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Im Hildesheimer Wald: Borkenkäferfraß und Trockenheit haben ganze Wälder vernichtet; das Holz wird auf Sammellagerplätzen zwischengelagert.

Große Trockenheit im April

Nachdem das Coronavirus die letzten Wochen alles dominiert hat, treten in der Forstwirtschaft wieder die Themen auf den Plan, die ihr schon letztes Jahr schlaflose Nächte bereitet haben: der Borkenkäfer und die Trockenheit. Besonders der fehlende Regen bereitet den Forstleuten Sorgen.

Dabei schienen die Sorgen erst einmal vorbei zu sein, weil es im Februar viel geregnet hatte. Der Oberboden war deutschlandweit gut durchfeuchtet, und die Wiederaufforstung der Schadflächen konnte beginnen. Doch dann blieb der Regen wieder aus, vor allem der April war viel zu trocken. Wie wetter.com aus Konstanz schreibt, war das Niederschlagssoll bis Mitte des Monats gerade einmal zu 3 % erreicht.

Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen vom 14. März 2020 bis zum 18. April verbreitet weniger als 10 l/m² Niederschlag. Zugleich sorgte an vielen Tagen Sonnenschein, sehr trockene Luft und zeitweise auch frischer bis starker Wind für hohe Verdunstungsraten von etwa 6 l/m² am Tag. Der Wasserbedarf der Pflanzen war in diesem Zeitraum also deutlich höher als die Niederschlagsmenge.

In den beiden Karten des Helmholtz-Zentrums aus Braunschweig weiter unten kann man das gut nachvollziehen. In den dunkelrot gefärbten Regionen herrscht eine außergewöhliche Dürre. Dabei hatten die Niederschläge im Winter die Bodenwasserspeicher in Deutschland eigentlich gut gefüllt, im Februar fiel in weiten Teilen Deutschlands sogar das Zwei- bis Dreifache der üblichen Niederschlagsmenge. 

Ein drittes Trockenjahr wäre eine Katastrophe

Erst ab Ende April/Anfang Mai sehen die Meteorologen Anzeichen für etwas Regen. Er dürfte aber nicht ausreichen, um die Trockenheit zu beenden. Für den Deutschen Wetterdienst setzt sich damit ein Trend der letzten elf Jahre fort, in denen der April immer zu trocken war. Ein drittes Trockenheitsjahr in Folge wäre für Forstwirtschaft wohl eine Katastrophe.

Der Bund hilft dieses Jahr mit 138 Mio. €

Bundeslandwirtschaftsminsterin Julia Klöcker bezeichnete die Lage in den deutschen Wäldern als schwierig. Obwohl die Schäden der letzen Jahre noch nicht aufgearbeitet seien, träten bereits erste Waldbrände auf. In einer Videobotschaft vom 21. April  sorgte sie sich außerdem um die weitere Verbreitung der Borkenkäfer und darum, dass die Pflanzungen der letzten Jahre nicht gedeihen könnten. „Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Land- und Forstwirte sehr erst“, sagte sie. Daher stellt das Bundesministerium dieses Jahr 98 Mio. € für die Aufarbeitung der Waldschäden bereit und weitere 40 Mio. € für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel.

 

Dürremonitor Oberboden bis 25 cm: Noch vor wenigen Wochen war diese Karte fast vollständig weiß. Im April ist davon fast nichts mehr zu sehen.
Dürremonitor Oberboden bis 25 cm: Noch vor wenigen Wochen war diese Karte fast vollständig weiß. Im April ist davon fast nichts mehr zu sehen. Grafik: UFZ-Dürremonitor, Helmholtz-Zentrum
Dürremonitor Gesamtboden bis 1.8 m: In weiten Teilen Ost- und Süddeutschlands herrscht im April eine außergewöhnliche Dürre
Dürremonitor Gesamtboden bis 1.8 m: In weiten Teilen Ost- und Süddeutschlands herrscht im April eine außergewöhnliche Dürre Grafik: UFZ-Dürremonitor, Helmholtz-Zentrum

Oliver Gabriel

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