Baum und Natur

Elsbeere (Sorbus torminalis)

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Name

(Sorbus torminalis) Ruhrbirne, Alzbeere, Adlerbeere, Darmbeere, Eis-Vogelbeere, Sauerbirl, Schöne Else, Schweizer Birnbaum, Wilder Sperber u.v.w.

Vorkommen der Elsbeere

Die Elsbeere gehört zu den wärmeliebenden Baumarten und kommt daher in der Hügelstufe an sonnigen warmen Hängen oder in Eichenmischwäldern vor. Der Boden sollte steinig und mild humos sein, mit kalkhaltiger Ton- und Lehmbeimischung. In Mitteleuropa ist sie v. a. im Süden und Südwesten vertreten.

Beschreibung und Biologie der Elsbeere

Die Elsbeere ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mehlbeeren (Sorbus) und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae)

  • Baum: Die Elsbeere erreicht Wuchshöhen zwischen 15 bis 25 m und im Wald bis zu 30 m. Sie erreicht meist ein Alter von 100, selten 300 Jahren. Die Krone der Elsbeere ist im Freistand eiförmig bis rundlich. Die Borke ist bei älteren Bäumen häufig aschgrau und kann daher leicht mit einer Eichenrinde verwechselt werden.
  • Knospe und Blatt: Die Blätter sind breit und sehen den Ahornblättern ähnlich. Typischerweise haben Elsbeerenblätter ein unteres Blattzipfelpaar, welches größer ist als die anderen; dieses steht rechtwinkelig ab.
  • Blüte: die zahlreichen reinweißen Blüten, auch Schirmrispen genannt, haben einen Durchmesser von 1 cm und sind filzig behaart.
  • Blühzeit: Von Mai bis Juni blüht die Elsbeere.
  • Früchte: Ab Oktober hängen an der Elsbeere etwa 1,5 cm lange, gelbe bis rötlich gelbe Früchte. Sind die Früchte reif, sind sie lederbraun mit hellen kleinen Punkten (Korkwarzen). Zu Beginn sind die Früchte hart, werden aber eine Woche nach der Ernte teigig.
Die Blüten der Elsbeere werden auch als Schirmrispen bezeichnet. Sind sie geöffnet, verströmen sie einen intensiven Geruch. Die Blätter sind gebuchtet; verfärben sich im Herbst von feuerrot über orange nach gelb.
Foto: Schmutzler-Schaub – stock.adobe.com

Ökologie der Elsbeere

Die vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung der Elsbeere erfolgt durch Wurzelsprosse. Sie ist ein Tiefwurzler. Wer Elsbeere pflanzt, hat erst einmal viel Arbeit, da die jungen Bäume konkurrenzschwach sind. Damit sie genügend Licht und v. a. Platz haben ist es wichtig, sie regelmäßig von Bewuchs wie der Brombeere zu befreien. Sie gelten als besonders schnellwüchsig und sind bereits mit 80 bis 100 Jahren hiebsreif.

Geschichte und Mythologie

Der lateinische Gattungsname „Sorbus“ kommt aus dem keltischen und bedeutet „herb“. Dies ist zurückzuführen auf den herben Geschmack der Früchte. Obwohl die Elsbeere kein mythischer Weltenbaum ist, glaubten die Kelten dass die Elsbeere (ähnlich wie alle Sorbus-Arten, z. B. Vogelbeere) das Unheil fern halten könne und umpflanzten daher ihre Opferstätten mit diesen Bäumen. Bei den Germanen waren alle Sorbus-Arten dem Gott Donar (Thor) geweiht und galten somit als Glücksbringer.

Heilkunde

Die Früchte sind bei ihrer Vollreife teigig und mehlig. Da sie viel Vitamin C besitzen sowie gerbstoff- und pektinreich sind, wurden die Früchte daher früher gegen Ruhr und Durchfall verwendet (auch beim Vieh) – davon leitet sich der Trivialname „Ruhrbirne“ ab. Als Tee getrunken soll die Elsbeere bei Heiserkeit und Menstruationsbeschwerden helfen. Weiter wurde sie früher zur Stärkung des Herzens eingesetzt. Im Artnamen „torminalis“ steckt das deutsche Wort Bauchschmerzen, aber nicht weil die Früchte Bauchschmerzen verursachen – im Gegenteil, sie kamen tatsächlich häufig gegen sämtliche Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich zum Einsatz.

Sind die Früchte vollreif, färben sie sich braun und bekommen kleine weiße Punkte. Essbar sind sie erst nach dem Frost.
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Verwendung und Holznutzung

Bei Schreinern und Drechseln ist das kostbare Holz sehr beliebt, da es besonders hart, schwer und elastisch ist. Es verzieht sich nicht, daher wurden früher Messgeräte wie Lineale oder Zollstöcke aus Elsbeerenholz gefertigt. Heute sind v. a. Musikinstrumente, Möbel und Billiardstöcke aus dem edlen Holz.

Die Früchte werden vielseitig verwendet, beispielsweise als Zugabe zu Schokolade, Nudeln oder Käse. Auch im Müsli kommen sie häufig in getrockneter Form vor. Am bekanntesten ist aber die Verarbeitung der Früchte zu Branntwein. Der Schnaps mit dem typischen Mandelgeschmack wird v. a. in Österreich produziert und erzielt hier Preise zwischen 200 und 400 €/Liter.

Das Markenzeichen des Elsbeerenbrands ist die feine Nougat-Marzipan-Note. Werden die Früchte nach der Ernte warm gelagert, kommt diese Note im Anschluss noch intensiver zur Geltung.
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Holzpreise

Die Elsbeere ist selten und so wird ihr Holz praktisch ausschließlich auf Submissionen und Versteigerungen angeboten. Ihr Preis schwankt stark, je nach Qualität, Holzstruktur und Dimension der Stämme. Mehrere hundert Euro Preisunterschied pro Festmeter von Jahr zu Jahr am gleichen Verkaufsort sind keine Seltenheit. Auf den Verkaufsterminen der vergangenen Jahre hat sie von etwa 200 €/Fm bis weit über 1.000 €/Fm erzielt. Was die Höchstpreise betrifft, beflügelt die Elsbeere die Phantasie der Waldbesitzer. So wird von einem Exemplar aus Frankreich berichtet, das einen Preis von 20.000 €/Fm erzielte. Deshalb wurde sie in manchen Zeitungsberichten bereits als „das teuerste Holz der Welt“ bezeichnet.

Blick in die Zukunft

Die Elsbeere ist besonders wärmeliebend und verträgt auch die Trockenheit sehr gut, daher wird ihr auch für den Klimawandel eine gute Prognose vorhergesagt. Weiter ist die Elsbeere nicht durch Schädlinge gefährdet.

„Wussten Sie“

In Niederösterreich liegt das eindrucksvolle „Elsbeerreich“. Der Elsbeerenbestand wird hier derzeit auf 300 bis 400 Individuen aus teils über 200 Jahre alten Bäume geschätzt. Jährlich im Mai findet dort ein Fest statt, bei dem Interessierte die Elsbeeren, aber auch das dazugehörige Handwerk wie auch Erzeugnisse aus Elsbeere bestaunen und kaufen können.

Bei der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 wurde das Holz der Elsbeere zum schönsten Holz der Welt gekürt.

Quellen:

  • Mayer, Schwegler, Welcher Baum ist das?
  • Reader´s Digest; Wegweiser durch die Natur – Pflanzen und Tiere Mitteleuropas
  • Internetrecherche: Materialien von LWF Bayern, Wikipedia, Waldwissen, Weisshaus, NABU
Quelle: Mirjam Kronschnabl-Ritz