Holzindustrie, -verbände

EOS blickt auf künftige Marktentwicklungen

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am 24. Juni fand die Generalversammlung des Europäischen Sägewerksverbands EOS statt. Neben der Neuwahl des Präsidiums standen dort Marktanalysen auf dem Programm.

Themen auf der EOS Generalversammlung waren der mitteleuropäische Holzmarkt zwischen Käferkalamität und Nachfrageboom und ein Ausblick auf das beschlossene russische Exportverbot für Rundholz.

Holzknappheit

Zunächst gab Gerd Ebner vom Holzkurier einen Überblick über die Marktlage in Mitteleuropa. Seit 2015 seien in Deutschland, Österreich und Tschechien zusammen 369 Mio. Fm Käferholz angefallen, so Ebner. In der Folge sind die Preise für Fichtenrundholz und in ihrem Gefolge auch die Kiefernpreise im Sommer 2020 auf historische Tiefstpreise gefallen.

Dank der außerordentlichen Nachfrage nach Holzprodukten sind die Rundholzpreise innerhalb von zwölf Monaten mittlerweile wieder um 50 €/Fm gestiegen und streben Rekordniveaus an, wo sie diese nicht ohnehin schon erreicht haben.

Für die kommenden Jahre wird eine gute Nachfrage nach Schnittholz prognostiziert. Die höheren Gewinne erlauben der Sägeindustrie massive Investitionen in neue Sägewerke, neue Einschnitt- und Weiterverarbeitungskapazitäten.

Die Verfügbarkeit der Fichte, der bislang weitaus wichtigsten Baumart, wird allerdings zurückgehen. Der Rundholzmarkt wird voraussichtlich mehr und mehr zum Verkäufermarkt. Nach einer Phase des Überflusses an Rundholz im Zuge des Abbaus der Fichtenvorräte ist mit einer Verknappung des Rundholzes zu rechnen.

Exportverbot

Danach berichtete Jarno Seppala vom finnischen Forstconsultingunternehmen Indufor über die erwarteten Auswirkungen den russischen Exportverbots für Rundholz, das zum 1. Januar 2022 in Kraft treten soll.

Sollte das Gesetz wie geplant in Kraft treten, werde das zu massiven Einschränkungen der Exporte für Rundholz und nur grob bearbeitete Hölzer führen. Allerdings gebe es noch Unklarheiten über die genaue Gestaltung des Gesetzes, wie die Definition von unbearbeitetem oder nur grob bearbeitetem Holz und die endgültige Entscheidung zu Sortimenten und Holzarten. Dennoch wird das Gesetz massive Auswirkungen auf den weltweiten Rundholzmarkt haben, da Russland einer der größten Rundholzexporteure ist.

China wird durch das Gesetz gezwungen sein, sich anderen Quellen für Rundholz zu suchen als die russischen Importe. Das könnte den Druck auf europäische Wälder erhöhen. Hochwertiges Rundholz könnte teurer werden und der Wettbewerb um diese Hölzer könnte steigen.

Bereits jetzt steigen die Rundholzlieferungen aus Europa nach China, (wobei das eher auf den Angebotsdruck aufgrund der Käferholzmengen zurückzuführen sein dürfte. Anm. d. Red.) Es besteht im Lichte der zu erwartenden chinesischen Nachfragesteigerung jedenfalls die Gefahr einer strukturellen Rundholzknappheit in vielen europäischen Ländern.

Der EOS hat mögliche Maßnahmen untersucht, die geeignet sind, um auf die Nebenwirkungen des russischen Exportverbots zu reagieren. Eine Kernbotschaft der Generalversammlung war daher, dass der Zugang zu Rohholz für die Sägeindustrie künftig noch wichtiger wird, gerade weil auch in den kommenden Jahren eine hohe Nachfrage nach Holzprodukten erwartet wird.

Europäische Initiativen

Darüber hinaus werden Initiativen auf europäischer Ebene entscheidenden Einfluss auf die Sägeindustrie haben, wie die neue EU-Forststrategie, die Revision der Ziele für den Landnutzungs- und Forstsektor (LULUCF) und die Revision der Erneuerbare Energien Direktive.

Quelle: EOS