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Waldbrände vermeiden, anstatt sie nur zu bekämpfen

Statement von EFI-Waldbrandexperten zum neuen „rescEU“-Plan der EU

Der europäische Sommer 2017 wurde von zahlreichen Naturkatastrophen überschattet, unter anderem von verheerenden Waldbränden in Südeuropa, insbesondere in Portugal, Spanien und Italien. Als Reaktion auf die Kritik an der mangelden Kooperation der Mitgliedsstaaten und um solche Naturkatastrophen in Zukunft grenzübergreifend besser bewältigen zu können, hat die Europäische Kommission kürzlich das Programm rescEU eingeführt. Ziel ist es, einerseits europäische Kapazitäten zu stärken, um effektiver auf Naturkatastrophen reagieren zu können und andererseits die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch in der Katastrophenprävention zwischen den europäischen Ländern zu verbessern.

Waldbrandprävention mindestens so wichtig wie die Waldbrandbekämpfung

Alexander Held, Senior-Experte für Wald, Feuer- und Wildtier-Management im Bonner Büro des European Forest Institute und Mitarbeiter der European Forest Risk Facility, die einen europäischen Austausch im Bereich Wald-Risikomanagement zwischen Wissenschaftlern, Verwaltungen, politischen Akteuren und Forstleuten fördert, findet den Ansatz zur verbesserten Kooperation der rescEU-Initiative richtig. Allerdings zeige die Forschung zu Waldbränden, dass Waldbrandprävention mindestens so wichtig ist wie Bekämpfung: „Öffentlichkeit und Politik konzentrieren sich aus verständlichen Gruenden sehr auf die Bekämpfung des schon enstandenen Feuers. Das kann jedoch zu einer Fehlinvestition von Geld und Ressourcen führen, wenn man es langfristig betrachtet“, so Held.

Held zufolge treten „große Waldbrände durch eine Kombination dreier Faktoren auf: Es gibt eine Zündquelle, förderliche Wetterbedingungen und eine große Ansammlung von Brennmaterial. Die ersten zwei Faktoren sind schwer zu beherrschen im Rahmen eines präventiven Brandschutzes, die Ansammlung von Brennmaterial (Vegetation) allerdings kann man beeinflussen“, betont der Waldbrandexperte. „Eine großflächige Brennmaterialreduzierung, zum Beispiel durch Beweidung, Mulchen, Mähen und kontrolliertes Brennen, aber auch durch an lokale Bedingungen angepasste und regelmäßige Waldbewirtschaftung, ist hier wichtig. Dafür muss man der ländlichen Bevölkerung Anreize für die Landbewirtschaftung geben“, so Held. „Die Brandbekämpfung durch Wasserbomber hat ihren festen Platz im Brandschutz, langfristig reicht die Symptombekämpfung alleine jedoch nicht aus.“

Bevölkerung der betroffenen ländlichen Räume mitnehmen

Die Aufmerksamkeit, die tragische Brandkatastrophen auf der politischen Ebene erzeugen, sollte genutzt werden, um einen ganzheitlicheren Ansatz der Prävention und Bekämpfung zu entwickeln und umzusetzen. Dieser sollte auch die Bevölkerung der betroffenen ländlichen Räume mitnehmen und neue Möglicheiten schaffen, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und den Erhalt der natürlichen Ressourcen mit Katastrophenabwehr zu kombinieren.

Der komplette Kommentar zum neuen „rescEU“-Plan der EU steht im Internet (engl.)

European Forest Institute

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