Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Ergebnisse des Wildschadenmonitorings im sächsischen Staatswald

Ergebnisse des Wildschadenmonitorings im sächsischen Staatswald

Alle drei Jahre wird in arrondierten, mindestens 500 ha großen sächsischen Landeswaldgebieten, der Einfluss des Wildes auf die junge Waldvegetation untersucht. Von April bis Juni 2015 wurden in diesen Verwaltungsjagdbezirken, in denen der Freistaat die Jagd durch den Staatsbetrieb Sachsenforst in Eigenregie ausübt, über eine systematische Stichprobe knapp 200.000 Bäume hinsichtlich des Wildverbisses überprüft und zudem über 115.000 Bäume auf mögliche Schälschäden durch das Rotwild untersucht.
Die Ergebnisse dieser Bonitur schwanken regional erheblich, die Gesamttendenz aber ist besorgniserregend.
Seit über 20 Jahren unternimmt der Freistaat Sachsen große Anstrengungen, den sächsischen Wald vielfältiger, naturnäher und widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu gestalten. „In diesen Waldumbau, also die aktive Einbringung standörtlich angepasster Baumarten, wurden in den letzten 10 Jahren über 140 Mio. € investiert, diesen Umfang wollen wir in Zukunft beibehalten“, so Landesforstpräsident Prof. Dr. Hubert Braun. „Für diese Investitionen haben wir eine Verantwortung und müssen diese nachhaltig sichern.“
Wildschadenmonitoring

Den Einfluss des Wildes auf die Waldverjüngung ermitteln unabhängige fachkundige Forstdienstleister durch ein spezielles Wildschadenmonitoring. Dabei wird der Verbiss an den Terminaltrieben junger Bäume erhoben. Die Leittriebe von Rotbuche, Eiche, Weißtanne oder Bergahorn sind beim Wild überaus beliebt. Außerdem erfolgt in jungen bis mittelalten Beständen besonders gefährdeter Baumarten, wie z. B. der Fichte, eine Aufnahme, ob insbesondere das Rotwild die Rinde der waldbaulich relevanten Bäume abgefressen (geschält) hat.
Werte für Verbiss- und Schälschäden auf dem höchsten Niveau seit 2006
Die Ergebnisse des Wildschadenmonitorings verdeutlichen, dass der Erfolg des Generationenprojektes Waldumbau in einigen Regionen auf dem Spiel steht, da ein nicht unerheblicher Teil der gepflanzten Bäume im Magen von Hirsch und Reh landet. Im Durchschnitt wurden innerhalb des Untersuchungsgebietes über 15 % der bonitierten Bäume verbissen, mit knapp 3 % lagen gleichzeitig die frischen Schälschäden über dem von Sachsenforst tolerierbaren Grenzwert von 2 %. Zwar unterschreiten dabei knapp 4/5 der untersuchten Bestände diesen Grenzwert, für jede siebte Fläche weist die Bonitur allerdings extreme Anteile frischer Schälschäden von über 5 % aus. Insgesamt befinden sich die Werte sowohl für Verbiss- als auch für die Schälschäden auf dem höchsten Niveau seit 2006.
Massive Schäden durch Rotwildschäle zeigen sich vor allem entlang des Erzgebirgskammes. Gegen diese Art der Nahrungsaufnahme können die Förster und Waldbesitzer die Bäume kaum effektiv schützen. „Eine Fichte ist gut und gerne 40 Jahre lang durch Wildschäle gefährdet, die langsam als Resultat der Waldumbaubemühungen in sächsische Wälder zurückkehrende Weißtanne mit ihrer dünnen und glatten Rinde ist sogar noch wesentlich länger gefährdet. Schutzmaßnahmen über einen so langen Zeitraum wären logistisch unmöglich und finanziell nicht zu verantworten“, so Dr. Dirk-Roger Eisenhauer vom Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft, verantwortlich für die Inventurdurchführung sowie Ergebnisauswertung. Die Folgen der Rindenverletzungen sind gravierend: Pilze besiedeln die Wunde, breiten sich im Stamm aus und lassen das Holz verfaulen. Wirtschaftlich nutzbar ist solches Holz kaum mehr, gegenüber Sturm und Schneedruck sind diese Bäume zudem äußerst instabil.
Sachsenforst steht für den Einklang von Wald und Wild
In den Regionen mit überhöhten Wildbeständen müssen die jungen Bäume mit Hilfe von kostenintensiven Wildschutzzäunen oder chemischen Mitteln geschützt werden. „Zaunbau sollte eine Ausnahme sein, denn dadurch wird im Wald der Lebensraum für das heimische Wild zusätzlich eingeschränkt. Außerdem erhöhen Zäune den Verbissdruck auf den übrigen Flächen zusätzlich“, so Landesforstpräsident Braun.
Sachsenforst steht für den Einklang von Wald und Wild. Dass dies funktionieren kann, zeigen uns eindrucksvolle waldbauliche Leuchttürme. Im Tharandter Wald, rund um Eibenstock im Westerzgebirge oder im Bereich von Cunnersdorf in der Sächsischen Schweiz kann beispielsweise das Generationenprojekt „Zukunftswald“ bestaunt werden. Insbesondere kleine Rotbuchen, aber auch Weißtannen und Ahorne wachsen dort weitestgehend ohne aufwendige Schutzmaßnahmen. In all diesen Regionen findet der Waldbesucher dennoch die Fährten von Hirsch und Reh – nur eben in einer waldverträglichen Anzahl.
„Für ein modernes Schalenwildmanagement braucht es ein transparentes Controllingverfahren. Die Analyse des Vegetationszustandes ist dabei ein wichtiger Weiser“, fasst Professor Braun die Bedeutung dieses Verfahrens zusammen. Dass überhöhte Wildbestände eine Hauptursache für die enormen Schäden an den Bäumen darstellen, sieht Braun als sehr sicher an. „Wir haben vor allem dort die besten Ergebnisse erreicht, wo in der Vergangenheit konsequent und waldverträglich gejagt wurde. Die zum Teil sehr ernüchternden Ergebnisse des Wildschadenmonitorings zwingen uns dazu, diesen erfolgreichen Weg überall im Landeswald nachdrücklich weiter zu verfolgen.“
Dass neben einer konsequenten Jagd aber auch Faktoren wie Ruhe, Lebensraumqualität oder störungsarme Jagdstrategien wichtige Bausteine sind, steht für ihn außer Frage. „Wir werden verstärkt wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Wildtiermanagement vorantreiben“, ergänzt Braun seine Einschätzung. Sachsenforst hat hierzu vor wenigen Tagen eine Kooperationsvereinbarung mit der Technischen Universität Dresden – Professur für Forstzoologie geschlossen.
 

Zum Thema Wild und Jagd bei Sachsenforst

 
Staatsbetrieb Sachsenforst

Auch interessant

von