Die Container-Pflanzmaschine P11a von Bracke Forest aus Schweden
Die Container-Pflanzmaschine P11a von Bracke Forest aus Schweden
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Drei Pflanzmaschinen für Containerpflanzen

06. Dezember 2021

Die Wiederbewaldung der riesigen Schadflächen wird Jahrzehnte brauchen und ist allein mit händischen Pflanzverfahren kaum zu bewältigen. Die Nachfrage nach schlagkräftiger Pflanztechnik steigt daher. Neben Pflanzmaschinen für wurzelnackte Pflanzen sowie der Baggerpflanzung sind mittlerweile auch skandinavische Krananbaugeräte für die Containerpflanzung im Einsatz. Wir stellen drei dieser Geräte vor.

Wenn ein Waldbesitzer in Deutschland eine Pflanzung anlegt, arbeitet er bevorzugt unter dem Schirm des Altbestandes und verjüngt selten Flächen, die zweistellige Hektarzahlen erreichen. Bei den üblichen, wurzelnackten Pflanzensortimenten überwiegen händische Arbeitsverfahren mit verschiedenen Hauen und Spaten. Die großen Schadflächen der letzten Jahre kriegt man allein damitaber kaum in den Griff – und so bleibt der Ruf nach maschineller Unterstützung nicht aus. Bei größeren Pflanzen hat die sogenannte Baggerpflanzung eine gewisse Bedeutung errreicht. Für kleinere Sortimente sind jetzt wieder forstliche Pflanzmaschinen gefragt. Sie erfordern für einen effizienten Einsatz allerdings sauber geräumte Flächen, zum Teil wird zuvor sogar der Boden bearbeitet.

Container haben Vorteile

Darum finden mittlerweile auch Pflanzgeräte den Weg nach Deutschland, die man bisher als skandinavische Spezialität betrachtet hat: hydraulisch betriebene Krananbaugeräte für die Ausbringung von Containerpflanzen. Sie ermöglichen nicht nur eine hohe Arbeitsleistung, sondern sie können auch auf nicht oder nur extensiv geräumten Waldflächen eingesetzt werden. Das wirkt sich günstig auf die Kosten der Bestandesgründung aus. Einen weiteren Vorteil bringen die Containerpflanzen mit sich: einen Ballen mit unversehrtem Wurzelwerk. Damit lässt sich die Pflanzsaison je nach Witterung im Frühjahr bis in den Juli ausdehnen, und sie kann schon im September wieder beginnen. Die Pflanzen müssen nicht aufwendig eingeschlagen werden und wachsen in der Regel sehr gut an, zumal wenn man ihre Ballen vor demSetzen wässert. Nicht zuletzt setzen sich Containerpflanzen gut gegen Konkurrenzvegetation durch, sodass auch der Aufwand für die Kulturpflege sinken dürfte.

Drei Anbieter solcher Pflanzgeräte sind hierzulande bekannt: die Firmen Bracke Forest, M-Planter und Risutec. Ihren Aggregaten gemeinsam ist oben auf dem Gerät eine Kassette für die Pflanzen, die per Hand eingefüllt werden. Im Betrieb fördert ein Mechanismus ein Bäumchen nach der anderen über das Pflanzrohr der Maschine, durch das sie entweder per Druckluft oder der Schwerkraft folgend nach unten in das Pflanzloch gelangen, das ein Pflanzschnabel am Fuße des Gerätes geöffnet hat. Mit einer beweglichen oder fix montierten Vorrichtung bereitet der Fahrer vorher den Boden für die Pflanzung vor und drückt die Setzlinge abschließend auch an. Auf Wunsch sind die Geräte mit einer Ausstattung zum Wässern und Düngen erhältlich. Selbst die Stückzahlen und die GPS-Koordinaten der gesetzten Bäumchen können sie erfassen.

Bracke Forest

Der in Deutschland bekannteste Anbieter ist die Firma Bracke Forest (www.brackeforest.com) aus Schweden. Sie stellt bereits seit den 1990er Jahren Pflanzgeräte her. Den Vertrieb hat hierzulande vor zwei Jahren die Firma Wahlers Forsttechnik (www.wahlersforsttechnik.de) übernommen. Wie Thorsten Kuhlmann erklärt, eignet sich in Europa vornehmlich das 1 100 kg schwere P11.a-Modell. Allerdings musste die skandinavische Technik mit runden Pflanzrohren auf die bei uns üblichen viereckigen Container angepasst werden. Bei Testeinsätzen mit der Baumschule Stackelitz in Sachsen-Anhalt (www.stackelitz.de) hat sich dabei die Bauweise mit 7-cm-Pflanzrohren bewährt. Die Pflanzenkapazität der P11.a-Kassette liegt damit allerdings nur bei 62 Containern, sodass dementsprechend häufig nachgefüllt werden muss.

Mineralboden statt Hügel

Vor der Pflanzung bereitet das Gerät den Pflanzplatz vor, indem ein hydraulisch bewegter Pflanzspaten in die Erde greift, den Auflagehumus zu einem kleinen Hügel wendet und ihn andrückt. Auf ihn setzt man in Skandinavien die Pflanzen. „Deutsche Förster sehen das aber nicht so gerne, weil sie es gewohnt sind, direkt in den Mineralboden zu pflanzen. Deshalb schiebt man bei der Firma Stackelitz die Erde wieder in das Loch zurück und setzt die Container in die so erzeugte Tasche“, erklärt Kuhlmann. Durch den zusätzlichen Schritt und wegen des geringeren Pflanzenvorrats muss die Herstellerangabe von stündlich 300 gepflanzten Setzlinge daher hierzulande etwas nach unten korrigiert werden. Wie Geschäftsführer Martin Heinrichs sagt, sind bei einfachen Verhältnissen aber über 1 000 Pflanzen täglich drin. Das Hauptsortiment sind dabei zweijährige Nadelhölzer und einjährige Laubhölzer, die Trieblängen zwischen 40 bis 80 cm haben können.

Für das P11.a ist auch eine Ausstattung für die Düngung und Bewässerung der Pflanzen erhältlich. Kuhlmann hält das in unseren Breiten aber nicht für notwendig. Erstens, weil die Container vor der Pflanzung gewässert werden. Zweitens seien dafür große Tanks erforderlich, die auf zusätzlichen Raupenanhängern mitgeführt werden müssten. Ein 120 l großes Wassereservoir ist bei Stackelitz dennoch auf dem Bagger vorhanden. Die Druckluftvorrichtung reinigt damit in erster Linie das Pflanzrohr, gibt aber schlussendlich jeder Pflanze doch einen Extraschuss Flüssigkeit mit.

Über Sensoren im Pflanzgerät und die Bordsteuerung in der Kabine, kann der Fahrer die Pflanzarbeiten digital dokumentieren. Erfasst werden die Anzahl der Pflanzen sowie die Einsatzdauer. Zusätzlich arbeitet Bracke Forest an einer Erfassung der GPS-Position aller Pflanzen. Wahlers selbst entwickelt eine Lösung, um das P11.a-Gerät auch an Harvesterkrane montieren zu können. Sie besitzen keinen Hydraulikzylinder, der das Aggregat auf und abbewegen könnte. Nötig ist daher ein Adapter.

Kuhlmann gibt die Kosten für das Basisgerät mit 55.000 € an. Zusätzlich sind noch ein Druckluftkompressor für das Ausbringen der Pflanzen und die Montage für zusammen etwa 10.000 € fällig. Für aufgearbeitete Gebrauchtgeräte veranschlagt Wahlers grob die Hälfte – als Einstieg und zum Experimentieren für einige Kunden sicher keine schlechte Idee.

M-Planter

Der zweite Anbieter ist M-Planter aus Finnland (www.m-planter.fi). Das Unternehmen produziert seine Geräte seit 2008 in Serie. In Deutschland hat den Vertrieb der Forstunternehmer André Wenzel aus Blankenburg übernommen (www.forstservice-brennholz.de). Die Modelle M-120 (900 kg) und M-160 (1 100 kg) tragen ihr Pflanzen-Fassungsvermögen im Namen. Baut man zwei Aggregate an den Baggerarm an, lässt es sich sogar verdoppeln. Anfang Dezember will Wenzel ein Update der M-120 vorstellen, die insgesamt etwas größer sein wird und ein Pflanzrohr mit 8 cm Durchmesser besitzt. Das senkt die Kapazität des Magazins zwar auf 110 Containerpflanzen, dafür kann sie aber größere Container verarbeiten. Nicht zuletzt erhöht sich die Pflanztiefe von 15 cm auf 20 cm.

Im Unterschied zum Brackegerät hat M-Planter kein aktiv bewegliches Werkzeug zur Vorbereitung des Pflanzplatzes. Er besitzt am Fuß lediglich eine verlängerte Stahlplatte, mit der man den Rohhumus abzieht und die Erde auflockert.

Den M-Planter gibt es auch mit Druckluft-Ausbringung, Wenzel verzichtet zur Schonung der Pflanzen bisher aber darauf. Auch Wasser und Düngemittel kann das Gerät den Setzlingen bei der Pflanzung mitgeben. Auf den KWF-Thementagen im April 2022 will Wenzel zudem eine GPS-Funktion für den M- Planter vorstellen. Sie soll nicht nur die Pflanzposition dokumentieren, sondern hilft auch dabei, gerade Pflanzreihen anzulegen. Wenzel kommt mit dem kleinen 120er-Aggregat auf etwa 130 Pflanzen pro Stunde. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Quer-Tilt des Gerätes, wodurch auch am Hang jede Pflanze immer gerade steht. Der M-Planter kostet etwa 40.000 €, die Zusatzkosten richten sich nach der Ausstattung.

Risutec

Ebenfalls aus Finnland stammt die Firma Risutec (www.risutec.fi). Sie baut solche Pflanzgeräte seit 2008. International waren ihre Modelle bisher bei großflächigen Aufforstungen in Südamerika, Afrika oder Asien gefragt. Aber auch in Europa ist das Unternehmen präsent, in Deutschland seit kurzem beim Forstunternehmen Matthias Möller im Sauerland. Während sich das PM-Modell mehr für skandinavische Wälder eignet, passt das SKB 120 gut nach Deutschland. „Mit ihm sind Pflanzung auch an Hängen bis zu 30° Neigung möglich“, erklärt Erik Kesti, der den deutschen Markt betreut. Das bestätigt Philip Hütte von der Firma Möller. Das Unternehmen arbeitet mit einem SKB 120, das 120 Pflanzen fasst und ein 7-cm-Pflanzrohr besitzt. Für die plätzeweise Bodenbearbeitung stehen mehrere Werkzeuge zur Auswahl, die man auch wechseln kann. Möller hat sich gegen hydraulisch bewegliche Werkzeuge entschieden und stattdessen drei feste Zinken montieren lassen. Damit zieht der Fahrer des Liebherr 914 Compact vor der Pflanzung Reisig und Rohhumus beiseite und lockert den Boden am Pflanzplatz auf.

Laut Kesti landen mit den Risutec-Aggregaten durchschnittlich bis zu 200 Setzlinge pro Stunde im Boden, beim Unternehmen Möller sind es in Abhängigkeit von Einsatzbedingungen um die 120.

Das Aggregat drückt die Pflanzen natürlich auch an, der Druck dafür ist an der Maschinensteuerung in der Kabine einstellbar. Zusätzliche Tanks am Bagger machen es möglich, Wasser und Dünger mit ins Pflanzloch zu geben, auch diese Mengen sind einstellbar. Im Einsatz zu sehen ist das Gerät der Firma Möller hier: www.youtube.com/watch?v=G47br8_6EW0

Um die Pflanzen so zu platzieren, wie es der Kunde wünscht, kann der Fahrer des Trägerfahrzeuges die Satellitentechnik mit einspannen. Dafür gibt es seit kurzem das System ASTA-ex, das Signale aller geläufigen Satellitensysteme empfängt. Zur Verbesserung der Genauigkeit kommen die gängigen Systeme wie EGNOS zum Einsatz, die jeden gepflanzten Baum auf wenige Zentimeter genau erfassen. Für die generelle Funktion ist eine dauerhafte Internetverbindung nicht zwingend notwendig, die digitale Dokumentation der Pflanzung ist auch Offline möglich. Ist die Maßnahme abgeschlossen, erhält der Kunde ein PDF, das exakt aufschlüsselt, wieviel Pflanzen welcher Art in welcher Zeit wo aufgeforstet wurden. „Das kann im Privatwald im Zusammenhang mit der Förderung ein wichtiger Nachweis sein“, sagt Philip Hütte.

Risutec bietet das SKB-120-Modell lauf Wunsch auch für den Harvesteranbau an. Die Kosten für das nackte Aggregat belaufen sich auf etwa 60.000 €, ohne digitale Erfassung. Dass die Geräte robust sind, beweist die schon länger etablierte, einfacher gebaute PM-Serie: Einige Geräte haben in 15 Jahren über 1,5 Millionen Bäume gepflanzt.

Fazit

Als Basisfahrzeug eignen sich für die beschriebenen Pflanzgeräte Raupenbagger zwischen 14 und 17 t. Der M-Planter M-120 kommt dabei auch mit 12 t Gegengewicht zurecht, das kleine Risutec-Modell theoretisch auch mit 8 t, was aber weniger Arbeitskomfort bedeutet. Erforderlich ist ein dritter hydraulischer Steuerkreis, der im Baualltag beispielsweise einen hydraulischen Abbruchhammer am Baggerarm versorgt (Hammerleitung). Das ist heute aber meist bereits Standard, ebenso die erforderliche Ölleistung. Zusätzlich verlegt werden müssen lediglich Strom- oder Druckluftleitungen.

Ein Nachteil des Baggeranbaus ist dessen meist unter 10 m lange Kran. Zwar muss man auch die Baulänge des Pflanzaggregates hinzurechnen und den Abstand der Pflanzreihen berücksichtigen. Auch bei einem Rückegassenabstand von 20 m kann die Maschine aber unter Umständen trotzdem nicht die gesamte Zwischenzone bearbeiten.

Die Anbaulösung für den Harvester, die alle drei Anbieter umsetzen können, dürfte darum interessant sein, zumal man den Harvester mit ihr bei schlechter Auftragslage auslasten könnte. Ob das möglich ist, hängt bei gegebener Kranausstattung natürlich vom Gewicht des Pflanzaggregates ab. Es fragt sich zudem, wie teuer die Pflanzung mit dem Harvester als Basismaschine wird.

Nicht zuletzt ist zu bedenken, dass alle drei Geräte ausschließlich Containerpflanzen setzen können, die aktuell aber Mangelware sind. Wer also in die maschinelle Pflanzung mit den vorgestellten Pflanzmaschinen einsteigen will, sollte frühzeitig sicherstellen, dass der Nachschub an Pflanzgut gesichert ist. Erfahrungsgemäß kann es nach Ansicht der Experten durchaus sein, dass zusammen mit den Baumschulen etwas experimentiert werden muss, bis Pflanzenbeschaffenheit und Topfform ideal auf die Maschinen abgestimmt sind.

Tobias Meyer