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Einzelschutz für den Wald von morgen

Bearbeitet von Rainer Soppa

Auf den KWF-Thementagen in Jessen wurden in einer kleinen Ausstellung die verschiedensten Möglichkeiten zum Einzelschutz von jungen Forstpflanzen ausgestellt. Für Nachfragen stand Rainer Kobow, Prüfingenieur beim Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF), den Besuchern zur Verfügung.

Am auffälligsten waren die verschiedenen Ausführungen der seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen Wuchshüllen. Waren die früher überwiegend aus Kunststoffen wie Polypropylen, Polyethylen, High Density Polyethylen (HDPE) oder Polyvinylchlorid (PVC), geht der aktuelle Trend eher zu biologisch restlos abbaubaren Kunststoffen oder gleich zu Naturprodukten aus Holz. Die Ursachen für den Gesinnungswandel sind vielfältig. Ein wichtiger Grund dürften auch die Förderrichtlinien einiger Bundesländer sein, nach denen Kunststoff im Wald nicht mehr förderfähig ist.

Die verschiedensten Versionen von Einzelschutzelementen für junge Waldbäume wurden am Themenschwerpunkt 2 den Besuchern gezeigt und erläutert.
Die verschiedensten Versionen von Einzelschutzelementen für junge Waldbäume wurden am Themenschwerpunkt 2 den Besuchern gezeigt und erläutert.
Foto: Kristoffer Finn

Große Sympathie genießen daher Einzelschutzprodukte aus Holz, Papier oder Jute und anderen Naturstoffen. Sie haben laut Umfragen der Hochschule Rottenburg einen Anteil von 14 % erreicht. Auf der KWF-Tagung waren eine ganze Reihe von ihnen zu sehen. Ein Beispiel ist die Wuchshülle Salix der Firma Freitag Weidenart. Sie besteht aus Weidenruten und Sisal-Schnüren. Der Schreiner und Forstwirt Bernd Schairer bietet mit dem Sprossenschützer ein weiteres Produkt an. Er fertigt die unterschiedlichen Varianten zu 100 % aus Esskastanien- und Eschenholz. Auch die Lignumguard-Schutzhüllen von Tischlermeister Franz Eschlbeck bestehen aus unbehandelten Holzfurnieren. Genannt seien noch die Dendron-Holzschutzhüllen der Firma Walthmeyer. Sie werden aus unbehandelten, heimischen Nadelholzschindeln gefertigt. Sie werden mit Bändern aus reiner Jute miteinander verbunden und an der Pflanze mit verzinkten Eisenklammern an einem Robinienstab befestigt. Das Unternehmen kann mit Gutachten belegen, dass die Produkte unbedenklich sind und im Wald verbleiben könnten.

Doch auch Wuchshüllen aus Holz unterliegen einer rechtlichen Analyse der Hochschule Rottenburg zufolge dem Kreislaufwirtschaftgesetz. Denn – so nimmt die Studie an – es sei unklar, welcher Inhaltsstoffe sich die Hersteller eventuell bedienten, um sie haltbar zu machen, zu verkleben oder zu befestigen. Daher ist davon auszugehen, dass sie auch nicht biobasierte Materialien wie z. B. Imprägnierungen enthalten. Sie seien also wie Kunststoffprodukte zu behandeln und müssten nach Gebrauch wieder eingesammelt werden. „Auch wenn es dann nichts mehr gibt, was man einsammeln könnte“, wie es Dr. Hans Walther von der Firma Walthmeyer formuliert.

Rainer Soppa