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Energie aus dem Brandenburger Wald

Energie aus dem Brandenburger Wald

Mit 1,1 Millionen Hektar Wald steht Brandenburg nach Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen an vierter Stelle in Deutschland. Trotz dieses Reichtums wird es auch im Wald langsam eng, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Nutzungsinteressen unter einem Dach zu vereinen. Vor allem mit Blick auf die Energiewende sind Waldbesitzer und holzverarbeitende Industrie mit nachhaltiger Holznutzung gefragt. Aber auch die Betreiber von Windkraftanlagen und Solaranlagen interessieren sich zunehmend für Standorte im Wald beziehungsweise in der Nähe von Waldflächen. In Hammer, Baruth, Jüterbog hat Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger am 9. Juli drei Unternehmen besucht, um sich über aktuelle Probleme der Energienutzung im Wald zu informieren. Vogelsänger: „Wald wird heute in vielfältigerer Weise genutzt, als früher. Es kommt darauf an, die verschiedenen Nutzungsinteressen unter einen Hut zu bringen. Insbesondere mit neuen Nutzungen, die in dieser Form bislang nicht oder nicht in dem Umfang im Wald vorhanden waren, muss mit Bedacht umgegangen werden. Beispiele dafür sind Holz als Energieträger oder auch Windkraft- und Solarkraftnutzung im Wald.“
Beim Ausbau der erneuerbaren Energien spielt Holz als Energieträger eine immer größere Rolle. Doch der Rohstoff wird zunehmend knapp. Als Brennstoff kommen vor allem jene Sortimente in Frage, für die keine höherwertige Verwendung möglich ist.
Um Kohlendioxid möglichst langfristig zu binden, sollen aus Sicht der Forstleute auch verschiedene Nutzungsarten kombiniert werden: Zum Beispiel können abgenutzte Schalbretter zerspant und zu Platten gepresst werden. Nach der Nutzung können diese Platten dann noch zu Zellstoff verarbeitet werden. Eine weitere Forderung ist, dass bei öffentlichen Bauten heimisches Holz bevorzugt wird, um so eine Vorbildwirkung zu erreichen.
Mit dem Anbau standortangepasster Baumarten auf Kurzumtriebsplantagen können zusätzliche Rohstoffpotenziale außerhalb des Waldes geschaffen werden. Diese Form der Bewirtschaftung kann durch Anreize – zum Beispiel das Erneuerbare Energien Gesetz oder Vertragsanbau – noch zunehmen.
In der Öffentlichkeit wird die Windkraftnutzung im Wald überwiegend skeptisch betrachtet. Wenn die Ziele der Energiestrategie des Landes, die eine Verdopplung des Stromanteils aus Windenergie vorsieht, umgesetzt werden sollen, stellt sich für die Planer immer häufiger die Frage, wo sie noch Standorte für neue Anlagen ausweisen können. Abstände zu Siedlungen müssen richtigerweise eingehalten, Belange des Naturschutzes eingehalten werden. Deshalb müssen zusätzlich Flächen berücksichtigt werden, auch bestimmte Waldflächen.
Vogelsänger: „Aber nicht alle Waldflächen und nicht an jedem Ort kommen dafür in Frage. Nur Waldflächen, die keine besondere Bedeutung als Schutz- und Erholungswald besitzen, sind in die Suche als Windeignungsgebiet einzubeziehen. Eine Genehmigung möglicher Standorte erfolgt deshalb auch nicht undifferenziert, sondern hat die verschiedenen Funktionen des Waldes zu berücksichtigen. Nur ein Bruchteil der insgesamt 1,1 Millionen Hektar Waldflächen kommen dafür überhaupt nur in Frage.“
Die Nutzung von Wald ist auch deswegen aus Landessicht vertretbar, weil die Flächeninanspruchnahme für Windkraftanlagen von einem halben Hektar je Anlage im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien relativ gering ist. Vogelsänger: „Ich lege außerdem Wert darauf, dass der – wenn auch geringe Flächenverbrauch – in jedem Fall durch Ersatzaufforstungen wieder ausgeglichen wird.“
Auch ist neben den Windkraftanlagen im Wald weiterhin Forstwirtschaft möglich. Die Waldflächen können – anders als bei Solaranlagen – betreten werden, so dass auch die Erholungsfunktion des Waldes nicht wesentlich eingeschränkt wird.
Infos:
 
MIL

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