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„Wald im Wandel-Risiken und Lösungsansätze“ war das Thema des 15. Eberswalder Winterkolloquiums am 20. Februar 2020, welches 300 Forstleute, Wissenschaftler und Waldbesitzer aus fünf Bundesländern auf den Waldcampus führte.

Eberswalde: Gewaltiges Interesse für den Wald im Wandel

„Wald im Wandel-Risiken und Lösungsansätze“ war das Thema des 15. Eberswalder Winterkolloquiums am 20. Februar 2020, welches 300 Forstleute, Wissenschaftler und Waldbesitzer aus fünf Bundesländern auf den Waldcampus führte.

Die Zahl der Anmeldungen lag so hoch, dass die Veranstaltung parallel in zwei benachbarten Hörsälen stattfand und fast 100 verspätete Anmeldungen leider nicht mehr berücksichtigt werden konnten.

Zum Grußwort von Brandenburgs Forstminister Axel Vogel drängten sich zunächst alle Teilnehmer in einem überfüllten Hörsaal und waren gespannt auf den ersten offiziellen Auftritt des neuen Ministers beim Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB). Klare Worte fand er zu den künftigen Herausforderungen an Wald und Forstwirtschaft und das diese nur mit einer gut ausgestatteten Forstverwaltung bewältigt werden können, die auf guter fachlicher und wissenschaftlicher Grundlage arbeite. Ergebnisoffene Forschung sei ihm dabei besonders wichtig, genauso wie eine personelle Verjüngung der Forstverwaltung, so Vogel weiter. Dabei verwies er auf die ersten Neueinstellungen seit Jahren und die ernsthafte Aufgabenkritik für den LFB. Zur weiteren Diskussion dieser Themen sagte er hier bereits die Teilnahme an der anstehenden Personalversammlung des LFB zu.

„Die Befürchtung eines zweiten Hitzesommers in Folge ist bittere Realität geworden und der Wald, seine Bewirtschafter und Freunde sind vielfach so im Stress wie die Bäume“ so Dr. Michael Luthardt, der Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE) bei seiner Begrüßung. Wir sorgen uns um die Nachhaltigkeit der Funktionen der uns anvertrauten Wälder, und schon werde wieder von einem Waldsterben gesprochen, was die gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion befeuere. „Das Ganze traf die Forstwirtschaft nicht unerwartet, doch unverhofft“, so Dr. Luthardt.

Alte und neue Debatten, fake News und Chancen für Waldumbau zogen sich durch die acht Vorträge des 15. Eberswalder Winterkolloquiums. Dr. Jan Engel beleuchtete einführend die Entwicklung Debatte um ein mögliches „Waldsterben 2.0“ und gab Hinweise zur forstlichen Kommunikation für diese Themen. Diese griff Dr. Katrin Möller beim Waldschutz in Zeiten von Klimawandel und fake News auf und zeigte die Divergenz zwischen naturwissenschaftlichen Fakten und der öffentlichen Rezeption durch die neue Spezies der Wutbürger.

Aus einer vertieften Analyse präsentierte Dr. Annett Degenhardt Zahlen und Karten zum Waldumbaupotenzial und Prof. Dr. Winfried Riek schätzte das Anbaurisiko von Baumarten auf Basis regionalisierter Standortsdaten ab. Dazu zählen auch mathematischer Ansätze von Dr. Jens Hannemann für die Ableitung geeigneter Baumarten auf der Grundlage ausgewählter Standorte mit Hilfe der „Fuzzy“-Unschärfelogik bei der Betrachtung von fließenden Standortsgrenzen. Untersuchungen von Prof. Dr. Ralf Kätzel zum Trockenstressverhalten von Roteichen und Dr. Sonja Löffler zu pflanzenphysiologischen Stressreaktionen bei selten bewirtschafteten Baumarten wie Elsbeere, den Wildobst-Arten oder auch Hainbuche und Birke sollen diese Arten „von der Ersatzbank ins Spielfeld“ ins Gespräch bringen. Wie das praktisch geschehen könne, erläuterte Ulrike Selk aus dem Projekt PlanBIRKE. Bisher unbeachtete oder unbeliebte Baumarten sind neu zu bewerten und ihre (un)entdeckten Eigenschaften neben dem klassisch orientierten Holzverkauf solle man „einfach nutzen“.

Bei dem ernsten Thema lag dennoch eine gute Stimmung auf diesem Winterkolloquium, weil ein breiter fachlicher und persönlicher Austausch in dieser für den Wald angespannten Zeit und der gemeinsamen Suche nach Lösungsansätzen von den Teilnehmern rege genutzt wurde. Dazu gab es nicht nur Gelegenheit in den vollen Hörsälen, sondern bei mildem Winterwetter auch in den Schlangen an der Gulaschkanone der Freiwilligen Feuerwehr und in der Mensa. Den minutengenauen Organisationsablauf des Winterkolloquiums hob in seinem Schlusswort auch LFB-Direktor Hubertus Kraut neben der fachlich positiven Wertung der Vorträge hervor und dankte dem LFE ganz besonders für die Ausrichtung dieses Tages.

Die ausführlichen Vorträge werden traditionell im kommenden Band 69 der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe veröffentlicht.

Dr. Jan Engel

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