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Dritter Nationalpark in Bayern: Holzindustrie bezweifelt Glaubwürdigkeit der Versprechen

Bei der Anhörung zu einem möglichen dritten Nationalpark in Bayern (16.3.2017) wurde kein Unternehmensvertreter angehört. Nicht nur die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR), sondern auch die betroffenen Betriebe kritisieren das intransparente Verfahren und bezweifeln, dass das Umweltministerium seine Versprechungen gegenüber der heimischen Holzwirtschaft einhalten kann.

„Ich frage mich: Wie will uns die Landesregierung, wie von ihr angekündigt, die Versorgung mit der für uns notwendigen und alternativlosen Menge an Buchenholz garantieren, wenn bei einem unserer größten Partner, den Bayerischen Staatsforsten, ein so große, nachhaltig und sehr effizient bewirtschaftete Waldfläche stillgelegt wird“, so Christian Dietershagen, Geschäftsführer des Papier- und Zellstoffherstellers Sappi in Stockstadt. „Sappi ist fest integriert in die regionale Wirtschaft: 750 Mitarbeiter und bis zu 1500 indirekte Arbeitsplätze hängen an dem vor 119 Jahren gegründeten Industriestandort in Stockstadt. Von den rund 300 Mio. € Umsatz fließen beispielsweise rund 50 Mio. € Personalkosten und jährlich etwa 20 Mio. € Instandhaltungs- und Investitionskosten größtenteils in den regionalen Wirtschaftskreislauf. Unsere Geschäftsbasis und der Grund für die damalige Ansiedlung der Fabrik in Stockstadt ist der heimische, nachwachsende Rohstoff Holz. Wenn dieser Rohstoff verknappt wird, bleibt uns eigentlich nur der Ersatz durch südamerikanischen Eukalyptus-Zellstoff. Dies ist kostenmäßig in unserem sehr wettbewerbsintensiven, weltweiten Marktumfeld auf die Dauer jedoch nicht tragbar.“
Undurchsichtige Versprechungen
Angekündigt war ein transparentes Verfahren zur Nationalparkausweisung unter Beteiligung der Betroffenen. „Warum wurde dann heute im Landtag kein Unternehmensvertreter gehört, weshalb hat man uns von der Verbändeanhörung in Miltenberg ausgeschlossen, wieso wird trotz massiver fachlicher Zweifel am Nationalparkkonzept festgehalten?“, fragt Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher. „Das Verfahren ist intransparent und die Erfahrung aus anderen Nationalparkausweisung in Deutschland zeigt, dass im Vorfeld gemachte Versprechungen wie den weitestgehenden Erhalt der Waldwege oder Ausgleichlieferungen für Brennholznutzer oder die Holzindustrie praktisch nie eingehalten werden und spätestens nach der Einrichtung des Nationalparks schnell vergessen sind.“
Ohne Bioökonomie bleibt die Abhängigkeit von Rohöl bestehen
Die Ausweisung des Nationalparks hätte nicht nur Konsequenzen für die aktuelle Produktion, sondern auch für die Forschung und Entwicklung.
 
Dietershagen erläutert: „Durch einen Nationalpark Spessart würde uns die Möglichkeit genommen, unseren Standort weiter auszubauen und nachhaltig Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Die Sappi Stockstadt GmbH hat verschiedene Top-Projekte in der Entwicklungsphase, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz Hightechwerkstoffe hervorbringen werden. Dazu zählen z. B. Micro- und Nanozellstoffe, u. a. zum Ersatz von Kunststoffen in der Autoindustrie. Darüber hinaus produzieren wir jetzt schon Produkte aus der Zellstofflauge, welche z. B. als Betonverflüssiger ebenfalls erdölbasierende Produkte ersetzen werden und somit helfen, die Rohölabhängigkeit unserer Gesellschaft zu verringern. Es ist geradezu unverantwortlich, diese absolut nachhaltig bewirtschaftete Rohstoffquelle ohne triftigen Grund zu beschneiden.“
Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher

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