Holztransport

Einschränkungen für den Langholztransport

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Es passiert nicht jeden Tag, dass der Holztransport Thema einer Landtags­debatte ist. In Baden-Württemberg war das am 1. Februar aber tatsächlich einmal der Fall. Genau genommen war es keine Debatte, sondern unter TOP 4 nur ein Thema der Fragestunde. Der FDP-Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecher Friedrich ­Bullinger brachte ein Problem zur Sprache, das Holzindustrie, Waldbesitzer  und Holztransport-Speditionen derzeit länderübergreifend auf die Palme bringt: die Längenbeschränkung bei den Langholztransporten.

„Ein Drittel der Langholztransporte ist zukünftig unzulässig“, leitete Bulliger seine Frage ein. Der Grund: Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg erlaubt nur noch den Transport von 19,5 m langen Stämmen, weil die Gesamtzuglänge von 27 m auf 25 m plus 2 m Kranüberhang nach vorne reduziert wird.

Hintergründe

Verkehrsminister Winfried Hermann schilderte in seiner Antwort die Hintergründe der neuen Regelung, die Baden-Württemberg zusammen mit Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland einheitlich angegangen ist. Anlass war die 2017 geänderte Verwaltungsvorschrift für die Straßenverkehrsordnung. Wie Hermann mitteilte, soll der neue Langholz-Erlass in Baden-Württemberg die erforderlichen dreijährigen Dauergenehmigungen erleichtern, weil die Landkreise bei Einhaltung der neuen Gesamt­zuglänge nicht mehr beteiligt werden müssen. Er kann sich sogar vorstellen, dass bestimmte Strecken für Fahrzeuge bis 30 m Gesamtlänge freigegeben werden können. Eine generelle Freigabe für 21 m langes Holz, wie es die Holz­industrie fordert, hält er jedoch für ausgeschlossen. Und nicht zuletzt bleiben die alten Regeln noch bis Ende 2018 gültig, weil ein mit der Holzindustrie eingerichteter Arbeitskreis noch einmal beraten wird, wie die neuen Vorgaben am besten umgesetzt werden.

Spezialfall Hessen

Die Holzspediteure hätten mit einer solchen Regelung wahrscheinlich keine allzu großen Probleme. Das Problem ist nur, dass im Moment so einiges durcheinander gerät. Das zeigt das Beispiel Hessen. Obwohl sie sie dem südwestdeutschen Verbund angehören, der angeblich eine einheitliche Lösung sucht, schränken viele Landkreise den Langholztransport derzeit stark ein. Wenn die Spediteure neue Dauerfahrgenehmigungen für den Langholztransport beantragen, sehen sie sich mit zahlreichen Sonderauflagen konfrontiert:

  • Die Landkreise Fulda, Gießen, Main-Kinzig-Kreis, Wetteraukreis, Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis fordern für Langholztransporte verpflichtend private Begleitfahrzeuge mit Funk und Rundumlicht. Drei Kreise fordern dies ab einer Gesamtfahrzeuglänge von 23 m, drei sogar unabhängig von der Länge.
  • Die genannten Landkreise sowie der Kreis Hersfeld-Rotenburg sperren für den Langholztransport außer den Autobahnen alle Straßen in der Hauptverkehrszeit von 6:00 bis 9:00 Uhr und von 15:30 und 19:00 Uhr.
  • Zwei weitere Landkreise verhängen Wochenendfahrverbote.
  • Der Landkreis Waldeck-Frankenberg stellt derzeit gar keine Dauer­genehmigungen mehr aus.

Das sind aus Sicht der Holzindustrie Auflagen, die europaweit ohnegleichen sind und in Hessen das Ende des Langholztransportes nach sich ziehen könnten. Hintergrund für die strengen Auflagen in Hessen ist offenbar ein Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Gießen vom Dezember 2017. Ein hessischer Holzspediteur hatte gegen eine Begleitfahrzeugauflage im Genehmigungsbescheid geklagt und verloren. Dabei ist klar, dass die neue Praxis Langholztransporte sehr erschweren wird. Sie ist auch unfair, weil die Holzspeditionen benachbarter Bundesländer diese Restriktionen nicht haben und weiter ungehindert durch Hessen fahren können.

Positionspapiere

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH), die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) und die Bundesvereinigung für das Holztransport-Gewerbe (BdHG) gehen derzeit gemeinsam gegen die Längenbeschränkungen vor. Gemeinsam verfasste Positionspapiere für Hessen, Baden-Württemberg und Bayern liegen vor.

DeSH/Red.