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Erster Cranab

Die Firma Ebert Fahrzeugwelt in Burghaun hat im Mai den ersten Holzladekran TZ 12.2 von Cranab aufgebaut. Der Arocs 2651 6×4 ging an das Branchen-Informations-Center (BIC) von Mercedes-Benz nach Wörth. Dort kann der Kurzholz-Lkw auch Probe gefahren werden. Forst & Technik hat sich das Fahrzeug vor der Auslieferung angesehen.

Gut Ding will Weile haben. Dieses Sprichwort trifft auch auf die Holzladekrane der Firma Cranab zu. Mitte 2015 stellte der schwedische Produzent auf der SkogsNolia eine neue Kranserie für den Holztransport vor. Danach war das erste Modell, der Z-Kran TZ 12.2, auf verschiedenen Messen zu sehen, während zeitgleich sechs Prototypen europaweit in den Testeinsatz gingen. Im Spätsommer 2016 nahm Cranab die Serienproduktion auf. Bis der erste Serienkran in Deutschland ankam, dauerte es bis zum Oktober 2016 – oder genauer bis zur Hausmesse der Firma Ebert Fahrzeugwelt, die gleich die ersten vier Exemplare geordert hatte. Dann verstrichen wieder einige Monate, ehe einer dieser Krane auf einem Lkw aufgebaut werden konnte: Am 2. Juni, also zwei Jahre nach der Premiere in Schweden, konnte Forst & Technik sich diesen Kurzholz-Lkw mit dem Cranab TZ 12.2 anschauen.

Das Fahrzeug stand vor der großen Halle der Firma Ebert in Burghaun, bereit für die Überstellung in das Branchen-Informations-Center (BIC) der Firma Mercedes-Benz in Karlsruhe-Wörth. Dort stellt der Lkw-Hersteller permanent an die 200 Branchenlösungen vor, die von den Kunden auch ausprobiert werden können. Im Bereich Holztransport sind es aktuell drei Fahrzeuge mit verschiedenen Kranaufbauten, die auf Basis des Mercedes Arocs gezeigt werden. Die Firma Ebert zählt seit Anfang 2014 zu den wenigen qualifizierten Mercedes-Kooperationspartnern für den Holztransport. Wie Geschäftsführer Stefan Ebert erzählt, ist diese Zusammenarbeit trotz der hohen Anforderungen von Mercedes sehr interessant, weil in Wörth viele Fuhrleute vorbeischauen, die nicht selten kurzfristig ein Fahrzeug suchen. Ebert hat bisher vier Kurzholz-Lkw über das BIC verkauft.

Der Aufbau

Die Frage ist nur, wie geht man einen Kurzholz-Lkw an, wenn man die Wünsche des Kunden gar nicht kennt? Nun, die Firma Ebert bietet seit 2005 eigene Holztransportaufbauten an. Stefan Ebert und seine Söhne Sebastian (Schwerpunkt Nutzfahrzeuge), Tobias (Baumaschinen, Spezialfahrzeuge) und Johannes (Pkw, Transporter) wissen daher, was der Kundschaft wichtig ist. Dementsprechend machen sie zum Beispiel beim Arcos mit dem 6×4-Fahrwerk nichts falsch und ein hochwertiges, 2,50 m breites Stream-Space-Fahrerhaus mit ebenem Boden ist auch nie verkehrt. Erfahrungsgemäß bevorzugen die Holzspediteure beim Lkw zudem einen doppelten Nebenabtrieb mit zwei Pumpen und zwei Ölkreisläufen, damit das Öl bei der Kranarbeit nicht überhitzt. Beim Schemel-Kurzholzaufbau setzt Ebert auf bewährte Komponenten. Dazu zählen die vier D5-Schemel von Exte mit teleskopierbaren D5-Rungen und die selbst konstruierte Stirnwand. Sie besteht aus einem Stahlrahmen mit 30 mm starken Aluminium-Elementen, die wegen ihrer inneren Profile nicht nur sehr widerstandsfähig sind, sondern bei Beschädigung auch einzeln gewechselt werden können. Für die Abdeckung von Batteriekasten, Luftkessel und anderen Bauteilen verwendet Ebert ebenfalls Bleche aus Aluminium. Dazu kommen Planenabdeckungen für die Hinterräder, diverse Halterungen und Staukisten sowie ein Heckaufstieg mit integrierter Stufenkiste, in die jede Motorsäge passt. Ein interessantes Detail sind nicht zuletzt die abnehmbaren Hinterachs-Kotflügel. Diese werden bei Bedarf zum Auflegen der Schneeketten abgenommen und danach über Schnellverschlüsse im Handumdrehen wieder montiert.

Der Kran

Die entscheidende Komponente eines Holz-Lkw ist aber natürlich der Ladekran. Die Firma Ebert ist bereits seit vielen Jahren Vertragspartner der Firma Fassi, die Mitte 2016 Mehrheitseigner der Cranab-Gruppe geworden ist. Den Vertrieb der Holzladekrane haben international die Fassi-Niederlassungen übernommen, hierzulande also die Firma Fassi Deutschland, von der Ebert Fahrzeugwelt jährlich etwa 50 bis 60 Kipperkrane bezieht. Wie Fassi-Geschäftsfüher Wolfgang Feldmann mitteilt, war es aus diesem Grund logisch, bei den Holzladekranen zunächst mit dem Unternehmen in Burghaun zu kooperieren.

Der verwendete Cranab TZ 12.2 hat ein Bruttohubmoment von 129 kNm und kommt mit seinem Doppelteleskop auf 9,3 m Reichweite, bis 10,5 m sind möglich. Der Kranführer nimmt auf einem Hochsitz mit Wetterschutzdach Platz und bedient den Kran mit einer Euro-Steuerung. Über die zusätzlichen Trittstufen kann der Kran von vorne und hinten bestiegen werden. Wie heute allgemein üblich, sind alle Hydraulikschläuche vor Abriss geschützt im Inneren des Krans verlegt, auch an der Kranspitze. Nur an der Kransäule verlaufen die Schlauchpakete noch außen.

IVECO im Programm

Die Aufbauten entstehen komplett in der Werkstatt der Firma Ebert. Die Mechaniker verlängern zunächst den Rahmen und schrauben dann den Hilfsrahmen für die Montage der Holzaufbauten auf das Fahrgestell. Für den Kran haben die Konstrukteure eine Konsole ersonnen, auf die alle gängigen Kranfabrikate passen.

Bisher hat sich die Firma Ebert als Mercedes-Vertragshändler auch beim Holztransport auf diese Marke beschränkt. Weil das Unternehmen 2015 die IVECO-Niederlassung auf der gegenüber liegenden Straßenseite gekauft hat, werden jetzt aber auch für die italienischen Lkw Holztransportaufbauten angeboten. Ein Beispiel wird Ende September auf der NUFAM in Karlsruhe zu sehen sein: ein IVECO Trakker 500 E6, der wiederum mit dem Cranab TZ 12.2 bestückt wird.

Oliver Gabriel

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