSL