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Energetische und stoffliche Holznutzung sind klimanützlich

Die nachhaltige Waldwirtschaft dient der Umwelt und dem Klimaschutz. Ohne Wald- bzw. Holznutzung muss das Holz mit erheblichen Negativwirkungen auf das Klima, durch andere fossile oder mineralische Rohstoffe ersetzt werden. Wie die folgenden Beispiele zeigen, laufen Forderungen zur Herausnahme von Flächen aus der Waldnutzung konträr zu den Forderungen nach CO2-Reduktion und Plastikvermeidung.

Der ökologische Nutzen der Waldwirtschaft ist in der Öffentlichkeit und in den Medien weitgehend unbekannt. In einem Teil der Öffentlichkeit bestehen Vorbehalte gegenüber dem nachwachsenden Rohstoff und der Energie aus der Waldwirtschaft. Klimawandel und Waldsterben erzeugen diffuse Klimaängste, die in ebenso diffuse politische Stimmungen umgesetzt werden. Auch moderate nachhaltige Holzentnahmen werden als Waldbedrohung interpretiert. Das Anliegen dieses Artikels besteht darin, Fakten, die den Nutzen der Waldwirtschaft beschreiben, in dieses Stimmungsgewirr einzubringen.

Substitutionslast

Die Substitutionslast enthält alle ökologischen und ökonomischen Belastungen, die beim Ersatz von Holz durch andere Stoffe auftreten.

Abb. 2: Substitutionslast im Naturwald. Ungenutztes Holz verrottet und gibt CO2 ab. In der substitutionsbedingten Parallelproduktion wird zusätzlich Energie verbraucht und CO2 emittiert.

Kunststoff als Ersatz für Holz*

Kunststoffsorte und Herstellungsprozess beeinflussen die Substitutionslast. Tab. 1 zeigt das Ergebnis einer Grobschätzung mit gemittelten konservativen Angaben.

1 ha unbewirtschafteter Naturwald verursacht bei Ersatz durch Kunststoff jährlich eine Substitutionslast von 400 kg Kunststoff, 2.000 l Öl, 4.200 kg CO2.

Stahlträger als Ersatz für Holzbalken*

Es folgt eine Abschätzung bei Ersatz von Holzbalkenträgern durch Stahlträger: Spannweite bzw. Länge 4 m; mittig angreifende Traglast 500 kg, maximale Durchbiegung 4 mm (Tab. 2). Je Hektar Wald wächst jährlich theoretisch die Holzmenge für ca. 21 Holzträger nach. Aus Nachhaltigkeitsgründen wird in der Forstpraxis nur die Menge für etwa 16 Holzträger entnommen.

Der Ersatz durch 16 Stahlträger mit gleicher Tragfähigkeit benötigt 1.000 kg Stahl. 1 ha unbewirtschafteter Naturwald verursacht bei Ersatz durch Stahl jährlich eine Substitutionslast von 1.000 kg Stahl, 1.700 l Öläquivalent, 5.500 kg CO2.

* Anmerkung zu den Ergebniszahlen für Kunststoff und Stahl
Eine quantifizierte Abschätzung der Substitutionslast hängt ab von unterschiedlichen Randbedingungen, wie Substitutionsmaterial, Herstellungsverfahren, Produktgestaltung, Verschnittanteil, Holzart, Kaskadierung, Recyclinganteil, Ernteverluste usw. Die Zahlen beruhen auf technischen Tabellen, Annahmen, Internetinhalten und Schätzungen; sie berücksichtigen die repräsentativen Verhältnissen im Steigerwald. Die Zahlen sind als Angabe der Größenordnung zu verstehen, zeigen aber in ausreichender Genauigkeit die Konsequenzen auf, die sich bei der Substitution von Holz durch Kunststoff bzw. Stahl ergeben.

Bewirtschafteter Kulturwald contra unbewirtschafteter Naturwald

Die Substitutionslast ist ein inhärentes Element des Naturwalds. Im Kulturwald wird ein Baum zur Verarbeitung entnommen und die Lücke durch nachwachsende Jungbäume wieder geschlossen (Abb. 1, links). Das entnommene Holz wird direkt energetisch oder stofflich genutzt. Die Holzprodukte wirken als Kohlenstoff(C)-Speicher und sind evtuell nach mehreren Kaskadierungsstufen noch energetisch nutzbar. Insgesamt existiert ein umweltneutraler CO2-Kreislauf. Im Naturwald wird der Baum nicht entnommen, sondern verrottet vollständig im Forst. Die Abgabe CO2 ist gleich hoch wie bei der Verbrennung. Durch fehlende Holzentnahme ist die Biomasse größer, verbunden mit einer höheren C-Speicherkapazität. Aber: Das ungenutzte Holz ist extern durch andere energie- und CO2-aufwendige Werkstoffe und (fossile) Brennstoffe zu ersetzen. Die Substitutionslast am Beispiel Stahlträger zeigt Abb. 2. Ein weiterer substantieller Unterschied besteht im CO2-Fluss. In ihrer Wachstumsphase saugen im Kulturwald die Jungbäume CO2 aus der Umgebung auf. CO2 fließt in den Kohlenstoff aufnehmenden Wald. Dies hat eine Positivwirkung als CO2-Senke. Im Naturwald emittiert der mit C aufgeladene, zerfallende Altbaum CO2, das in die Atmosphäre entweicht. Das im Wachstum aufgenommene CO2 wird beim Zerfall wieder abgegebenu nd hat eine Negativwirkung als CO2-Quelle. Die landläufigen Studien zugunsten eines Naturwalds beschränken sich auf die Betonung der C-Speicher-Fähigkeit. In einer komplexen Modellbetrachtung sind jedoch weitere Faktoren einzurechnen, wie z. B.:

  • die Substitutionslast, die dem Naturwald anhaftet
  • die C-Speicherkapazität im Holzprodukt
  • das C-Aufnahme-Vermögen von nachwachsenden Jungbäumen im Kulturwald
  • die Flussrichtung der CO2-Ströme in Abhängigkeit vom Baumalter
  • kaskadierte Holznutzung (Mehrfachverwendung des Werkstoffs)
  • Vorsorge für spätere Generationen

Von jeher wurde im Waldbau in mehreren Generationen vorausgedacht. Der Umtrieb, der Waldumbau und die nachwachsenden Jungbäume ergeben eine gesunde sorten- und altersmäßige Durchmischung, eine langfristige CO2-Aufnahme und eine Sicherung der Holzerträge für die nachfolgenden Generationen.

In diesem Sinne steht der jetzigen Waldbaugeneration mit dem Umbau und der Anpassung des Waldes an geänderte Umweltbedingungen eine gewaltige historische Aufgabe bevor. Der Wirtschaftswald ist ein ökologischer Multilieferant für Rohstoff, Energie und Heizwärme. Während sich Wind-, Solar- oder Biogastechnik allein auf die Energiegewinnung beschränken, ersetzt Holz energie- und schadstoffaufwendige Werkstoffe wie Kunststoff oder Stahl und ermöglicht das Heizen auf der Basis erneuerbarer Energien.

Beispiel zur Bedeutung als Heizwärmelieferant: In einem ehemals geforderten „Nationalpark Steigerwald“ wären ungefähr 38.000 Fm Holz aus der thermischen Nutzung gefallen. Das extrem klimaschädliche Folgeproblem wäre ein notwendiger Umstieg von ca. 15.000 Bewohnern auf Ölheizung mit jährlich rund 25 Mio. kg fossiler CO2-Emission gewesen.

Sozial-ökologische regionale Holzwirtschaft

Die Interessengemeinschaft „Holzverarbeiter im Steigerwald“ umfasst 70 Betriebe. Über die gesamte Wertschöpfungskette hängen daran über 3.000 Arbeitsplätze. Der Steigerwald vereint Arten- und Klimaschutz mit einer starken Regionalwirtschaft und schafft sichere saisonunabhängige und lohnstarke Holzarbeitsplätze.Der Kreis Haßberge hat im längerfristigen Vergleich gegenüber „Nationalparkkreisen“ ohne Holzwirtschaft

  • die höchsten Arbeitseinkommen und die höchste Steuereinnahmen
  • die niedrigste Arbeitslosigkeit und die niedrigsten Schulden
  • International anerkannte ökologische Erfolge der BaySF

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) verzeichen gemäß Forstbetrieb Ebrach

  • Zunahme des Holzvorrats in der Zeit der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) auf etwa 500.000 Fm
  • Anstieg des Laubbaumanteils auf 75 %
  • Verdoppelung des Vorrats von Eichen und Buchen mit starkem Durchmesser (>59 cm)
  • Zunderschwamm an Inventurpunkten 2010: 6,4 %, 2016: 11,5 %
  • insgesamt 12 % der Holzfläche nutzungsfrei
  • 430 ha plus 850 ha Naturwaldreservate
  • 700 ha Trittsteinflächen

Stimmungen steuern die öffentliche Meinung

Es gibt weltweit einen besorgniserregenden Waldschwund. Dagegen nimmt bis jetzt, in Deutschland die Waldfläche zu. Hier ist es unangemessen, eine Analogie zu den Regenwäldern herzustellen und eine maßvolle Waldnutzung mit den dortigen brutalen Rodungsmaßnahmen gleichzusetzen. Im Windschatten dieser suggestiv herbeigeführten Bewusstseinslage erfolgt nicht mehr eine Unterscheidung zwischen ökologischer Waldwirtschaft und Totalrodung. Auch eine maßvolle nachhaltige Holznutzung wird reflexartig als Waldvernichtung aufgenommen. Trotz aller international anerkannten ökologischen Erfolge im Steigerwald werden seit 13 Jahren teure Kampagnen gegen die „Waldvernichtung“ gefahren, deren unlautere Unterstellungen ich als Mitglied des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND)nicht mittrage.

Der Zeitgeist ist von einer einseitigen ökoromantischen Stimmung gegen die Holznutzung geprägt. Er wird gespeist von Trivialparolen wie Waldvernichtung aus Geldgier oder Axt im Walde, Artensterben“, usw. Auch öko-esoterische Phänomene eines zeitgenössischen Baumkults sind erkennbar. Biologische Wechselwirkungen werden mystifiziert. Demnach betrachten einschlägige Publikationen den Baum als ein Lebewesen mit Gefühlen. Bäume kommunizieren untereinander und auch mit Baumstümpfen. So gibt es sogar mindestens einen Menschen, „der mit dem Wald spricht“.

Ohne Waldnutzung ergeben sich folgende Konsequenzen (je Hektar und Jahr):

  • Bedarf von 400 kg Plastik oder 1.000 kg Stahl
  • Verbrauch von 1.700 bis 2.000 l Öl
  • Emission von 4.200 bis 5.500 kg CO2
  • Entstehung von 1.000 bis 1.200 € Ölkosten
  • Verlust von ungefähr 4.800 € regionaler Wertschöpfung
  • Auftreten von 540 bis 700 € Klimafolgeschäden
  • Entstehung von 750 bis 1.000 € CO2-Kosten
  • Wegfall der Heizwärme für zwei Personen
  • Entfall der Kompensation von 14 bis 19 Inlandsflügen (300 kg CO2 je Passagier)

Rationale Neubewertung notwendig

Die oftmals vorhandene Stimmung gegen die Holznutzung steht im Widerspruch zum Klimaschutz. Es wäre an der Zeit, dieser teilweise auch politisch missbrauchten Stimmung mit rationalen Fakten zum Klimaschutz durch Holznutzung zu begegnen und die Wechselwirkung zwischen Holznutzung und Klimaschutz neu zu bewerten.

Prof. Dr. Willi Rößner

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