Forstpolitik

Eckpunkte für die Honorierung von Ökosystemleistungen

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Einige Wochen nach dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat auch das Bundesumweltministerium (BMU) Eckpunkte für die Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes vorgelegt.

Weil sich die öffentliche Debatte aus Sicht des BMU bislang vor allem auf die Klimaschutzleistung der Wälder reduziert, verfolgt es mit seinem Konzept einen ganzheitlichen Ansatz. Es will gleichzeitig für mehr Klima- und für mehr Biodiversitätsschutz sorgen. Bei einer getrennten Honorierung – wie es das BMEL vorsieht – würden Waldbesitzer aus Sicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze  in erster Linie die Klimaschutzleistung bereitstellen, weil sie mehr Synergien mit der Holzproduktion aufweist. Negative Auswirkungen auf die Biodiversität wären wahrscheinlich.

Klimaschutzleistung

Zwei Komponenten umfasst das Konzept dennoch. Die erste betrifft die Klimaschutzleistung, für die Schulze den Erhalt und den Ausbau der im Wald gebundenen Kohlenstoffvorräte fördern will. Parameter dafür sind laut Konzept mindestens der Holzvorrat und ein kontinuierlicher Holzzuwachs. Beim Vorrat will sie standortspezifische Untergrenzen für die oberirdische Biomasse inklusive Totholz festlegen. Eine Unterschreitung würde zur Einstellung der Förderung führen.

Biodiversität

Die zweite Komponente sind ambitionierte Standards für die Biodiversität. Da die Waldstrukturparameter der Bundeswaldinventur als Grundlage nicht geeignet seien, will das Umweltministerium noch Parameter, Indikatoren und Schwellenwerte entwickeln. Die Standards sollten sich aber an bekannten Faktoren orientieren. Zu ihnen zählt die Baumartenzusammensetzung, bei der die Verwendung standortheimischer Baumarten weiter zu fördern ist und gebietsfremden Baumarten auf ein Minimum zu reduzieren sind. Honoriert werden soll außerdem die ungestörte Waldentwicklung auf 5 % der Fläche, der Erhalt von Biotopbäumen und Totholz sowie eine naturnahe Waldrandgestaltung. Die Befahrung der Böden ist auf ein Minimum zu reduzieren und die natürliche Verjüngung standortheimischer Baumarten soll bevorzugt werden.

Reaktionen

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Hans-Georg von der Marwitz, lehnte die Vorschläge des BMU ab. Das Bundesumweltministerium verkenne, dass die Wälder bereits seit den 1980er Jahren zunehmend naturnah bewirtschaftet würden. Wie von der Marwitz mitteilt, überwiegen Mischwälder mit 76 % schon heute deutlich, die Naturnähe und der Totholzanteil nehmen seit Jahren zu. Er hält es zudem für falsch, bei der Honorierung der Klimaschutzleistung auf den Holzvorrat zu setzen. Ein steigender Vorrat sei nur mit Nutzungseinschränkungen umzusetzen, mit ihm würde auch das Risiko für Sturm-, Trockenheit- und Borkenkäferschäden steigen.

Der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst, Max von Elverfeldt, erklärte: „Die Klimaschutzleistung des Waldes besteht neben der Biomasse im Wald zu über 50 % aus der Holznutzung: Holz kann in Produkten dauerhaft CO2 binden und zudem andere klimaschädliche Rohstoffe und Materialien ersetzen. Das muss in einem Honorierungsmodell berücksichtigt werden.“

In die gleiche Kerbe wie die beiden Privatwaldvertreter schlägt die Arbeitsgemeinschaft Rohholz (AGR). Ihr Präsident Leonhard Nossol erinnert zudem daran, wie entscheidend die Versorgung der Gesellschaft mit Holz ist. Das sei in den letzten Monaten deutlich geworden. „Es ist wichtig, dass wir nicht langfristig durch falsche politische Anreize in die nächste Holzknappheit rutschen.“

Oliver Gabriel