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Haglöf Trail Blazer

Elmia 2017: Blick nach vorn

Die Erwartungen bei der europäischen Leitmesse für Forsttechnik Elmia Wood waren hoch gesteckt. Nicht nur marktreife Neuentwicklungen erwartet man hier, sondern auch Ausblicke auf Zukunftstechnologien und spannende Prototypen. Mal sehen, was wir auf dem Messerundgang in Schweden gefunden haben.

Zuerst die schlechte Nachricht: In Sachen Elektroantriebe oder Hybridisierung von Forstmaschinen wurde kaum etwas geboten, obwohl es mit Elforest schon 2009 eine Firma gab, die durchaus einsatzfähige Tragschlepper mit Dieselhybridantrieb hatten. Die Grundidee ist bestechend: Anstelle aufwendiger und schwerer Getriebe und Antriebswellen treibt ein kleiner Dieselmotor nur einen Generator an. Dieser liefert den Strom für elektrische Radmotoren und was gerade nicht gebraucht wird, wandert in Speicherbatterien. Dort lässt sich die Energie für Lastspitzen abrufen. Bei Bergabfahrten rekuperieren die Nabenmotoren sogar noch weiteren Strom.

Bosch-Rexroth zeigte Komponenten für die Elektrifizierung des Radantriebs bei Forstmaschinen: Links das Radgetriebe, mittig der Nabenmotor und rechts der Inverter Foto: Bosch

Bei Bosch-Rexroth und ZF Friedrichshafen gab es in dieser Hinsicht wenigstens ein paar Komponenten zu sehen. Der abgebildete Elektromotor SMG180/120 erreicht bei einer Bordspannung von 400 V eine Dauerleistung von 60 kW, in der Spitze sogar 90 kW. Das entspräche bei einem Vierrad-Skidder schon einer Leistung von über 600 PS, ganz abgesehen davon, dass ein E-Motor sein volles Drehmoment immer schon ab Stand bereitstellt, während ein Verbrenner immer erst auf Touren kommen muss. Links daneben im Bild steht das kompakte Radgetriebe, rechts der notwendige Inverter. Über konkrete Versuche war am Stand von Bosch aber nichts zu erfahren.

Da ist man derzeit noch mit einer vergleichsweise konventionellen Technik unterwegs: Das HVT R2 ist ein Stufenlos-Getriebe mit drei Geschwindigkeitsbereichen. Bei langsamer Fahrt arbeitet das System zunächst rein hydrostatisch. Später kuppelt der mechanische Zweig ein, bis bei hoher Geschwindigkeit ausschließlich Zahnräder am Werk sind. Die Übergänge sind fließend, sodass der Fahrer von alldem gar nichts mitbekommt. In Teleskopstaplern ist die Technik längst erprobt und sorgt dort für enorme Spritersparnis von rund 25 %. Für den Einsatz in Forstmaschinen ist jedoch eine wesentlich kompaktere Bauform nötig, die erst seit Kurzem verfügbar ist. Das erste Versuchsfahrzeug wurde gerade zusammen mit HSM auf die Räder gestellt.

Motorentechnik

Mit vergleichsweise großem Brimborium haben die Motorenproduzenten dagegen ihre neuesten Aggregate für die kommende Abgasnorm EU Stufe V enthüllt. Was für die Hersteller von Forstmaschinen ab 2019 relevant wird, könnte den Endkunden möglicherweise erst etwas später interessieren, wobei es hier keine Übergangsfristen wie bisher mehr geben soll. Auf der anderen Seite sind bisher fast nur Vorteile der neuen Motorengenerationen bekannt geworden: Die Maschinen werden nicht nur sauberer, sondern parallel auch stärker und verbrauchen weniger Kraftstoff. Insbesondere die Abgasreinigungsanlagen schrumpfen wieder deutlich, obwohl sie wesentlich mehr leisten müssen.

Die Abgasreinigungssysteme – hier von Cummins – werden wieder deutlich kleiner und leichter Foto: H. Höllerl

Das sogenannte Single-Modul von Cummins vereinigt in sich den Oxy-Kat, einen Partikelfilter, die Harnstoffeinspritzung und den SCR-Katalysator. Trotzdem ist die ganze Anlage laut Hersteller um die Hälfte kleiner und 30 % leichter als der Vorgänger. Leider werden die Aggregate wohl auch eine ganze Ecke teurer werden.

Werkstoffe

Neue Materialien sind im Maschinenbau ja auch immer etwas Spannendes. Aber gerade die leichtgewichtigen Werkstoffe sind oft teuer und auch nicht unbedingt besonders widerstandsfähig für den rauen Forsteinsatz. Insofern lesen sich die Daten des Hydraulikzylinders aus Karbon bei Parker auf dem Messestand zwar verlockend – der Arbeitsdruck geht bis 380 bar; das Gewicht liegt mit 1,30 m Länge und 75 mm Innendurchmesser gerade mal bei 25 kg – aber die Wahrscheinlichkeit einer weitergehenden Verbreitung ist wohl doch eher gering.

Bei Parker gab es diesen Prototypen eines Hydraulikzylinders aus Kohlefaser zu sehen Foto: H. Höllerl

Messtechnik

Bei den diversen Messgeräten gab es echte Zukunftsmusik und interessante Neukombinationen zu entdecken: Bei Haglöf hat man den Laser entdeckt. Zusammen in einem Gehäuse mit einem klassischen Präzisionkompass von Suunto entsteht ein Hilfsmittel, mit dem man Grenzen oder Rückegassen leichter in den Bestand einfluchten kann. Zu Lieferumfang des Trail Blazer gehört eine reflektierende Weste, auf der man den grünen Laserpunkt besonders gut sehen kann.

Beim Haglöf Vertex wird ein Laser-Entfernungsmesser integriert Foto: Elmia

Auch beim beliebten Multifunktionsgerät Vertex zur Messung von Baumhöhen, Neigungen und Entfernungen gibt es jetzt eine Version mit integriertem Laser. Mit dem Vertex Laser Geo spart man sich in vielen Fällen das Anbringen des Ultraschall-Transponders und der eingebaute Computer kann sogar noch spezifisch für den Kunden programmiert werden.

Elektronische Kluppen mit oder ohne Funkanbindung gibt es mittlerweile eine ganze Reihe. Die Spezialisten von Masser gehen mit Ihrem Prototyp Maslog 3D einen großen Schritt weiter: Mit Stereokameras und integrierter LED-Ausleuchtung erzeugt das Gerät ein dreidimensionales Abbild des zu vermessenden Stammes. Der dazugehörige Rechner muss allerdings im dazugehörigen Rucksack mitgeführt werden.

Die 3D-Kluppe von Masser Foto: H. Höllerl

Für die allgemeine Forstpraxis erscheint das jetzt erst einmal nicht so relevant. Eine bahnbrechende Erfindung könnte aber die Bildverarbeitungstechnik sein, die wir Ihnen hier vorstellen

Heinrich Höllerl

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