Ecolog-580E
Sauber ausnivelliert steht die ganze Maschine im Hang
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Ecolog 580E: Ein Harvester für den Privatwald

04. Februar 2019

Eigentlich sollte dies nur eine Maschinenreportage werden. Wenn ein Privatforstbetrieb sich als erste Großmaschine einen nagelneuen Harvester EcoLog 580E zulegt, ist das schon mal einen Besuch wert. Doch beim Grafen zu Solms-Laubach gibt es insgesamt ein ganz besonders rundes – oder sollte ich sagen eckiges? – Betriebskonzept zu entdecken.

Das Bewirtschaftungsmodell im Wald von Karl Graf zu Solms-Laubach im gleichnamigen Ort im Vogelsbergkreis war bis vor Kurzem noch relativ ähnlich zu dem vieler anderen Adelshäuser: Man hielt sich nur einen Grundbestand an Maschinen und Forstarbeitern – vor allem für den ZE-Anfall. Das Gros des Holzeinschlags wurde durch Unternehmer abgewickelt. Der Holzverkauf, auch beim Brennholz, fand größtenteils in runder Form an der Waldstraße, zum Teil auch als Stockverkauf statt. Mit einer Baumarten-Verteilung von 70 % Laubholz, überwiegend Buche, waren die Erlöse im Stammholz allerdings in den letzten Jahren sehr unbefriedigend, die Holzübernahmen mit überkritischen Aufkäufern gerieten mehr und mehr zum Ärgernis. An diesem Zustand sollte sich unbedingt etwas ändern. Mehr Wertschöpfung aus dem eigenen Holz lautete die Devise.

Dazu entwickelte der Graf ein weitreichendes Konzept, nach dem eigentlich kaum noch unverarbeitetes Rundholz den Laubacher Wald verlässt. Aber dazu später mehr. Zuerst wollen wir uns den neuen Harvester anschauen. Dessen Anschaffung stellt eigentlich schon so ziemlich den Endpunkt der genannten Betriebsentwicklung dar. Sie ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass im Zuge der Sturm- und Käferkalamitäten des vergangenen Jahres 2018 Unternehmerkapazitäten oft Mangelware wurden. Der Markt für gute Gebrauchtmaschinen war weitestgehend leergefegt. So wurde relativ schnell klar, dass es eine Neumaschine werden würde. Aber wie kam es zur Entscheidung für den EcoLog 580E? Der ist mit seinem Pendelarmfahrwerk eine Ausnahmeerscheinung unter den Harvestern. Bei der detaillierten Beantwortung dieser Frage stellt sich schnell heraus, dass hier kein blauäugiger Blaublütler kurz mal auf Shoppingtour gegangen ist, sondern auch ein solides technisches Verständnis zugrunde liegt – nicht nur beim Grafen, der selbst Forst studierte und seine Diplomarbeit über den Harvestereinsatz in der Buche geschrieben hat, sondern insbesondere auch bei seinem langjährigen technischen Berater Hans-Jürgen Burmester, der unter anderem Ende der 1990er Jahre an der Entwicklung der legendären Vertemati VOR 503-Viertaktcrosser beteiligt war.

Totgesagtes Prinzip

Die alte Pendelarmtechnik verbucht immer noch ganz klare Vorteile für sich
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„Selbstverständlich haben wir uns im Vorfeld alle möglichen Maschinenkonzepte angesehen. Der EcoLog-Harvester bietet für unsere Waldstruktur einfach das beste Gesamtkonzept. Wir haben ein relativ altes Rückegassensystem, das nicht immer geradlinig verläuft und auch nicht immer genau senkrecht zum Hang. Mit der Pendelarmtechnik lässt sich die gesamte Maschine ausnivellieren und steht auch bei weiter Kranauslage bombenfest. Es gibt hier kein Verdrehgelenk zwischen Vorder- und Hinterwagen, das ich erst blockieren muss, um einen Baum aus der Verjüngung heben zu können. Im Gegensatz zu üblichen Konstruktionen lässt sich der EcoLog deswegen auch mit ausgelegtem Kran ein Stück verfahren – das bringt in engen Beständen schnell einen Zeitvorteil. Nach unserer Ansicht ist diese Herangehensweise schlüssiger als tiltbare Fahrerkabinen – getreu der Devise: Weshalb sollte ich die Vase auf dem Tisch gerade stellen, wenn ich auch den ganzen Tisch ausrichten kann?“

 

Bei unserem Besuch im Hieb zeigt uns Heiko Notdurfter aber noch weitere interessante Möglichkeiten, die das Fahrwerk bietet.

Lukas Ziek an den Joysticks mit seinem Coach Heiko Notdurfter
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Foto: H. HöllerlDer Tiroler ist ein versierter Fahrtrainer für Forstmaschinen und leitet hier gerade den zukünftigen Maschinenführer Lukas Siek an. Der junge Mann stammt aus dem Vogelsberg und hat bei Fendt eine Ausbildung als Landmaschinenmechatroniker gemacht – eine gute Voraussetzung, um sich mit so einem fahrenden Computer anzufreunden und auch bei der Wartung viele Dinge selbst zu erledigen.

Die Pendelarme, entwickelt von Jan Eriksson Ende der 1980er Jahre für die Skogsjan-Harvester, ermöglichen eine gewaltige Bodenfreiheit von über einem Meter beim Überfahren von Hindernissen. Gleichzeitig kann man so gut über die Vorausverjüngung drüberschauen. Auf der anderen Seite lässt sich das Fahrzeug zum Ein- und Aussteigen bzw. für den Tiefladertransport extrem „tieferlegen“. Der EcoLog 580E ist dann nur mehr 3,30 m hoch. Die Verstellmöglichkeiten lassen sich aber auch für eine Schwerpunktverlagerung nutzen, wenn beispielsweise ein besonders schwerer Baum herangeholt werden muss. Durch Neigen des Kranes lässt sich der Erntekopf manchmal besser durch enge Bestände zirkeln. Dass der Ausleger direkt neben der Kabine montiert ist und der Fahrer somit die gleiche Blickachse hat, ist in solchen Situationen auch als Vorteil anzusehen. Sitzt der Kran 2 m weit weg auf dem Vorderwagen, wie bei vielen Mitbewerbern, ergeben sich völlig andere Blickwinkel.

Restriktionen

Natürlich bringt die Pendelarmtechnik auch ein paar Restriktionen mit sich: Die gesamte Achskonstruktion baut relativ breit, da ist beim 580E mit 710 mm schon die maximale Reifengröße erreicht, sofern man für den Straßentransport die 3 m Außenbreite nicht überschreiten will. Beim Hochfahren der Maschine verkürzt sich der Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse. Das begrenzt in gewisser Weise den Einschlagswinkel der Knicklenkung. Deswegen gibt es bisher auch keine Pendelarm-Forstmaschine mit acht Rädern. Diese müsste nämlich sehr lang werden. EcoLog kombiniert seit je her die Pendelarme mit hydraulischen Radmotoren. Das macht eine sehr feinfühlige Traktionskontrolle möglich, dafür liegt die Topspeed mit 15 km/h niedriger als bei vielen Mitbewerbern. Gleichzeitig mag der Hydrostat-Antrieb lange Umsetzfahrten mit Höchstgeschwindigkeit nicht so gern, weil die Ölmotoren irgendwann heißlaufen. Diese Punkte spielen im Laubacher Wald allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle. Der Betrieb mit seinen 3 800 ha ist gut arrondiert, d.h. weite Fahrtstrecken gibt es kaum. Anstelle einer weiteren Reduzierung des Bodendrucks durch noch mehr Räder erfreut man sich hier eher daran, dass der EcoLog mit 7,40 m Länge (die sich durch Hochbocken noch weiter verringern lässt) sehr kompakt baut und bei der Kurvenfahrt wesentlich weniger Scherkräfte verursacht als ein Achtradler.

Zukünftig soll der EcoLog 580E hier rund die Hälfte des Jahreseinschlags von 30 000 Fm erledigen, die Gründung eines Serviceunternehmens für andere Betriebe ist nicht beabsichtigt. Wegen des hohen Laubholzanteils und der selektiven Arbeit in inhomogenen Beständen fiel die Wahl auf ein Logmax 6000-Aggregat. Der robuste Zweiwalzer passt sich krummen Hölzern besser als die vermeintlich schnelleren und kompakteren Vierwalzen-Modelle. Im Extremfall lassen sich die Messer auch ein wenig öffnen und der Stamm wird trotzdem weiterhin von den Walzen „getragen“. Beim Ansetzen an den Baum zentriert es sich von selbst, was gerade einem Anfänger für eine flüssige Arbeit sehr zugute kommt. Das Aggregat hängt an einem potenten, 10 m langen Faltkran mit einem Hubmoment von 270 kNm. Auch diese Technik ist gegenüber den Parallelkranen in jüngster Zeit etwas aus der Mode gekommen. Sie bietet aber unbestreitbare Vorteile beim Umdrücken überstarker Bäume oder wenn sonst in größerer Höhe gearbeitet werden muss. Im Inneren des EcoLog geht es dagegen sehr modern zu: Der grüne Volvo-Penta-Motor erfüllt die Euro-IV-Abgasnorm und ist dabei wesentlich kompakter als sein Vorgänger von Mercedes. Deswegen hätte unter der Haube sogar noch eine Fettschmieranlage für die Sägekette Platz.

Nur noch eckig

Der Posch K-650 vario ist die richtige Maschine, um große Mengen von Brennholz zu produzieren. Der Sägespänehaufen spricht eine deutliche Sprache
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Nach dem Besuch beim Harvester reisen wir weiter zum nächsten Geschäftsfeld: Mit dem Spaltfix K-650 vario von Posch hat sich der Forstbetrieb einen der leistungsfähigsten mobilen Brennholzprozessoren angeschafft, der im Moment zu kaufen ist. Die kontinuierliche Spalttechnik erzeugt gerade aus stärkeren Querschnitten absolut gleichmäßige Scheite (siehe auch unser Bericht in F&T 4/2018) Wir finden ihn auf einer sanften Anhöhe, wo gerade ein großes Stammholzpolter zu Kleinholz verarbeitet wird. Der vorgespannte Mini-Traktor aus chinesischer Produktion als Antriebsquelle gibt ein etwas skurriles Bild ab, aber seine 44 kW reichen völlig aus und der Spritverbrauch ist gering. Der gewaltige Spänehaufen vor der Maschine deutet darauf hin, dass hier schon allerhand produziert worden ist. Unweit davon zeigt uns der Graf einen Lagerplatz wo rund 100 Paletten Brennholz in der Sonne stehen. Hier gibt es keine künstliche Trocknung – das würde einen zusätzlichen Energie-Einsatz und damit Kosten verursachen. Im Unterschied zu einem Handelsbetrieb, der sein Rundholz einkaufen muss, bedeutet das große Lager im Forstbetrieb ja keine besondere Kapitalbindung, sondern nur eine verzögerte Einnahme: „Wir verdienen letztlich heute am Scheitholz mehr als sonst mit einem mittelprächtigen Buchenstammholz, ganz zu schweigen von üblichen Industrieholzpreisen. Und wir haben keinen Ärger mehr bei der Übernahme. Das örtliche Buchen-Schälfurnierwerk bekommt jetzt einfach nur noch die erste Sahne, aber die auch zu guten Preisen.“

Haus-Sägewerk

In diesem minimalistischen Sägewerk werden Dachlatten im großen Stil für den Eigenbedarf produziert
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Auf einem Gutshof besichtigen wir das betriebseigene Sägewerk. Unter einem filigranen Dach stehen zwei Mobilbandsägen, daneben eine Vielblatt-Kreissäge. Hier werden ausschließlich Dachlatten – im Moment vor allem aus Käferfichte – hergestellt, in rauen Mengen. Wofür? Die Antwort findet sich eine Ortschaft weiter in Grünberg. Dort entsteht gerade das „Schwedendorf Grünberg“. Das soll eine ganze Siedlung aus 60 zweistöckigen Schwedenhäusern werden, allesamt aus dem eigenen Holz gefertigt. Den Einschnitt und Abbund besorgt die Firma Ante in Somplar, die Häuser kommen als fertige Bausätze zurück und werden von eigenem Personal und mit eigenen Maschinen errichtet. „Allein für die benötigten Dachlatten müssten wir rund 350 000 € bezahlen. Deswegen produzieren wir dieses simple Bauteil einfach direkt selber vor Ort.“

Schwedendorf

Karl Graf zu Solms-Laubach (vorne) mit seinem Berater Hans-Jürgen Burmester
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Aktuell sind die ersten zwölf Häuser im Bau, die zentrale Holzheizanlage für Stückholz steht schon. Obwohl Grünberg idyllisch im Vogelsberg liegt, ist die Verkehrsanbindung hervorragend: Gießen ist über die A5 nur 30 km entfernt. Mit der Bahn lässt sich Frankfurt in einer Stunde erreichen. Für die Mobilität vor Ort wird es zusätzlich eine kleine Flotte von E-Autos geben. Obwohl noch gar nicht fertiggestellt, sind die meisten der Mietwohnungen schon ausgebucht. Das Konzept scheint viele Menschen zu überzeugen. Uns hat der ganze Tag überzeugt – selten haben wir eine so weitreichende Wertschöpfungskette für Holz in einem einzigen Betrieb erleben können.

Heinrich Höllerl