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Erfolge für Biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein

Erfolge für Biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein

Bundesweit einzigartig und erfolgreich ist das Projekt Holsteiner Lebensraumkorridore im Umfeld der Grünbrücke Kiebitzholm über die A 21 bei Negernbötel, Kreis Segeberg. Jäger, Förster, Straßenbauer, Naturschutzstiftung, Wildpark und weitere Partner aus der Region haben gemeinsam mit Wissenschaftlern und mittels Förderung durch den Bund daran gearbeitet, durch die A 21 zerschnittene Lebensräume wieder miteinander zu vernetzen. Nach knapp drei Jahren Praxisphase und intensiver Begleitforschung sind die Projektpartner vom eingeschlagenen Weg überzeugt: Selbst wenig mobile, seltene Arten wie Kreuzkröte, Warzenbeißer usw. haben sich inzwischen wieder bis zur Grünbrücke ausgebreitet. Sie profitieren genauso wie Wildschwein, Damhirsch oder Hase von einem umfangreichen Maßnahmenbündel, das die zahlreichen Projektpartner gemeinsam angepackt haben. Diese Ergebnisse stellen die Projektpartner im Rahmen der eintägigen Fachveranstaltung Leute. Landschaft. Lebensräume Wiedervernetzung und Kompensation gemeinsam gestalten. am 20. Juni in Negernbötel vor. Etwa 60 Wiedervernetzungsexperten waren vor Ort.

Dank der Naturschutzmaßnahmen haben durch die A 21 bislang getrennt lebende Tiere und Pflanzen das direkte Umfeld der Grünbrücke erreicht und sich die Lebensräume jenseits der Barriere erschlossen. Auf die Ansprüche unterschiedlicher Arten abgestimmte Wanderwege sowie kleine und große Trittsteine gehören zum Erfolgsrezept: Dazu zählen das 17 ha große Naturwaldband für anspruchsvolle Waldpflanzen und -käfer, zahllose offene Bodenstellen für Eidechsen und Heuschrecken, viele neu angelegte Kleingewässer für Amphibien und Libellen sowie mehrere Wilde Weiden mit Rindern als vierbeinige Landschaftspfleger. Alle Arten, von der nur wenig mobilen, possierlichen Haselmaus bis hin zu weit wandernden großen Tieren wie dem Rothirsch, finden jetzt ihren sicheren Weg zur Grünbrücke. Sogar bedrohte Pflanzen, wie die Heidenelke nutzen die Korridore zur Grünbrücke. Einige Pflanzenarten sind dabei auf die Hilfe von Tieren angewiesen, die ihre Samen beispielsweise im Fell transportieren.

„Das Besondere am Projekt Holsteiner Lebensraumkorridore liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit sehr unterschiedlicher Fachleute. Ziel war es dabei, bestmögliche Wege zwischen Theorie und praktischer Umsetzbarkeit bei der ökologischen Vernetzung von Landschaftsräumen zu finden. Mit Spannung warten wir jetzt auf die Ergebnisse der Universität Kiel, um Möglichkeiten einer Übertragung der effektivsten Vorgehensweisen auf andere Regionen zu prüfen“, so Bernd Friedrichsdorf, Schleswig-Holsteinische Landesforsten.

Dr. Klaus Hinnerk-Baasch, Präsident des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein und im Präsidium des Deutschen Jagdverbandes zuständig für Naturschutz: „Die Grünbrücke bei Kiebitzholm ist auf Betreiben der Jäger entstanden. Denn nur die Vernetzung von Lebensräumen ermöglicht Tieren und Pflanzen langfristig das Überleben. Wir bringen unser Wissen und unsere Erfahrung in das Projekt ein, mit aktiver Naturschutzarbeit setzen wir unseren Hegeauftrag vor Ort um. Uralte Wanderrouten von Tieren wie dem Rothirsch müssen auch über Straßen hinweg erhalten bleiben, um genetische Verarmung zu verhindern. Wir fordern daher auch die zügige Umsetzung des Bundesprogramms Wiedervernetzung durch die Länder, um dem vor mehr als einem Jahr beschlossenen Programm Inhalt zu verleihen und wirklich eine Verbesserung vor Ort zu erreichen.“

DJV

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