Forstbetrieb WaldÖkologie

Dritte Waldbiotopkartierung in Sachsen startet

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Was man nicht kennt, kann man nicht schützen: Darum werden jetzt wieder die gesetzlich geschützten und naturschutzfachlich wertvollen Biotope in Sachsens Wäldern kartiert. Die Waldbiotopkartierung in Sachsen erfolgt nun schon zum dritten Mal.

Die Erfassung von Biotopen im Wald – abgrenzbare Lebensräume wie Buchenwälder, Bäche oder offene Felsbildungen – erfolgt für alle Eigentumsarten, flächenscharf und lagegenau. Im Auftrag von Sachsenforst streifen dafür ab Juli Ingenieurbüros durch alle Wälder in Sachsen. Für die vollständige Kartierung der voraussichtlich über 50.000 Waldbiotope werden zwölf Jahre benötigt.

Für mehr Biodiversität

„Mit der Waldbiotopkartierung leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität in Sachsen“, betont Utz Hempfling, Landesforstpräsident und Geschäftsführer von Sachsenforst. „Geschützte und seltene Tier- und Pflanzenarten können nicht ohne ihre Lebensräume überleben. Wer aber diese besonderen Biotope kennt, kann sie gezielt schützen und pflegen − und damit die Artenvielfalt im Wald erhalten und vermehren.“

Umfangreiche Informationen und Entwicklungsempfehlungen

Bei der Waldbiotopkartierung werden die vorhandenen Biotopdaten aktualisiert und neu entstandene Biotope erfasst. Dabei wird der Zustand und die Struktur jedes Biotops detailliert beschrieben und Empfehlungen für seine Pflege und Entwicklung erarbeitet. Alle Ergebnisse werden digitalisiert und für jeden abrufbar ab dem Folgejahr im Internet im Sachsenatlas sowie im „Datenportal iDA“ zur Verfügung gestellt. Innerhalb des Kartierungszeitraumes werden die bereits vorliegenden Ergebnisse einmal jährlich veröffentlicht.

 Bodensaure Buchenwälder, wie hier im Seußlitzer Grund (Naturschutzgebiet Seußlitzer und Gauernitzer Gründe) im Landkreis Meißen, bilden wertvolle Lebensräume Foto: Timo Striffler, Sachsenforst

Lebensräume erhalten ist gesetzlich festgeschrieben

„Die Waldbiotopkartierung soll Waldeigentümernbei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben unterstützen“, so Hempfling. Denn: Für gesetzlich geschützte Biotope wie Moore, Auwälder oder in Sachsen auch höhlenreiche Bäume besteht die gesetzliche Verpflichtung, diese Lebensräume zu erhalten. Eine Zerstörung oder erhebliche Beeinträchtigung ist verboten. Entscheidend, ob ein wertvolles Biotop vorliegt, ist dabei der tatsächliche Zustand in der Natur, nicht die behördliche Erfassung. Mit der Waldbiotopkartierung wird eine wichtige Grundlage für den Schutz dieser wertvollen Lebensräume geschaffen. Die Ergebnisse sind unter anderem bei naturschutzfachlichen Planungsverfahren zu berücksichtigen oder werden zur Beurteilung von Eingriffen in Natur und Landschaft herangezogen. „Im Landeswald werden die kartierten Biotope in die Bewirtschaftung integriert“, erläutert Hempfling. „Unsere Revierleiterinnen und Revierleiter berücksichtigen diese sensiblen Bereiche in besonderem Maße und entwickeln ihre Eigenarten gezielt.“

Waldbiotope verändern sich ständig

Die jetzt beginnende Erfassung ist bereits der dritte Durchlauf nach den Kartierungen von 1994 bis 2000 und 2006 bis 2016. Im Rahmen der letzten Aktualisierung wurden rund 45.000 Biotope mit einer Gesamtfläche von fast 58.500 ha im Wald erfasst − das entspricht 12 % der Gesamtwaldfläche Sachsens. Die erneute Aktualisierung ist notwendig, weil Biotope im Wald sich innerhalb weniger Jahre stark verändern können. Insbesondere nach den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre und den Folgen des zunehmenden Klimawandels ist eine Fortschreibung für den gezielten Schutz erforderlich.

Hinweis: Die Waldbiotopkartierung durch Sachsenforst erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Nach der vollständigen Erfassung der Biotope wird eine umfangreiche Auswertung durch Sachsenforst erarbeitet und veröffentlicht.

Infos zur Waldbiotopkartierung

Quelle: Sachsenforst