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Entrindung mit dem Harvesteraggregat

Innovative Forsttechnik heißt das Seminar, das die Forstliche Ausbildungsstätte Pichl
jeweils Anfang des Jahres anbietet, dieses Mal am 20. Januar. Ein Thema war die Entrindung mit dem Harvesteraggregat. Die Forscher an der Boku in Wien haben dafür einen etwas anderen Ansatz gewählt als die deutschen Kollegen.

Seit September 2017 beschäftigt sich Franz Holzleitner vom Institut für Forsttechnik an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien mit der Harvesterentrindung. In Pichl stellte er erstmals Zwischenergebnisse des Projektes vor, das auch in Deutschland schon Aufmerksamkeit erregt hat.

Die Projektteilnehmer stellten sich recht realitätsnahe Ziele: die Kosten der Entrindung für Waldbesitzer und Unternehmer ermitteln, den Einfluss der Entrindung auf die Bereitstellungskette feststellen, die Kontrolle der Borkenkäferverbreitung und die Bruttauglichkeit der Abschnitte für den Käfer prüfen.

Spezialaggregat John Deere H415

Bislang seien, so Holzleitner, „alle Harvesteraggregate darauf gezüchtet, nur ja nicht in die Rinde einzugreifen und das Holz möglichst nicht zu verletzen“. Will man nun die Rinde gleich beim Ausformen entfernen, müssen die Aggregate umgebaut werden.

Außerdem musste der Forscher geeignete Partner finden. Die fand Hochleitner mit den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) und dem Forstunternehmen Gotsmi GmbH. Das Unternehmen betreibt einen John Deere 1270 G mit dem Standardaggregat H415. Der Betrieb kaufte für die Versuche einen Umrüstsatz, der aus speziell geformten Walzen mit schräg aufgeschweißten Stegen besteht wie man sie aus der Eucalyptus-Ernte kennt.

Es brauchte fast einen Tag im Wald, um die Drücke von Walzen und Messern so einzustellen, dass mit dem Aggregat einerseits entastet, andererseits aber auch gut entrindet werden konnte. „Das hat beim Fahrer und beim Mechaniker einiges an Nerven gekostet“, denn Vergleichsdaten gab es nicht. Die Daten jedes Baumes auf den Flächen erhoben die Boku-Mitarbeiter per Vollkluppung. Die Arbeit des Harvesters nahm man mit Action-Kameras auf. So war es möglich, die parallel laufende Zeitstudie im Nachhinein zu überprüfen und Unschärfen der Zeitaufnahme zu klären.

Anderes Arbeitsverfahren

Das Arbeitsverfahren entschied sich deutlich von dem der deutschen Versuche. In Österreich versuchte man, sortimentsweise zu entrinden und abzulängen. Holzleitner: „Das deutsche Verfahren ist aufwändiger. Da wird der ganze Stamm vom dicken Ende her vollständig entastet und dabei gleichzeitig die Rinde abgeschält. Dann greift der Maschinist um und entrindet den Ganzstamm nochmals vom schwachen Ende aus. In einem dritten Schritt teilt der Fahrer dann den Stamm in Sortimente auf und entrindet dabei ein drittes mal.“ Das belastet die Maschine stark. Zudem ist es schwierig, den Ganzbaum im Bestand zu manipulieren.

Der deutsche Versuch setzte sich als Ziel, möglichst viel Biomasse im Bestand zu lassen. Der österreichische Ansatz war mehr um den Käfer in Schach zu halten. Daher reicht das kombinierte Entasten, Entrinden und Ablängen aus, um die gewünschte Qualität zu erreichen. Außerdem soll mit dieser Methode nur in der Vegetationszeit gearbeitet werden. Die Sortimente scannte man mit Zeilenkameras, erzeugte 3D-Bilder von ihren Bildern und vermaß den verbliebenen Rindenanteil photogrammetrisch. Der Entrindungserfolg steht noch nicht fest, die Auswertungen an der Boku laufen noch. Deutsche Werte von 73 bis 87 % will man aber erreichen.

Wie wichtig die Studie für die Praxis ist, zeigte sich laut Holzleitner daran: „Abschnitte, die zu Mittag gefallen sind, hatten um 16 Uhr bereits frische Einbohrlöcher.“ Da ist dann wahrlich Gefahr im Verzug. Es zeigte sich, dass die Produktivität durch das zusätzliche Entrinden um rund 25 % gegenüber normaler Arbeit sinkt. Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Deutschland ermittelte etwa 30 %. Die Vermessung arbeitete zuverlässig, obwohl die Tendenz zu etwas größeren Längen erkennbar war.

Die sortimentsweise Arbeit bringe genauere Ergebnisse, die Rinde staue sich weniger am Messrad als bei den deutschen Einsätzen, so Holzleitner. In Österreich arbeitet man nur in Fichte, die deutschen Versuche beziehen wesentlich mehr Baumarten mit ein, auch Laubholz. Die frisch geschälten Sortimente sind zwar sehr glitschig. Der Forwarderfahrer kann sie aber gut greifen, wenn sie vor dem Transport einige Tage im Bestand liegen können. Dann macht auch die Lkw-Fracht keine Probleme mehr.

Aussagen zum Forstschutz könne man erst in einem Jahr machen, meinte Holzleitner. Er erwarte aber, dass entrindete Sortimente deutlich weniger attraktiv als Brutstätte für den Käfer sind. Die technische Seite: Es gibt offenbar nicht für jedes Aggregat Umbausätze. Die Kosten von rund 7 000 € beim Neukauf müsste der Unternehmer ersetzt bekommen. Während in Deutschland zurzeit etwa 20 Köpfe im Einsatz sind, hat der österreichische Unternehmer das Aggregat wieder zurückgebaut: Es gibt bisher ganz einfach keine Nachfrage nach dieser Forstschutzmaßnahme.

Weitere Themen

Weitere Themen der Tagung waren die Einsatzversuche einer Kranwaage von Tamtron im Holztransport, das sogenannte Pre-Bunching-Verfahren beim Seilkraneinsatz, der neue Elektro-Laufwagen Sherpa-UE 3t sowie der Bagger-Yarder von Konrad Forsttechnik.

Mehr darüber finden Sie in der Forst & Technik 3/2019.

Anton Friedrich

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