Kotschenreuther-Harvester
Derzeit eine Hauptaufgabe für den
Kesla-Kopf: Vorgeliefertes Langholz
prozessieren an der Waldstraße
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Ein Forstraktor als Harvester: Mit Köpfchen

01. Dezember 2019

Matthias Söll war einer der ersten Unternehmer, der sich einen echten Rollen-Harvesterkopf auf seinen Kotschenreuther-Forsttraktor hat bauen lassen. Seit gut einem Jahr ist er nun damit im Frankenwald unterwegs. Wir wollen wissen, wo sich die Kombination sinnvoll einsetzen lässt.

Nein, im Moment ist der Kopf nicht montiert an der Maschine. Aber wir könnten ruhig vorbeikommen, der Wechsel ginge ganz schnell – das war die Auskunft am Telefon bei der Terminanfrage zu dieser Reportage. Also mache ich mich auf den Weg. Unterwegs geht mir die Frage durch den Kopf, wofür der Unternehmer wohl überhaupt einen Harvesterkopf braucht?

Auf dem Hof angelangt, bekomme ich aber zunächst eine Demonstration, wie schnell sich der Rückeschlepper in einen Harvester verwandeln lässt.

Der Greifer wird gleich auf einer Palette geparkt. So lässt er sich ruck-zuck mit dem Stapler verräumen
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Als erste Amtshandlung fährt Vater Matthias Söll mit dem Gabelstapler eine Palette aus der Halle. Darauf legt Junior Paul den Greifer sorgsam ab. Zwei Schrauben halten den Schutzdeckel des Holp-Schnellwechselsystems.

Darunter kommen die vier Bajonett-Verschlüsse für die Hydraulikschläuche zum Vorschein – kurz abgesteckt und die Klemmbacke des Holp aufgehebelt – schon kann der Greifer abtransportiert werden.

Paul Söll hebelt den Holp-Adapter aus
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In der Zwischenzeit hat der Senior die zweite Palette mit dem Erntekopf gebracht. Darauf kringelt sich wie eine dicke Riesenschlange das Schlauchpaket. Das sieht kompliziert aus …

Paul klettert auf das Rückeschild. Die schwarze Kiste, deren Spannverschluss er jetzt öffnet, fiel vorher seitlich am Hauptarm gar nicht auf. Hier verbergen sich wieder vier Bajonettverschlüsse. Ruck-zuck haben die beiden Sölls die Schläuche an drei Ösen am Kran eingehängt.

Vater und Sohn kuppeln das Schlauchgehänge
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Jetzt muss eigentlich nur noch die Aufhängung eingefädelt und arretiert werden. Vorsichtig hebt Paul den Kopf an und hakt die beiden Windenseile rechts und links ein. So wird das Aggregat für die Straßenfahrt gesichert und die Fahrzeughöhe bleibt trotzdem unter 4 m.

Noch kurz das Aggregat mit der Doppelseilwinde ranziehen – abfahrbereit und unter 4 m hoch
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Nach kaum 20 Minuten ist der Spuk vorbei und ich hatte nicht den Eindruck von Hektik, obwohl es immer stärker zu regnen beginnt. „Am längsten dauert es eigentlich bis der Computer hochgefahren ist!“, lacht Paul.

Klassischer Rücker

Matthias Söll hat sich Anfang der 1980er Jahre selbstständig gemacht als Holzrücker in einem Ortsteil von Schwarzenbach am Wald mit dem wohlklingenden Namen „Bernstein“. Nur knapp 10 km Luftlinie vom Sitz der Firma Kotschenreuther entfernt, lag es natürlich nahe, einen solchen Forsttraktor zu kaufen. Schließlich dauert es so kaum je länger als eine Stunde, um ein benötigtes Ersatzteil zu besorgen – selbst wenn das mal an einem Sonntag sein sollte.

An der Maschinenaustattung hat sich bis heute auch nicht viel geändert – aktuell laufen drei Kotschenreuther mit Kranaufbau in der Söll Forst GmbH und fallweise noch eine Windenmaschine. Vor zwei Jahren ist Sölls jüngster Sohn Paul (21) in den Betrieb mit eingestiegen. Außerdem gibt es da noch einen angestellten Fahrer, Christian Pittroff. Jeder der drei ist für seine Maschine verantwortlich und fährt im Prinzip auch nur diese. Im Frankenwald sind die Bayerischen Staatsforsten ein wichtiger Auftraggeber. Dort wird zwar normalerweise sehr viel Kurzholz aufgearbeitet, aber in der Region gibt es auch noch einige mittelständische Säger, die bevorzugt Langholz einkaufen. In der aktuellen Situation mit Unmengen von Kalamitätsholz auf dem Markt, wo viele Großsäger kaum noch Mengen abnehmen, wird sogar eher wieder mehr lang aufgearbeitet.

Maximal 8 m reicht der Epsilon-Kran des Traktors. Darüber hinaus wird beigefällt
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Neben Staatswald gibt es in der Gegend aber auch viele Privatwaldbesitzer, von denen über die Jahre immer mehr auf den Unternehmer zukamen, weil sie selber die notwendige Ausrüstung zur Holzaufarbeitung gar nicht mehr haben. So kam 2013 die Idee auf, einen gebrauchten Timberjack 770 zu kaufen. Mit der preisgünstigen und wendigen Vierradmaschine ließen sich Jungdurchforstungen gut erledigen. Bei den überwiegend kleineren Baustellen machten sich die Kosten für den Tieflader zum Umsetzen jedoch immer wieder deutlich bemerkbar. Die Kotschenreuther-Traktoren sind dagegen mit 40 Sachen auf der Straße unterwegs. Manche Kollegen arbeiteten ja mit Schubharvestern am Rückekran, aber das erschien Söll doch eher ein Rückschritt zu sein.

Mitte 2018 war es dann soweit: Der neue Schlepper kam mit einem langen Epsilon-Kran S 110 R mit Doppelteleskop und 8 m Reichweite. Dazu gab es einen Rollenharvesterkopf RH 25 von Kesla. Der robuste Zweiwalzer ist mit 840 kg relativ leicht und schafft trotzdem beim Fällschnitt bis zu 67 cm. Mit gerade noch sich berührenden Messern lassen sich bis zu 39 cm entasten.

Ideal für Kleinmengen

Mit dieser Kombination lassen sich vor allem kleine Hiebe mit 100 – 200 Fm, wie sie im Privatwald an der Tagesordnung sind, wesentlich rationeller bearbeiten als mit einer Maschine, die nur 8 km/h schnell fahren kann. Weil sowieso viel Langholz gemacht wird, stört es auch nicht, dass der Kran für einen Harvester immer noch relativ kurz ist und einiges beigefällt werden muss. Hier hat Kesla unlängst ein sehr interessantes Update für die Vemessungssoftware herausgebracht: Im Aufarbeitungsprotokoll lassen sich direkt die Mittendurchmesser der Stämme angeben. Der Waldbesitzer bekommt eine fertige Holzliste vom Unternehmer und kann sich die händische Vermessung nachher sparen.

Üblicherweise fanden solchen Aktionen immer am Freitag nachmittag und am Samstag statt, wenn die Haupt-Rückearbeit getan war. In der letzten Zeit werden solche Aufräge aber immer häufiger. Auch beim Staat wird Söll immer wieder mit dem Aggregat bestellt. Oftmals ist es dann so, dass mehr oder weniger das gesamte Stammholz vorgefällt wird, die beiden Kranschlepper rücken vor und Paul Söll arbeitet quasi als „Prozessor“ an der Waldstraße alles in Sortimente auf. Gerade beim Käferholz hat man dann schon sämtliches Brutmaterial draußen am Weg und kann den Hacker kommen lassen.

Aber ist das nicht ziemlich materialmordend, diese Langholzproduktion? Anstatt einer Antwort fahren wir hinaus in den Wald, wo bereits ein Stapel vorgerückter Bäume am Wegrand liegt. Schnell wird klar, dass für solche Aufgaben, der Kotschenreuther mit seinem Rückekran sogar ziemlich gut geeignet ist: Das hohe Schwenkmoment hilft dabei, die Stämme zu manipulieren. Wenn sie beim Entasten das Übergewicht bekommen und der Stammfuß am Boden weitergeschoben werden muss, sind auch die Transportwalzen des Kesla gefordert. Doch Paul achtet auch darauf, dass möglichst schnell aus den bereits aufgearbeiteten Stämmen eine „Rutsche“ entsteht, auf der die nachfolgenden leichter gleiten können. Ein bisschen mehr Leistung kann für diese Arbeit aber trotzdem nicht schaden – deswegen steht auf der Haube des grünen Traktors auch K 220. Dabei handelt es sich um die 220-PS-Ausbaustufe des 6,8-l-Powertech-Motors. Die Nennleistung beträgt 129 kW und die Maximalleistung eben 164 kW oder 223 PS. „Weniger sollten es auch nicht sein!“ meint Matthias Söll dazu. Zwischenzeitlich bietet Kotschenreuther auch einen K 260 an und ein K 300 ist in Vorbereitung.

Derzeit eine Hauptaufgabe für den Kesla-Kopf: Vorgeliefertes Langholz prozessieren an der Waldstraße
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Als nächstes zeigt Paul, welche Kapazitäten seine Maschine in der Fällung hat. Die automatische Verblockung der Vorderachse am Kotschenreuther gibt Standfestigkeit. Mit dem 360°-Drehsitz ist der Arbeitsplatz auch sehr komfortabel. Für den Blick in die Kronen ist die hintere Hälfte des Kabinendaches aus Glas. Als Vierradmaschine ist die Hubkraft bei starken Bäumen und weiter Auslage natürlich limitiert. Und wenn ein Baum ganz nah steht, dann stört manchmal die Abdeckung des Holp-Schnellwechslers beim Anlegen des Aggregats. Um das zu vermeiden, gibt es heute auch Schnellwechselsysteme unterhalb des Rotators. Aber diese sind entweder teuer, oder die Schläuche für den Greifer führen außen entlang. „Unter dem Strich,“ hält Söll fest, „machen vor allem die maschinelle Entastung und Vermessung solche Aktionen rationeller, als wenn die Bäume jeweils von den Forstwirten vollständig aufgearbeitet werden. Trotzdem geschieht das alles nicht so ganz freiwillig. Wir kriegen längst nicht mehr genügend Leute, um diese Arbeit zu machen.“

Heinrich Höllerl