ABO
Dritte Bundeswaldinventur in Brandenburg

Dritte Bundeswaldinventur in Brandenburg

Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger hat am 9.10.2014 in Potsdam die für das Bundesland Brandenburg relevanten Ergebnisse aus der dritten Bundeswaldinventur vorgestellt.
Die Ergebnisse sind eine wichtige Grundlage für forstpolitische Entscheidungen. Sie sind ein Gradmesser für den Zustand und die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes in Brandenburg.
Minister Vogelsänger: „Mit 1,1 Mio. ha Wald gehört Brandenburg zu den waldreichsten deutschen Bundesländern. Die Ergebnisse sind insgesamt erfreulich, aber es gibt auch Schattenseiten. Für Brandenburg und die neuen Bundesländer ist die 3. Bundeswaldinventur die erste Wiederholungsinventur. Erstmals können damit auch Entwicklungen zwischen den beiden Inventuren nachvollzogen werden.“
Nach den Vorgaben des Bundeswaldgesetzes ist eine auf ganz Deutschland bezogene, forstliche Großrauminventur durchzuführen, mit deren Ergebnissen ein Gesamtüberblick über Waldverhältnisse und forstwirtschaftliche Daten möglich wird. Die über ein Stichprobenmodell erhobenen Daten sind die Basis, um neueste Informationen über den Waldzustand zu errechnen und aufzubereiten. Eine Bundeswaldinventur wurde das erste Mal von 1986 bis 1989 in den alten Bundesländern durchgeführt.
Für die 3. Bundeswaldinventur sammelten die Länder die Daten in den Jahren 2011 und 2012. Fünf Aufnahmeteams des Landesbetriebes Forst Brandenburg waren in Brandenburger Wäldern unterwegs, haben Höhe und Durchmesser von Bäumen gemessen, Verjüngung und abgestorbene Holzmengen aufgenommen. Die Erhebungen erfolgten in Brandenburg an 2.864 Standorten (Waldtraktecken).
Ein Zehntel des deutschen Waldes
Mit 37,2 % Waldanteil gehört Brandenburg zu den fünf Bundesländern mit dem größten Waldanteil an der Landesfläche (Bundesdurchschnitt: 32 %). 10 % der Waldfläche in Deutschland liegt in Brandenburg. Für 16 % der Waldfläche – das sind 186.000 ha – gelten Nutzungseinschränkungen. Trotz großer Inanspruchnahme von Waldflächen für Braunkohletagebaue und Infrastrukturmaßnahmen haben Kompensationsmaßnahmen dafür gesorgt, dass die Waldfläche in den vergangenen zehn Jahren gleich geblieben ist.
Brandenburg ist Privatwald-Land
Durch die fast abgeschlossenen Privatisierungen des Treuhandwalds ist der Anteil privater Waldbesitzer von 42 auf 60 % gestiegen. 40 % des Waldes sind in öffentlicher Hand von Land, Bund und Kommunen.
Der Privatwaldbesitz ist stark zersplittert. So gibt es rund 100.000 Waldbesitzer. Nur 15 % der Privatwaldflächen sind in Besitz von Eigentümern mit mehr als 1.000 ha. 38 % der Privatwaldflächen kleiner als 20 ha.
„Dies hat Auswirkungen auf den Holzeinschlag im Privatwald“, unterstreicht Minister Vogelsänger, „daher ist die Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse weiterhin ein Schwerpunkt unserer Forstpolitik.“
Kiefernland und Waldumbau
Der Brandenburger Durchschnittsbaum ist 71 Jahre alt, 21,5 m hoch und hat einen Durchmesser von 21 cm (Durchschnittswerte für Deutschland 2012: 77 Jahre, 24,7 m, 25 cm).
Brandenburg ist weiter das Kiefernland Nummer Eins in Deutschland. Mit 70 % nehmen Kiefern mit Abstand die größte Fläche ein (Bundesdurchschnitt: 22 % Kiefernanteil). Eichen sind mit 7 % und Buchen mit 3 % vertreten. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Laubholzanteil um 2 % erhöht und liegt nunmehr bei 25 %. Bei den jungen Bäumen bis 20 Jahren sind bereits 43 % der Waldfläche mit Laubbäumen bestockt.
In den großen Kieferngebieten besteht eine hohe Gefährdung durch Waldbrand und Schadinsekten. In Mischwäldern sind diese Risiken wesentlich geringer. Das Einbringen von Laubbäumen trage zu einer Stabilisierung der Wälder bei und werde konsequent weiterverfolgt, so Vogelsänger.
Spitzenplatz beim Wildverbiss
Durch den enorm hohen Wildverbiss ist die Waldverjüngung, insbesondere mit Laubbäumen, gefährdet. 52,2 % der Jungbäume sind durch Wild geschädigt (verbissen). Brandenburg nimmt damit einen traurigen Spitzenplatz in der Bundesstatistik ein. Um den jungen Pflanzen eine Chance zu geben, sind rund 40.000 ha zum Schutz gegen Wild eingezäunt. Das sind 71 % der Bäume bis 20 Jahre.
Nachhaltige Wachstumsbranche
Die Holznutzung ist in Brandenburgs Wäldern in allen Besitzarten nachhaltig. Die Holzvorräte haben seit 2002 landesweit um 46 m³/ha zugenommen. Dies bedeutet ein Anstieg von 20 % gegenüber 2002. Jährlich steigt der heimische Holzvorrat um 10,4 Mio. m³.
In Brandenburg werden jährlich durchschnittlich 5,5 Mio. m³ Holz eingeschlagen, das heißt nur 53 % des Zuwachses werden genutzt.
Im Bundesvergleich nimmt die Region mit einem Holzvorrat 283 m³/ha nur einen hinteren Platz ein. Ursachen hierfür sind die oft armen Standorte mit dem hohen Kiefernanteil.
MIL Brandenburg

Auch interessant

von