Brennholzstapel
Medienberichte haben der energetischen Holzverwendung ein negatives Image verliehen. Muss man beim Heizen mit Holz ein schlechtes Gewissen haben? Die bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beleuchtet die Kritikpunkte und stellt die tatsächlichen Daten und Fakten dar.
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Energetische Holzverwendung: Ist die Kritik berechtigt?

23. September 2022

Aus Sorge um die Energieversorgung besinnen sich viele auf den Brennstoff Holz. Medienberichte haben der energetischen Holzverwendung jedoch ein negatives Image verliehen. Muss man beim Heizen mit Holz ein schlechtes Gewissen haben?

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beleuchtet die Kritikpunkte und stellt die tatsächlichen Daten und Fakten dar. Wir geben den Beitrag hier in stark gekürzter Form wieder. Den Originalbeitrag in voller Länge finden Sie hier ( aus der LWF aktuell 136).

Gesundheitsgefährdung durch Feinstaubemissionen

Zum Thema Feinstaub (das sind Schwebstaubteilchen mit einem Durchmesser

Brennholzbündel - die gute Trocknung von Brennholz ist essentiell, um Feinstaubemissionen bei der Verbrennung zu reduzieren.
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Holzfeuerungen sind für knapp ein Fünftel der Feinstaubemissionen in Deutschland verantwortlich. Sie kommen vor allem aus Scheitholz-Einzelraumfeuerungen, bei denen sich Bedienfehler technisch kaum vermeiden lassen. Moderne, mit Pellets oder Hackgut betriebene Zentralheizkessel weisen nahezu keine Feinstaubemissionen mehr auf.

Holzverbrennung ist klimaneutral

Die Emissionen je Kilowattstunde Wärme liegen bei allen drei Holzfeuerungsarten (Stückholz, Hackschnitzel, Pellets) in der Größenordnung der Solarenergie und deutlich niedriger als bei Erdöl oder Erdgas, aber auch als bei Wärmepumpen. Dabei werden den Holzfeuerungen auch die Emissionen, die in der Vorkette – also bei Holzeinschlag, Transport und Aufbereitung – entstehen, zugerechnet. Solange der Waldspeicher an Kohlenstoff nicht sinkt, sondern gleichbleibt oder wie bisher weiter ansteigt, belasten die CO2-Emissionen aus der Holzverbrennung die Klimabilanz nicht.

Die zunehmend verbreitete Meinung, die bei der Holzverbrennung entstehenden Feinstaubemissionen hätten neben der gesundheitlichen Gefährdung auch eine schädliche Klimawirkung, entlarvt die LWF als falsch. Tatsächlich hat Feinstaub eher eine kühlende Wirkung auf das Klima.

Effizienz des Brennstoffs Holz

Kritiker der energetischen Holzverwendung argumentieren, dass der CO2-Ausstoß je Energieeinheit von Holzfeuerungen die CO2-Ausstöße von fossilen Energieträgern noch übertreffen würde.

Es ist richtig, dass bei der Verbrennung von Erdgas und Heizöl weniger CO2 je bereitgestellte Energiemenge freigesetzt wird als bei der Verbrennung von Holz. Kohlenstoff aus fossilen Quellen, der viele Millionen Jahre im Erdboden gespeichert war, gelangt jedoch zusätzlich in den Kohlenstoffpool der Atmosphäre und Biosphäre und bläht ihn damit zusätzlich auf. Entfernen lässt er sich praktisch nicht mehr. Fossile Brennstoffe verschärfen also die CO2-Problematik. Holz nicht.

Solange der Waldspeicher also nicht schrumpft, ist die Holzentnahme und damit auch die energetische Holznutzung klimaneutral.

Der Zeiteffekt im Kampf gegen den Klimawandel

Klimaexperten meinen, dass die nächsten Jahre für die Erreichung der Klimaziele entscheidend seien. Es käme darauf an, sofort weniger CO2 zu emittieren. Kritiker der energetischen Holznutzung plädieren dafür, für die gleiche Energiemenge lieber etwas weniger CO2 aus fossilen Quellen in die Atmosphäre zu emittieren als eine etwas größere Menge CO2 aus der Biosphäre. Sie vertreten also die Meinung, man solle die Holzmenge, die zuwächst im Wald belassen und stattdessen fossile Brennstoffe verwenden. Kurzfristig sind solche Überlegungen durchaus berechtigt – aber nur unter der Voraussetzung, dass das CO2 tatsächlich im Wald verbleibt.

Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass Totholz ebenso wie Waldrestholz, das im Zuge der Holzernte entsteht und im Wald belassen wird, in großen Teilen von Mikroorganismen wieder abgebaut wird. Das ursprünglich im Holz gebundene CO2 wird dadurch wieder freigesetzt. Auch ein gänzlicher Verzicht auf Holznutzungen ließe keinen positiven Effekt erwarten. Dies hätte die Konsequenz, dass auch die stofflichen Holzprodukte durch andere Materialien ersetzt werden müssten – und dies wäre wiederum meist mit einem erheblich größeren Verbrauch fossiler Energieträgerverbunden.

Ein positiver Effekt von Stilllegungen auf den Waldspeicher selbst ließe sich nur dann erwarten, wenn eine Erweiterung des Waldspeichers möglich wäre. Diese Option ist nach Ansicht der LWF-Experten jedoch unrealistisch.

Aufrechnung des Waldspeichers mit der Energiesubstitution

Als weiteres Argument gegen die Holzenergie wird oftmals vorgebracht, dass die Vergrößerung des Waldspeichers mehr CO2 binde als durch Substitution fossiler Brennstoffe vermieden wird. Dieses Argument überschätze allerdings die Möglichkeiten eines weiteren Vorratsaufbaus und der daraus folgenden Speicherung von zusätzlichem CO2 in den Wäldern, so die LWF.

In einzelnen Waldbeständen ist ein Vorratsaufbau von mehr als 1.000 m³ Holz pro Hektar zwar möglich, nicht aber auf Landschafts- und Landesebene. Auf diesen Ebenen kommen Waldbestände aller Altersstufen vor, weshalb dort weitaus niedrigere Durchschnittsvorräte die Regel sind.

Die LWF geht davon aus, dass die maximal erreichbaren Holzvorräte auf Landschaftsebene bei rund 400 m³ pro Hektar liegen. Nach der FAO (2015) gibt es nur neun Staaten weltweit, in denen die Holzvorräte in den Wäldern mehr als 300 m³ pro Hektar betragen, wozu auch Deutschland zählt.

Eine Untersuchung von Knoke (1998) in 13 Plenterwäldern des Bayerischen Waldes ergab einen Vorrat von 408 m³ pro ha. Dieses Ergebnis wird durch eine Untersuchung von Schulze et al. (2022) bestätigt. Sie werteten Inventurdaten mehrerer Hundert Waldbestände aus und ermittelten Durchschnittsvorräte von etwas mehr als 400 m³, wobei darin auch die Totholzvorräte enthalten waren. Laut Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2012 (BWI 2012) betrug der Holzvorrat in den Wäldern Bayerns 396 m³/ha, also sehr nah an der realistischen Grenze von 400 m³/ha.

Dennoch hat der Bund mit § 3a des Klimaschutzgesetzes einen weiteren Aufbau des Waldspeichers beschlossen. Bis 2045 soll eine Senkenleistung von 40 Mio. t Kohlendioxidäquivalent erreicht werden – 2,4-mal mehr als 2020. Allerdings schreibt die Bundesregierung im Klimaschutzbericht 2021: »Prognosen zufolge könnte die Senkenleistung der Wälder aufgrund der Altersstruktur der Waldbestände und witterungsbedingter Waldschäden sowie infolge von Änderungen in der Holznutzung zurückgehen.« Das Missverhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist also bekannt.

Verhältnis Klimaschutz und Naturschutz

Es bestehen Forderungen, auf großen Flächen Wälder zugunsten des Naturschutzes nicht mehr zu bewirtschaften (siehe Nationale Biodiversitätsstrategie, EU-Biodiversitätsstrategie). Um dieses Ziel leichter durchzusetzen, werden Naturschutzinteressen oftmals mit denen des Klimaschutzes verquickt. Das Aktionsprogramm »Natürlicher Klimaschutz« der Bundesregierung spricht von Synergien zwischen Klima- und Naturschutz und stellt damit den Gleichklang von Naturschutz- und Klimaschutzinteressen heraus. Beispielsweise wird behauptet, dass in nicht bewirtschafteten Wäldern mehr Kohlenstoff gespeichert würde.

Die bereits erwähnte Studie von Schulze et al. (2022) stützt diese These nicht. Beim Vergleich der Vorräte (einschließlich Totholz) nicht bewirtschafteter mit bewirtschafteten Beständen ergaben sich bei Nadelholzbeständen keine signifikanten Unterschiede im Holzvorrat der lebenden und toten Biomasse. Bei den Laubwäldern war der Vorrat der nicht bewirtschafteten Bestände hingegen etwas größer.

Allerdings zeigte sich in beiden Fällen ein signifikant größerer Holzzuwachs in den bewirtschafteten Beständen – die erwartete Senkenwirkung nicht bewirtschafteter Wälder ist damit zumindest in Frage gestellt. Hinzu kommt, dass der Waldspeicher in Bayern wie bereits dargestellt nahezu sein Maximum erreicht haben dürfte.

Climate-Washing

Als Climate-Washing wird das Schönfärben von Klimabilanzen bezeichnet. In der Klimarahmenkonvention haben die Länder weltweit vereinbart, ihre Treibhausgase getrennt nach Sektoren und jeder Staat für sich zu bilanzieren (Quellen- und Territorialprinzip). In der EU-Verordnung, die die europäische Berichterstattung regelt (sogenannte Monitoring-VO), heißt es: »Der Emissionsfaktor für Biomasse beträgt null«. Diese Aussage führte dazu, dass einige europäische Staaten, insbesondere Küstenländer, ihre Kohlekraftwerke auf Pellets umgerüstet haben und die Pellets aus Übersee importieren.

Bei der Bilanzierung der fossilen CO2-Emissionen entlasten sie dadurch ihren Energiesektor. Auswirkungen der Pelletverwendung müssen sie für ihren Waldspeicher nicht berücksichtigen. Dies geschieht zu Lasten der Lieferländer in Übersee: Diese Länder müssten die Auswirkungen, die die Pelletbereitstellung auf den Waldspeicher hat, bei der Bilanzierung ihres LULUCF-Sektors (Land Use, Land-Use Change and Forestry) einbeziehen. Die Sorge vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist jedoch, dass die Lieferländer ihren Waldspeicher nicht korrekt bilanzieren.

In Deutschland werden Pellets dagegen in der Regel aus Holzresten hergestellt, die bei der Verarbeitung von Rohholz zu Produkten für die stoffliche Verwendung anfallen. Dieses Verfahren wird von Seiten der Wissenschaft nicht kritisiert. Deutschland ist bei Pellets Selbstversorger, 2021 wurden netto sogar 431.000 Tonnen Holzpellets exportiert. Der Vorwurf des Climate-Washings wäre Deutschland gegenüber somit unberechtigt.

Kaskadennutzung

Gegen die energetische Holzverwendung wird auch vorgebracht, dass Holz ein knapper Rohstoff sei. Eine stoffliche Holzverwendung würde den Kohlenstoff länger im Holzproduktespeicher gebunden halten. Der Ersatz von in ihrer Herstellung energieintensiven Produkten wie Stahl oder Ziegel durch Holzprodukte trägt darüber hinaus zur Einsparung fossiler Energie bei (Materialsubstitution). Diese Aussagen sind alle korrekt. Allerdings eignen sich nicht alle Bäume bzw. Baumteile für eine stoffliche Verwendung. Eine ortsnahe energetische Verwendung des Schwachholzes ist dann zweckmäßiger als ein Ferntransport zu weit entfernt liegenden Werken.

Holz ist gespeicherte Energie

Beim Vergleich von Holz mit anderen erneuerbaren Energiequellen wird oftmals übersehen, dass Holz gespeicherte Energie darstellt, die zu einem beliebigen Zeitpunkt abrufbar ist. Durch Wind oder Photovoltaik erzeugter Strom muss, wenn er nicht sofort verbraucht wird, erst in Batterien oder Pumpspeicherseen gespeichert oder für die Erzeugung von Wasserstoff verwendet werden. In allen Fällen entstehen dabei beträchtliche Umwandlungsverluste.

Holz ist eine heimische und damit krisenfeste Energieressource

Der Ukrainekrieg führt uns vor Augen, in welchem Maße Deutschland bei den fossilen Brennstoffen von anderen Ländern abhängig ist. Diese Länder werden oftmals nicht demokratisch regiert und sind bereit, ihre Ressourcen als Druckmittel zur Durchsetzung politischer Interessen zu verwenden. Es ist verständlich, wenn Menschen in Sorge um ihre Wärmeversorgung im nächsten Winter vermehrt auf Energieholz ausweichen. Zwar entwickelten sich die Preise für manche Holzbrennstoffe in den vergangenen Jahren ebenfalls nach oben – in den vergangenen Monaten sogar stark – aber sie reagieren immer noch wesentlich weniger volatil und sprunghaft als der Ölpreis.

Holzenergie kann darüber hinaus dezentral über regionale Anbieter beschafft werden und es besteht die Möglichkeit, Eigenleistung z. B. durch Selbstwerbung zu erbringen. Holzenergie ist deshalb vergleichsweise preiswert und gerade für einkommensschwache Haushalte oder strukturschwache Regionen eine Alternative zu anderen Energieressourcen.

Zusammenfassung: Kein schlechtes Gewissen beim Holz heizen

Die energetische Nutzung von Holz steht in der Kritik und sorgt für Diskussionen. Der Beitrag der LWF setzt sich mit den Kritikpunkten an der energetischen Holzverwendung auseinander und zeigt Fakten dazu auf. Die Autoren nennen zum einen Optionen, wie sich Feinstaubemissionen bei der Holzverbrennung weitgehend vermeiden lassen. Zum anderen stellen sie die energetische Holzverwendung der Verbrennung fossiler Brennstoffe gegenüber und vergleichen deren Auswirkungen auf das Klima. Darüber hinaus erläutern die Autoren, wie sie die Realisierbarkeit und die Effekte einer Erhöhung des CO2-Speicherpotenzials durch Vorratsaufbau sowie einer Stilllegung von Wäldern einschätzen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die energetische Holzverwendung keinen Anlass für ein schlechtes Gewissen bietet, solange sich diese im dargestellten Rahmen bewegt.

Hier können Sie die LWF aktuell 136 bestellen.

Quelle: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)

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