Holzindustrie, -verbände

EOS: Säger erwarten harte Monate

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am 16. Juni traf sich der Europäische Sägewerksverband EOS im nordschwedischen Skellefteå zu seiner Sommer-Generalversammlung. In den kommenden Monaten erwarten die Säger schwieriger werdende Märkte mit einem hohen Unsicherheitsfaktor. Für Unsicherheit sorgt auch die EU-Gesetzgebung rund um den Green Deal.

Anlass des Treffens war das 70-jährige Bestehen der Vereinigung der Europäischen Holzindustrie CEI-Bois. Bei dieser Gelegenheit wurde den EOS Mitgliedern der EOS Geschäftsbericht 2020/21 überreicht. Das Dokument steht ab Ende Juni auf der EOS-Website zum kostenlosen Download bereit. Ein Programmpunkt war der Besuch des Sara Kulturhus, eines der höchsten Holzgebäude der Welt.

Säger erwarten hartes drittes Quartal

Zur Analyse des Nadelholzmarktes sagte EOS Präsident Herbert Jöbstl, die ersten Monate des Jahres 2022 seien für die Branche dank starker Nachfrage sehr positiv verlaufen. Die Rohstoffversorgung sei stabil, wenn auch zu sehr hohen Preisen. Auch die Nebenproduktemärkte haben sich gut entwickelt. Es gebe jedoch Anzeichen für eine Verlangsamung, und die nächsten Monate werden angesichts hoher Unvorhersehbarkeit, nachlassender Baumärkte und steigender Inflation sehr schwierig werden. Für das vierte Quartal könne aufgrund dieser Unsicherheit noch niemand Vorhersagen machen, es sei aber sehr sicher, dass das dritte Quartal hart werde.

Zum Laubholzmarkt ergänzte die EOS Vizepräsidentin Maria Kiefer-Polz, 2021 und die ersten Monate des Jahres 2022 seien trotz hoher Rundholzpreise positiv für die Branche verlaufen. Die nächsten Monate dürften aufgrund einer allgemeinen Marktabschwächung und weiter steigender Rohstoffpreise problematischer werden.

Buchenknappheit europaweit offenbar kein Thema

Im Schwarzen Meer sei die Logistik aufgrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine ein Problem. Der Eichensektor werde weiterhin durch nicht nachhaltige Rundholzexporte behindert, und insbesondere die Preise für Eichenrundholz seien in die Höhe geschossen.

Erstaunlicherweise verlor Kiefer-Polz kaum Worte über die in Deutschland thematisierte drastische Unterversorgung der Sägeindustrie mit Buche. Diese scheint demnach europaweit kein Thema zu sein. Julia Möbus vom DeSH bestätigt das. Die Buchenknappheit in Deutschland sei im Wesentlichen begründet durch die Einschlagstopps für ältere Buchenbestände in einigen Bundesländern. Derartige Maßnahmen gebe es in anderen EOS-Mitgliedsländern nicht.

Sowohl der Nadel- als auch der Laubholzsektor werden weiterhin durch hohe Kosten, insbesondere für Energiepreise, behindert. In Bezug auf die Entwicklung im Zusammenhang mit Bioenergie bestehe allgemeiner Konsens darüber, dass feste Biomasse in vielen Ländern eine wichtige Quelle für einheimische grüne Brennstoffe sei, für die es kurzfristig keine Alternative gebe.

EU-Gesetzgebung sorgt für Unsicherheit

In den letzten zwei Jahren habe die Aufmerksamkeit für Wälder und deren Nutzung in verschiedenen Bereichen der europäischen und internationalen Politik zugenommen, insbesondere im Hinblick auf das Erreichen von Klimaneutralität und nachhaltiger Entwicklung. Mit dem European Green Deal verpflichte sich die EU, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 zu eliminieren – oder auszugleichen – und den europäischen Wäldern und der Holznutzung eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt zu geben.

Während es sehr wahrscheinlich sei, dass sich die Auswirkungen einiger Teile der EU-Rechtsvorschriften zur Forstwirtschaft negativ auf die Rohstoffversorgung auswirken, erwarte man von anderen jüngsten europäischen Initiativen mit Bezug auf die Forst- und Holzbranche, dass sie sich positiv auf die Anerkennung und weitere Verbesserung der Verwendung von Holz als nachhaltigem Rohstoff auswirken.

Ohne Holzprodukte keine Dekarbonisierung

Fazit der EOS Mitglieder ist, dass die Nachfrage nach Holzprodukten solide ist und Holz zunehmend Anerkennung bei den Verbrauchern findet, die Herausforderungen auf der Angebotsseite jedoch vielfältig sind. Die Sicherung der Rohstoffversorgung sei für die gesamte holzverarbeitende Industrie von entscheidender Bedeutung.

Die EOS Mitglieder zeigten sich überzeugt, dass es ohne die Produktion nachhaltiger Holzprodukte keinen Weg zur Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft gibt.

Die nächste EOS Generalversammlung findet am 14. Oktober in Kopenhagen statt, anlässlich der International Softwood Conference (ISC 2022) vom 12. – 13. Oktober.

Quelle:EOS