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Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Eichenprozessionsspinner in Schleswig-Holstein angekommen

Der Schleswig-Holsteinische Waldbesitzerverband weist schon seit Jahren auf erhebliche Gefahren für Menschen und Wälder hin – Politik und Verwaltung haben notwendige Vorsorge durch einen Notfallplan gleichwohl verweigert.

Der Eichenprozessionsspinner ist in Schleswig-Holstein angekommen. Im Kreis Herzogtum-Lauenburg wurde in den letzten Tagen ein Vorkommen des Eichenprozessionsspinners festgestellt. Die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners stellt eine erhebliche Gefahr dar.

Erhebliche Gefahr für Mensch und Wald

Die Eichenprozessionsspinner bilden ab dem dritten Larvenstadium Gifthaare auf den Spiegeln der Hinterleibs-Segmente aus und stellen in den weiteren Larvenstadien eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Juckende und entzündliche Hautausschläge sowie Augen- und Atemwegserkrankungen nach Kontakt mit dem Gifthaaren sind die Folge. Bei besonders empfindlichen Personen kann die Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock führen. Im weiteren Entwicklungsverlauf bis hin zum Nachstadium nimmt die Zahl der Gifthaare noch deutlich zu. Ein direkter Kontakt mit den Raupen ist daher unbedingt zu vermeiden!

Auch für die Wälder besteht eine erhebliche Gefahr. Betroffene Eichenbestände werden vielfach vollständig kahlgefressen. Die Bäume, gerade auch alte und wertvolle Alteichenbestände, werden oftmals erheblich – bis zum Waldsterben – geschädigt.

Untätigkeit des Ministeriums zeigt ideologisch fehlgeleitete Forstpolitik

Durch den Klimawandel wird die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners, wie auch vieler anderer wärmeliebender Forstschädlinge nach Schleswig-Holstein begünstigt. Der Schleswig-Holsteinische Waldbesitzerverband hat vor diesen Gefahren schon seit Jahren gewarnt und das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Digitalisierung (MELUND) als Oberste Forstbehörde immer wieder aufgefordert, rechtzeitig für den Notfall die notwendigen Vorbereitungen zu treffen und Notfallpläne zu erstellen. Eine solche – eigentlich selbstverständliche – Vorsorge wurde aber vom Ministerium immer als unnötig zurückgewiesen.

Die Waldbesitzer, die mit ihren heutigen Entscheidungen die Weichenstellungen für die nachfolgenden Generationen treffen, sind über diese Sorglosigkeit und Kurzsichtigkeit erschüttert. „Das Ankommen des Eichenprozessionsspinners und anderer Schädlinge in Schleswig-Holstein war seit Jahren zu erwarten“, so Hans-Caspar Graf zu Rantzau, der Vorsitzende Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes. „Die Untätigkeit des Ministeriums in den vergangenen Jahren zeigt die Ignoranz ideologisch fehlgeleiteter Forstpolitik“, so Graf zu Rantzau weiter.

Mit der letzten Änderung des Landeswaldgesetzes wurde den Waldbesitzern, die durch die sinnvolle Beimischung standortgerechter Baumarten eine größere Stabilität erreichen wollen, ungeachtet aller Gefahren durch den Klimawandel vorgeschrieben, auf standortheimische Baumarten, wie die Eiche, zu setzen. Im Schadensfall lässt man die Waldbesitzer dann aber allein. Schädlinge wie der Eichenprozessionsspinner werden sich weiter ausbreiten. Daher muss es im Schadensfall möglich sein, unverzüglich zu handeln, um Mensch und Wald zu schützen.

Mit der geltenden gesetzlichen Regelung darf Pflanzenschutz im Wald ohnehin nur als ultima ratio eingesetzt werden. Wenn Vorbereitungen dann nicht rechtzeitig getroffen wurden und noch lange Verwaltungsverfahren zu absolvieren oder Zuständigkeiten unklar sind, ist der Wald verloren.

Langjährige Verweigerungshaltung des Ministeriums

Gerade weil nach geltender Rechtslage selbst bei drohendem Totalverlust geschädigter Wälder maximal die Hälfte der Schadfläche behandelt werden darf, ist die langjährige Verweigerungshaltung des Ministeriums nach Ansicht von Graf zu Rantzau völlig unverständlich. „Auf der einen Seite schreibt man den Waldbesitzern in Zeiten des Klimawandels vor, allein auf heimische Baumarten zu setzen und nimmt ihnen die Möglichkeit, Risiken zu minimieren. Auf der anderen Seite sind Politik und Verwaltung nicht daran interessiert, die notwendigen Werkzeuge zuzulassen und selbst rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Was wir als Waldbesitzer über Generationen waldbaulich erschaffen haben und für die Menschen in Schleswig-Holstein und auch für unsere Enkel und Urenkel erhalten wollen und müssen, wird durch diese kurzsichtigen Verweigerungshaltung von Verwaltung und Politik zerstört“, so Graf zu Rantzau.

Sollten Vorkommen von Raupen des Eichenprozessionsspinners festgestellt werden, sind umgehend die Stellen der Unteren Forstbehörde zu informieren, so der Waldbesitzerverband.

Schleswig-Holsteinischer Waldbesitzerverband

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