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Holzmarktentwicklung nach Borkenkäfer und Sturm

Die Fichtenstammholznachfrage war im ersten Halbjahr 2017 so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die Holzpreise sind auf breiter Front gestiegen. Bereiten die Zwangs-nutzungen durch Sommerstürme und Borkenkäfer dem Aufwärtstrend ein Ende?

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist Ende August auf hohem Niveau fast konstant geblieben. Die befragten Manager schätzten die aktuelle Geschäftslage zwar geringfügig schlechter ein, aber die Erwartungen in die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate sind in fast allen Branchen gestiegen. Selbst die Manager der Automobilhersteller schätzen die aktuelle Lage und die künftige Entwicklung trotz des Dieselskandals und der Kartellvorwürfe gut ein. Einzig im Kfz-Einzelhandel hat sich die Stimmung eingetrübt.

Der Geschäftsklimaindex im Bauhauptgewerbe ist erneut auf ein Rekordniveau gestiegen. Die Auftragseingänge sind im ersten Halbjahr um 5,5 % und der Umsatz um 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Allerdings ist die Anzahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2017 um 7,3 % gesunken. Der Rückgang ist bei den holzintensiven Einfamilienhäusern mit 9,5 % besonders hoch ausgefallen, während Mehrfamilienhäuser um 1,8 % zulegen konnten.

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind Vorzieheffekte. Nach Angaben des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) hatten viele Unternehmen Ende 2015 Bauanträge gestellt, weil 2016 eine verschärfte Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft getreten ist. Dadurch seien die Baugenehmigungszahlen im ersten Halbjahr 2016 deutlich gestiegen. Der prozentuale Rückgang im ersten Halbjahr 2017 markiert also keineswegs ein Ende des Booms in der Bauwirtschaft. Die absoluten Zahlen der Baugenehmigungen liegen deutlich über denen der Jahre vor 2016.

Die Binnennachfrage nach Schnittholz wird also weiterhin durch die rege Bautätigkeit befeuert werden. Weitere positive Faktoren für den Holzmarkt sind der anhaltend hohe Export und die nach wie vor hohe Konsumgüternachfrage. Die guten Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass im Holzgewerbe der ifo-Geschäftsklimaindex erneut gestiegen ist. Eine gute aktuelle Geschäftslage wird vor allem von Spanplattenherstellern sowie von Holzpackmittel-, Paletten- und Nadelschnittholzproduzenten gemeldet.

Nadelschnittholzpreise weiter gestiegen

Die Schnittholzpreise sind wegen der boomenden Wirtschaft und der hohen Nadelschnittholznachfrage bis in den September hinein gestiegen. Nach Berechnungen des EUWID beträgt der Anstieg der Schnittholzpreise seit Jahresbeginn 2017 über alle Sortimente hinweg etwa 8 %. Sie liegen somit im Durchschnitt 6,6 % über dem Vorjahr. Die positive Entwicklung erstreckt sich über alle Schnittholzsortimente. Der vermehrte Anfall von minderwertiger Ware im Zuge der Borkenkäfer- und Windwurfholzaufarbeitung hat wegen der guten Mengenkonjunktur noch keine sichtbaren Spuren am Schnittholzmarkt hinterlassen.

Die Preise für Sägerestholz, das für das wirtschaftliche Ergebnis der Sägewerke ebenfalls von großer Bedeutung sind, sind ebenfalls angezogen. Hintergrund für die positive Entwicklung ist die rege Produktionstätigkeit der Holzwerkstoff-, Zellstoff- und Pelletindustrie. Im Vergleich zum Jahr 2016 liegen die Preise im September 2017 bei Sägespänen in der Spitze mit knapp 18 % deutlich über denen des Vorjahrs. Auch die Preise für Hackschnitzel sind gestiegen und befinden sich im einstelligen Prozentbereich über den Vorjahrespreisen.

Die wirtschaftliche Lage vieler Nadelholzsägewerke ist also im Vergleich zu den Vorjahren vergleichsweise gut. Dies gilt besonders für diejenigen, die preisgünstig Holz aus den Kalamitätsgebieten beziehen können.

Nadelrundholzmärkte stabil

Gewitterstürme haben in diesem Sommer größere Schäden verursacht. Betroffen sind vor allem Polen (ca. 8 Mio. Fm), Niederbayern (ca. 2,3 Mio. Fm) und Österreich (ca. 0,8 Mio. Fm). Darüber hinaus werden Sturmschäden auch aus Hessen, Tschechien und anderen Regionen gemeldet. Im Süden Deutschlands gibt es außerdem einen hohen Zwangsanfall durch Borkenkäfer.

Um die Rundholzmärkte zu entlasten, haben die Bayrischen Staatsforsten (BaySF) in den Staatsforsten einen Einschlagsstopp bis Jahresende für Nadelfrischholz verhängt. Ausgenommen sind Zwangsanfälle. Auch der Landesforstbetrieb Baden-Württemberg hat bis Mitte September den Einschlag für frisches Fichtenstammholz im östlichen Württemberg und in der Bodenseeregion im Landeswald untersagt. Wegen der Sturmschäden in Bayern hat die Landesregierung zudem ein Sofortprogramm beschlossen, das von einer Erhöhung der Transportgewichte über zinslose Darlehn bis hin zu Förderangeboten für Wegebau und Wiederauffostung reicht.

Von den Fachleuten wird dringend empfohlen, die Aufarbeitung des Windwurfholzes möglichst zeitlich zu strecken und vorrangig das vom Borkenkäfer befallene Holz aufzuarbeiten. Hierdurch sollen Folgeschäden durch Borkenkäfer im Frühjahr 2018 vermindert und zudem Druck von den Rundholzmärkten genommen werden.

Der Sturm- und Käferholzanfall hat sich Presseberichten zufolge bisher nur regional auf die Nadelstammholzpreise ausgewirkt. In den Windwurfgebieten wurden demnach bei ersten Abschlüssen Abschläge für Sturmholz von etwa 10 €/Fm auf das bisherige Preisniveau vereinbart. Allerdings sind auch Angebote bekannt geworden, die preislich deutlich darunterliegen. Außerhalb der betroffenen Regionen gibt es wegen der bestehenden Vertragslaufzeiten bis Jahresende oder darüber hinaus kaum Preisänderungen. Die Auslieferungen erfolgen in der Regel planmäßig.

Die Fichtenstammholzpreise für frisches, weißes Stammholz in B/C-Qualität, Stärkeklasse 2b, liegen in den nicht vom Windwurf betroffenen Gebieten Bayerns zwischen 90 und 96 €/Fm. Die Käferholzabschläge betragen bis zu 20 €/Fm. In Baden-Württemberg liegen die Preise für Fichtenstammholz in B/C-Qualität in der Spitze etwas unter denen in Bayern bei etwa 94 €/Fm. Für Fichtenstarkholz in den Stärkeklassen L5 und L6 wurden vom Landesbetrieb ForstBW deutlich niedrigere Preise vereinbart. So werden für B-Qualitäten in den Stärkeklassen L5 und L6 67 bzw. 63 €/Fm und für C-Qualitäten in L5 und L6 52,50 bzw. 50 €/Fm gezahlt.

In Hessen, Südniedersachsen und Thüringen erlöst Fichtenstammholz, B/C-Qualaität, Güteklasse 2b 90 bis 94 €/Fm. In Nordrhein-Westfalen liegt der Preis für das gleiche Sortiment in der Spitze bei 96 €/Fm. Im Norden und Nordosten Deutschland ist das Preisniveau wie gehabt etwa 5 bis 10 € niedriger als in den mittleren Landesteilen. Die Preisabstände zu den schwächeren Stärkeklassen konnten teilweise etwas reduziert werden und betragen etwa 6 bis 10 €/Fm.

Die Nachfrage nach Kiefernstammholz hat zum Ende des Sommers auf hohem Niveau etwas nachgegeben. Das Preisniveau ist unverändert und liegt für Langholzabschnitte (LAS), Stärkeklasse 2b, B/C-Qualität, bei 69 bis 71 €/Fm. Stammholz lang liegt preislich etwas darüber.

Lärchen- und Douglasienstammholz ist nach wie vor gefragt. Das Preisniveau ist etwas angestiegen. Wie gehabt, liegt Lärchenstammholz in B/C-Qualität etwas unterhalb der Fichtenstammholzpreise, Douglasienstammholz in gleicher Qualität darüber.

Die Nachfrage nach Nadelholzpalette war wegen der hohen Produktionstätigkeit der Palettenhersteller rege. Im Norden konnten die Preise für Nadelholzpalette 2,40 m + 0,1 m leicht angehoben werden und liegen derzeit zwischen 30 und 33 €/Rm.

Buchenstammholzeinschlag witterungsbedingt verzögert

Die Lage der Laubholzsäger wird von diesen überwiegend als befriedigend und teilweise als gut eingeschätzt. Die Lieferung von Buchenstammholz hat wie üblich im August eingesetzt. Die bekannt gewordenen Frühlieferprämien sind anders gestaffelt als in den Vorjahren und die Preise wurdenetwas reduziert. Einige Buchenstammholz exportierende Händler haben ebenfalls früh Bedarf
signalisiert und erste Partien
auf Vorjahrespreisniveau übernommen.

Für das bessere Los I werden Preise von 95 bis 105 €/Fm und für das Los II 80 bis 90 €/Fm gezahlt. Auch verkernte, schälfähige Buche wird zu Preisen um 90 €/Fm gehandelt. Heimische Säger sehen allerdings den Markt für Kernsortimente kritischer, da verkerntes Schnittholz kaum abfließt. Sogenanntes Lolly-Holz, also schwaches Buchenstammholz in Schälqualität, aus dem Eisstiele produziert werden, erlöst in B/C-Qualität, Stärkeklassen L3a bis L5, 69 bis 92 €/Fm.

Der frühe Einschlag von Buchenstammholz im Laub ist wegen Zertifizierungs- und Naturschutzauflagen, den höheren Risiken für die Arbeitssicherheit und den waldbaulichen Anforderungen ohnehin anspruchsvoll. In diesem Jahr hat die anhaltend nasse Witterung bereits jetzt vielen Einschlagsvorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Entwertungsrisiko des im Saft eingeschlagenen Buchenstammholzes ist hoch, weshalb eine verzögerte Holzrückung deutlich höhere Verluste nach sich ziehen kann, als bei später in der Saftruhe eingeschlagenem Buchenstammholz.

Beim Laubholzgespräch in Kassel wurde auch für diese Saison ein hoher Bedarf an Eichenrundholz signalisiert. Es wird mit weiter steigenden Preisen gerechnet. Sägewerker warnen in diesem Zusammenhang vor der Konkurrenz durch Schnittholz der amerikanischen White Oak und mahnen eine maßvolle Preisgestaltung an. Auch die Nachfrage nach Eschenstammholz wird hoch eingeschätzt. Dies gilt sowohl für die rundholzexportierenden Händler als auch für heimische Säger. Für Kirschen-, Bergahorn- und Erlenstammholz wird die Marktlage eher verhalten gesehen. An den Holzartenempfehlungen für die kommende Meistgebotssaison gibt es somit keine Veränderungen zu den Vorjahren.

Industrieholzpreise stabil

Die Preise für Nadelindustrieholz sind wegen der hohen Produktionstätigkeit in der Holzwerkstoff-, Zellstoff- und Pelletindustrie im Vergleich zum Frühsommer stabil geblieben. Nicht zuletzt wegen der Laufzeiten bestehender Verträge haben sich die oben beschriebenen Kalamitäten bisher nicht preissenkend ausgewirkt. Für Nadelindustrieholz in F/K-Qualität werden 19 bis 22 €/Rm gezahlt. OSB-
Qualitäten erlösen 25 bis etwa 26 €/Rm.

Die Lage an den Schleifholzmärkten wird derzeit wieder als ausgeglichen dargestellt. Das Rundholzüberangebot aus dem Frühsommer wurde weitgehend abgebaut. Das Preisniveau ist wegen der Vertragslaufzeiten unverändert. Auch beim Laubindustrieholz hat es bisher keine wesentlichen Veränderungen gegeben.

Der Bedarf an frischem Rundholz ist wegen der florierenden Wirtschaft groß. Die Zwangsanfälle durch Borkenkäfer und Sturm hatten bisher nur regional Einfluss auf die Rundholzmärkte. Die Preise sind für viele Sortimente stabil. Sie liegen häufig im Bereich oder sogar über denjenigen des Vorjahrs. Die Ausgangslage am Holzmarkt ist zu Beginn der Holzeinschlagssaison daher für viele Forstbetriebe gut.

Michael Degenhardt, LWK Niedersachsen, Forstamt Südniedersachsen

Quellen: u. a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

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