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Erhaltungsstrategie für die Äskulapnatter in Hessen

Erhaltungsstrategie für die Äskulapnatter in Hessen

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich sieht im Artenschutz eine wichtige Zukunftsaufgabe. „Die biologische Vielfalt zu erhalten, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn wir die Menschen erreichen und diese aktiv mitwirken“, sagte die Ministerin am 25. Juli bei der Vorstellung der Erhaltungsstrategie für die Äskulapnatter im Forstamt Chausseehaus. Der Artenschutz sei ein wichtiger Teil der Biodiversitätsstrategie der Hessischen Landesregierung.

 
Wie die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie erfolgen kann, erläuterte die Ministerin am Beispiel erfolgreicher Maßnahmen zum Erhalt der bis zu 1,80 m langen und ungiftigen Äskulapnatter. Die Schlangenart ist in Frankreich, Italien und den Balkanländern weit verbreitet. Außerhalb dieser Gebiete gibt es nur noch sehr wenige und isolierte Vorkommen. Das nördlichste Vorkommen der Äskulapnatter liegt im Rheingau in Hessen. In Hirschhorn am Neckar und an der Donau bei Passau sind die einzigen weiteren Vorkommen in Deutschland. „Hessen hat eine ganz besondere Verantwortung für die Äskulapnatter. Am konkreten Beispiel lässt sich immer am besten erklären, wie man seltene Tierarten schützen kann“, sagte Puttrich.
 
Die Ministerin erläuterte, dass für die beiden hessischen Bereiche, in denen die Natter vorkommt, so genannte Arten-Bewirtschaftungspläne durch das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt erarbeitet wurden. In den Plänen sind unter anderem Maßnahmen wie die Errichtung von Eiablageplätzen, die Sanierung von Trockenmauern und Freistellungsarbeiten vorgesehen. „Schon jetzt zeigen regelmäßige Gelegekontrollen an den künstlich angelegten Eiablageplätzen gute Ergebnisse“, so Puttrich. Mehr als 280 Schlangen seien im Rahmen des wissenschaftlichen Beobachtungsprogramms in den letzten Jahren individuell markiert, 16 Tiere sogar mit Sendern ausgestattet worden, um mehr über die Bewegungsmuster und Überwinterungsplätze der Tiere zu erfahren.
 
Die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen erarbeitet im Auftrag des Landes Maßnahmenvorschläge und begleitet deren Umsetzung. Im Rahmen eines Monitorings führt sie auch Erfolgskontrollen durch. Die Ergebnisse und Daten werden zentral für das Land bei Hessen-Forst FENA im Sachbereich Naturschutz zusammengeführt, ausgewertet und veröffentlicht. Bei der FENA werden zudem auch landesweite Schutzkonzepte und Informationsmaterialien, wie eine im Internet verfügbare Broschüre zur Äskulapnatter, erarbeitet.

Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus übernimmt PatenschaftDas Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus hat im Rahmen der Naturschutzleitlinie von Hessen-Forst die Patenschaft für die Äskulapnatter übernommen. Schon 2007 wurde hier auf fünf Hektar die forstliche Bewirtschaftung in besonderen Waldlebensräumen zum Schutz der Schlange eingeschränkt. 2013 wurde diese Fläche mit der Umsetzung der Naturschutzleitlinie offiziell als Naturschutzkernfläche ausgewiesen. Seit 2007 stellt der zuständige Revierleiter geeignete Felsbereiche frei, die dann von der Schlange als Sonnenplätze genutzt werden können. Seit 2010 werden weitere gezielte Biotopflegemaßnahmen für Äskulapnatter und Wespenbussard durchgeführt, die auch anderen streng geschützten Arten wie z. B. der Wildkatze dienen. Für Waldführungen im Rahmen von waldpädagogischen Veranstaltungen wurde ergänzend auf den angrenzenden Wiesen des Forstamtsgebäudes ein Eiablageplatz für die Äskulapnatter und eine Infotafel als Anschauungsobjekt errichtet.

 
Das Naturschutzhaus Wiesbaden/Rheingau-Taunus kümmert sich um die Schlange „vor Ort“, durch Biotopverbesserungsmaßnahmen, aber auch durch Kinder- und Jugendarbeit, wenn z.B. bei Wanderungen ganzen Schulklassen die Schlangen nähergebracht werden. Auch Landwirte und Gartenbesitzer nehmen Rücksicht, indem sie z.B. Mist- und Komposthaufen, in denen die Nattern ihre Eier ablegen oder überwintern, nur zu bestimmten Zeiten umsetzen.

Hintergrund Hessische BiodiversitätsstrategieDas Kabinett hat am 3. Juni die Hessische Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Mit der Biodiversitätsstrategie verknüpft die Landesregierung verschiedene Zielsetzungen: diese sind unter anderem der Schutz von Lebensräumen und Arten, besonders in Schutzgebieten, sowie die Beobachtung und ggf. Zurückdrängung invasiver Arten. Die Strategie benennt 54 Einzelmaßnahmen, zu denen Artenhilfskonzepte ebenso gehören wie die der Einsatz von Agrarumweltmaßnahmen und die systematische Überwachung ihrer Wirksamkeit, die Festlegung von Kernflächen auf der Basis der Naturschutzleitlinie für den Staatswald und die Benennung von Habitatbäumen, die sich unbeeinflusst entwickeln sollen.

 
Die Biodiversitätsstrategie ist ein weiterer Baustein der vielfältigen Anstrengungen des Landes für den Erhalt der natürlichen Vielfalt. Seit 1991 ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen zusätzlich als Staatszielbestimmung in der Hessischen Verfassung verankert.
HMUELV

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