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Hochkonjunktur bei der Holzernte und Niederschlagsrekorde

Hohe Niederschläge erschweren die Holzernte in vielen Regionen Deutschlands. Die Konjunktur nimmt weiter an Fahrt auf. Treten trotz Borkenkäfer- und Windwurfholz Versorgungsengpässe auf?

Die anhaltend guten Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft führen zu Hochstimmung in den Chefetagen. Der ifo-Konjunkturklimaindex befindet sich erneut auf einem Allzeithoch. Auch in der Bauwirtschaft ist der Index insgesamt gestiegen. Die aktuelle Lage wird saisonbedingt zwar etwas verhaltener beurteilt als im September. Jedoch ist durch die sehr guten Aussichten für die kommende Saison der Indexwert insgesamt auf ein neues Rekordniveau geklettert. Dies spiegeln auch die wirtschaftlichen Eckdaten des Bauhauptgewerbes wider. Die vom ZDB (Zentralverband Deutsches Baugewerbe) prognostizierte Umsatzsteigerung von 5 % im Jahr 2017 wird nach Experteneinschätzung erreicht werden. Die Anzahl der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen in Wohngebäuden in den ersten acht Monaten 2017 befindet sich mit 199.095 Einheiten nach wie vor auf hohem Niveau. Wegen Vorzieheffekten wurden im Jahr 2016 im selben Zeitraum zwar 3,5 % mehr Wohnungen genehmigt, allerdings war die Anzahl der Baugenehmigungen in den Jahren davor deutlich niedriger. Im Jahr 2015 waren es z. B. 18 % weniger als 2017.

Im Holzgewerbe befand sich der Geschäftsklimaindex auch im Oktober auf vergleichsweise hohem Niveau. Allerdings ist er im Gegensatz zur Entwicklung der Gesamtwirtschaft leicht rückläufig. Die positivsten Einschätzungen kamen von den Spanplattenherstellern. Die Geschäftslage der Nadelholzsäger wurde von den Unternehmern im ersten Halbjahr 2017 so gut beurteilt wie seit Jahren nicht mehr. Seit August wird die Lage zwar wieder schlechter eingeschätzt, aber der Index befindet sich auf relativ hohem Niveau und die Geschäftslage wird von den meisten Sägewerken als befriedigend beurteilt.

Nadelschnittholzproduktion soll erneut ansteigen

Der saisonübliche Rückgang der Nadelschnittholzpreise ist in diesem Jahr fast ausgeblieben. Durch die jahreszeitlich bedingte Abnahme der Bautätigkeit und durch ein hohes Angebot sind Konstruktionsvollholz(KVH)-Sortimente preislich unter Druck geraten und liegen knapp unter Vorjahr. Für andere Schnittholzsortimente wie z. B. Bretter für die Weiterverarbeitung in der Paletten- und Verpackungsindustrie konnten die Preise sogar leicht angehoben werden.

Im Süden Deutschlands hat die hohe Einschnitttätigkeit und der wegen des Käferholzes hohe Anfall an minderen Qualitäten zu einem Aufbau der Schnittholzvorräte geführt. Eine hohe Exportnachfrage könnte für Entspannung sorgen. Dies gilt vor allem für die Lieferung von verfärbten Schnittholzsortimenten in den nordafrikanischen Raum. Die Nadelschnittholzproduktion wird 2017 nach Einschätzung der EOS (European Organisation of the Sawmill Industry) in den 13 Mitgliedsländern, zu denen neben Deutschland u. a. auch Schweden, Finnland und Österreich gehören, um etwa 2 % auf 84 Mio. m³ ansteigen. Deutschland wird dieser Prognose nach mit rund 22 Mio. m³ der größte Nadelschnittholzproduzent innerhalb der EOS bleiben. Mit rund 34 Mio. m³ produziert in Europa nur Russland, das nicht Mitglied der EOS ist, mehr Nadelschnittholz.

Für das Jahr 2018 werden weitere Produktionssteigerungen vorhergesagt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden weiterhin positiv eingeschätzt. In Deutschland soll die Produktion auf 22,2 Mio. m³ ansteigen. Da der Inlandsverbrauch in Deutschland mit 19,1 Mio. m³ konstant hoch eingeschätzt wird, wird die vorhergesagte Mehrproduktion einzig durch die Exporte von Nadelschnittholz hervorgerufen. Die für das Ergebnis der Sägewerke ebenfalls maßgeblichen Sägerestholzmärkte sind stabil bis leicht anziehend. Trotz der hohen Einschnittleistung und einer damit verbundenen hohen Sägerestholzproduktion konnten die Preise für Sägespäne deutlich angehoben werden. Ursache ist die hohe Nachfrage aus der Spanplatten- und Pelletindustrie. Die Preise für Hackschnitzel sind konstant geblieben. Der Mengenabfluss ist auf hohem Niveau stabil. Insgesamt liegt das Preisniveau für Sägerestholz im einstelligen Prozentbereich über dem des Vorjahrs.

Frisches Nadelstammholz ist gefragt

Die vergleichsweise gute Lage an den Schnittholz- und Sägerestholzmärkten führt zu einer anhaltend hohen Produktionstätigkeit der Sägewerke. Das Rundholzangebot und die Rundholzversorgung sind regional unterschiedlich. Zwangsanfälle durch Sturm und Borkenkäfer führen besonders im Osten Bayerns zu einem hohen Rundholzangebot. Im Norden Deutschlands, vor allem in Brandenburg und in Sachsen haben die Stürme Xavier (5.10.2017) und Herwart (28.10.2017) ca. 2,0 Mio. Fm Holzanfall verursacht. Besonders durch Xavier sind auch größere Mengen an Laubholz angefallen. Bezogen auf die betroffenen Regionen liegt der Schadholzanfall in Norddeutschland deutlich unter dem jährlichen Hiebssatz und wird in den meisten Fällen auf bestehende Verträge geliefert. Zudem kann die Aufarbeitung wegen der entspannten Forst- und Holzschutzsituation am Absatz orientiert werden. Ein Angebotsdruck ist daher nicht zu erwarten. Aus dem benachbarten Ausland werden ebenfalls größere Mengen an Sturmholz gemeldet. Das am stärksten vom Sturm betroffene Land ist Polen mit rund 8 Mio. Fm. Die polnische Forstverwaltung hat jedoch entschieden die Aufarbeitung über mehrere Jahre zu strecken und das anfallende Rundholz überwiegend im Inland zu verbrauchen.

In den meisten Teilen Deutschlands ist daher die Nachfrage nach frischem Fichtenstammholz in B/C-Qualität ungebrochen hoch, die Versorgungslage der Werke zum Teil angespannt. Die Fichtenstammholzpreise folgen in Bayern wegen der Zwangsanfälle einem West-Ost-Gefälle. Die Spanne für frisches Fichtenstammholz in B/C-Qualität, Stärkeklasse L2b, reicht von 95 €/Fm außerhalb der Windwurfgebiete bis hin zu 75 €/Fm in den Windwurfgebieten. Teilweise liegen dort die Preise auch darunter. Die Abschläge für Käferholz betragen 20 bis 25 €/Fm. Beim D-Holz reicht die Spanne für die Stärkeklasse 2b+ von 45 bis etwa 61 €/Fm.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz liegen die Preise für frisches Fichtenstammholz in B/C-Qualität, Stärkeklasse 2b, bei 93 bis 94 €/Fm. In der Mitte Deutschlands erbringt das gleiche Sortiment 88 bis 92 €/Fm. Im Norden Deutschlands werden 81 bis 88 €/Fm erzielt.

Die Nachfrage nach Kiefernstammholz war im Norden Deutschlands in den vergangenen Monaten unverändert hoch. Die Sägewerke profitieren von einer guten Exportnachfrage und einer verringerten Kiefernschnittholzproduktion im Süden Deutschlands. Hier wurde von den Sägewerken wegen des hohen Angebots vermehrt Käferholz eingesetzt. Die Preise liegen im Norden für Kiefernstammholzabschnitte lang, Stärkeklasse 2b in B/C-Qualität bei 64 bis 70 €/Fm, im Süden etwas darüber. Für Kiefernstammholz lang in Exportqualität werden in Norddeutschland je nach Stärkeklasse und Entfernung zum Hafen 70 bis 76 €/Fm erlöst.

Lärchen- und Douglasienstammholz sind nach wie vor gefragt. Lärche in Durchforstungsqualitäten liegt preislich auf Höhe oder bis zu 10 €/Fm unter den vergleichbaren Fichtenstammholzpreisen. Wie gehabt, erlöst Douglasienstammholz in Durchforstungsqualitäten bis zu 10 €/Fm mehr als Fichtenstammholz. Für die Belieferung der bevorstehenden Wertholztermine können aus heutiger Sicht sowohl Lärche als auch Douglasie empfohlen werden. Nadelrundholz in Palettenqualität ist wegen der florierenden Paletten- und Verpackungsmittelindustrie sehr gefragt. Das Preisniveau war zuletzt stabil bis leicht anziehend. Die Preise für Nadelholzpalette, 2,40 m + 10 cm reichen in der Mitte und im Norden Deutschlands von 29,50 bis 34 €/Rm. Für längere Nadelholzpalettenabschnitte werden 58 bis 61 €/Fm gezahlt.

Nässe bremst Laubstammholzmarkt

Die Geschäftslage der Laubstammholz verarbeitenden Sägewerke wird mit befriedigend bis gut charakterisiert. Eichenschnittholz ist gefragt und die Preise werden voraussichtlich weiter steigen. Buchenschnittholz wird zum großen Teil nach China exportiert. Die Sägewerke profitieren von gesunkenen Frachtraten für Container. Im heimischen Markt konnten die Produzenten von Buchen- und Eichenleimholzplatten die Preise anheben. Steigende Exportmöglichkeiten von Buchenplatten nach Nordafrika haben zu einer Marktentlastung geführt.

Die Restholzpreise sind ähnlich wie beim Nadelholz gestiegen und werden als befriedigend einschätzt. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird überwiegend positiv gesehen. Nach Schätzungen des EOS wird mit 1,08 Mio. m³ in Deutschland im Jahr 2017 etwas mehr Laubschnittholz produziert als im Vorjahr. Deutschland ist damit nach Rumänien (1,6 Mio. m³) und Frankreich (1,55 Mio. m³) drittgrößter Laubschnittholzproduzent unter den Mitgliedsländern des EOS. Die rumänische Laubschnittholzproduktion ist wegen Rundholzversorgungsproblemen zunehmend unter Druck geraten. Die Einschlags- und Verkaufsbedingungen wurden von der rumänischen Staatsforstverwaltung zulasten der Einschlagsunternehmen verändert.

Die anhaltende Nässe in vielen Regionen Deutschlands erschwert die Bereitstellung von Buchenstammholz. Viele Forstbetriebe liegen mehrere Wochen hinter ihrer Einschlagsplanung zurück. Die Frühlieferungen konnten häufig nicht im geplanten Umfang realisiert werden. Die Rohstoffversorgung einiger großer Sägewerke wird daher als angespannt beschrieben. Die Preisentwicklung wird wegen der witterungsbedingten Verknappung daher im Gegensatz zum Beginn der Einschlagsaison als stabil bis leicht anziehend eingeschätzt.

In der vergangenen Wertholzsaison ist nach einer Auswertung des EUWID der durchschnittliche Eichenstammholzpreis erstmals auf über 500 €/Fm und damit um 20 % angestiegen. Auch für die kommende Wertholzsaison wird mit weiter anziehenden Preisen gerechnet. Im Freihandverkauf sind bereits am Anfang der Saison Preissteigerungen beim Eichenstammholz von bis zu 9 % bekannt geworden. Die Sägeindustrie warnte bereits vor einer Überhitzung des Markts und der Gefahr der Substitution des Holzes der heimischen Eiche durch amerikanisches Eichenholz. In den bisher bekannt gewordenen Abschlüssen wurden für Eichenstammholz folgende Preise erzielt: Güteklasse C, L4 von 150 bis 165 €/Fm, L5 165 bis 185 €/Fm; Güteklasse B, L4 280 bis 330 €/Fm, L5 365 bis 410 €/Fm. Eschenstammholz wird ebenfalls rege nachgefragt. Für die Wertholztermine wird nach derzeitiger Einschätzung wie in den Vorjahren die Lieferung von Esche empfohlen. Andere Laubhölzer wie Bergahorn, Kirsche und Erle sind auch in dieser Saison deutlich weniger gefragt.

Gute Perspektiven für Industrieholzmärkte

Die Produktion der Holzwerkstoffindustrie im Bereich der EU und der EFTA wird nach Einschätzung der EPF (European Panel Federation) in diesem Jahr erneut steigen. Bereits 2016 wurden die OSB-Produktion um 6,9 %, die MDF/HDF-Produktion um 2,0 % und die Spanplattenproduktion um 0,8 % erhöht. Der Zellstoffpreis im Dezember 2016 war der höchste seit 20 Jahren und ist bis September 2017 auf das immer noch hohe Niveau des Jahres 2014 gefallen. Seit Oktober ist der er wieder etwas gestiegen. Der Papier- und Zellstoffverbrauch wächst weltweit weiter an. Neue Zellstoffwerke in Skandinavien und Osteuropa werden vermutlich zu veränderten Rohstoffströmen führen. Industrieholzimporte nach Deutschland aus Osteuropa und Skandinavien werden voraussichtlich tendenziell zurückgehen.

Neben der Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie werden auch die Produktionskapazitäten für und der Verbrauch von Holzpellets in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. So hat RWE angekündigt, die niederländischen Steinkohlekraftwerke Eemshaven und Amer9 auf eine Mitverbrennung von Biomasse und hier überwiegend Industriepellets umzustellen. Der Verbrauch an Biomasse soll 2,5 Mio. t betragen. In Deutschland ist die Pelletproduktion im laufenden Jahr um 17,9 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Eingesetzt wurden überwiegend Sägespäne aus der Sägeindustrie, die wegen der hohen Einschnittleistung der Sägewerke bisher ausreichend zur Verfügung standen.

Die insgesamt verstärkte Rohstoffnachfrage wirkt sich bereits jetzt positiv auf die Industrieholzmärkte aus. Für Nadelindustrieholz IS in F/K-Qualität werden in der Mitte und im Norden 18 bis 22,50 €/Rm gezahlt. Die Märkte sind stabil bis leicht anziehend. Für OSB-Holz liegt der Preis zwischen 24 und 25,75 €/Rm. Die Schleifholzpreise wurden im Süden Deutschlands auf dem bisherigen Niveau fortgeschrieben und liegen im Privatwald Bayerns bei 33,50 €/Rm. Buchenindustrieholz fließt im Rahmen der bestehenden Verträge ab. Preisänderungen wurden bisher nicht bekannt. Die Preise liegen in Norddeutschland zwischen 38 und 40 €/Fm frei Waldstraße. Eichenindustrieholz erlöst etwa 6 bis 8 €/Fm weniger. Schwieriger ist die Situation beim Weichlaubholz wie z. B. bei der Pappel. Diese Holzarten wurden bei der Spanplattenproduktion zum großen Teil durch Altholz ersetzt. Die Preise für Weichlaubindustrieholz frei Waldstraße liegen knapp über den Werbungskosten.

Michael Degenhardt, LWK Niedersachsen Forstamt Südniedersachsen
Quellen: u.a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

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