Hochalpin: der Arbeitsstiefel Nepal Evo Work Gore-Tex von La Sportiva
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Drei Arbeitsschuhe im Test

30. November 2018

Wer im Forst arbeitet, braucht eine komplette Schutzausrüstung. Die Arbeitsschuhe darf man dabei nicht vernachlässigen. Unser Kollege Johannes Hädicke hat drei aktuelle Arbeitsstiefel von Haix, La Sportiva und Timbermen zwischen 135 € und 359 € ausprobiert – und einen Schuhtrockner der Firma Alpenheat obendrein.

Sein besonderes Faible für Forststiefel konnte Elmar Luger schon unter Beweis stellen, als er damals noch zu Ax-Men-Zeiten mit Lowa eine hoch innovative Linie verschiedener Modelle konzipierte. Nun ist Luger der Kopf hinter der Marke Timbermen. Und mit dem Dachstein Forest Safety S2 GTX toppt er so ziemlich alles, was es bisher auf dem Markt gab. Er ist voll steigeisenfest, das angenehme Abrollverhalten sorgt aber dafür, dass man sich auch im Flachland mit dem Stiefel sehr wohl fühlt. Grund dafür ist die durchdachte Sohlenkonstruktion und der erhöhte Spitzensprung. Dazu kommt eine tolle Passform: die Eigenschaften eines hochwertigen Bergschuhs blieben trotz Schutzkappe und Schnittschutzeinlage erhalten.

Die Ausstattung ist üppig: Neopren als Schaftabschluss ermöglicht Bewegungsfreiheit, Sägespäne oder Schnee dringen jedoch nicht ein. Die Schnürsenkel laufen geschmeidig in den hochwertigen, rostfreien Kugelrollschlaufen. Dank Klemmringen ist eine Zwei-Zonen-Schnürung möglich. Die Sohle kommt aus dem Bergsport. Im Mittelsteg gibt es keine Profilierung, dafür aber vier Spikes. Dies ist sicherlich die beste Lösung, um Rutschunfälle durch das Auftreten auf Äste zu vermeiden. Das Leder stammt von Perwanger aus Südtirol, die Membran von Gore.

Der Stiefel wird in Italien gefertigt. Ähnlichkeiten mit einem dort ansässigen Premium-Hersteller sind sicherlich beabsichtigt. Der Verkaufspreis beträgt knapp 350 €. Durch die „gezwickte Machart“ ist eine Neubesohlung möglich. Geliefert wird der Dachstein Forest Safety S2 GTX in den Größen 7 bis 13. In Größe 8 wiegt er knapp 1 200 g pro Schuh.

In Kürze werden zwei weitere Schnittschutzstiefel-Modelle von Timbermen verfügbar sein. Auf der Interforst stellte Luger zudem einen Schnittschutz-Gummistiefel vor, dessen Schaft nicht wie bisher meist aus Kautschuk, sondern aus Neopren besteht. Leider war er für einen Test noch nicht verfügbar. Aber eine erste Anprobe war vielversprechend. Könnte gut sein, dass Timbermen auch hier einen neuen Standard setzen wird.

La Sportiva Nepal Evo Work

Es gibt Dinge, die sieht man in der Schweiz ganz pragmatisch: „Das Unfallgeschehen bei den Forstwarten rechtfertigt es nicht, dass wir ihnen Schnittschutzstiefel vorschreiben. Denn diese sind nicht nur schwer, sondern auch unbequem. Unsere Leute sollen von den modernen Entwicklungen bei Bergschuhen profitieren. Entscheidend ist ein fester Stand und ein hoher Tragekomfort“, sagte uns ein dortiger Arbeitsschutzexperte für den Forst.

In Deutschland und Österreich ist die Gesetzeslage jedoch eine andere. Außerhalb des Einsatzes mit der Motorsäge gibt es jedoch genügend andere Tätigkeiten, wo Stiefel mit Schutzkappe, Schnittschutz und/oder durchtrittsicherer Sohle nicht unbedingt nötig sind: Mäharbeiten mit dem Freischneider, das Pflanzen und der Zaunbau, die Handentrindung und vieles mehr. Die Anforderungen dort sind ähnlich, wie die von Bergbauern, Älplern oder dem Personal von Bergbahnen. Sie alle bedienten sich schon bisher gerne bei der Modellreihe Nepal des italienischen Herstellers La Sportiva. Eigentlich wurden diese Schuhe für Höhenbergsteiger entwickelt. Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften ist der La Sportiva-Arbeitsstiefel Nepal Evo Work Gore-Tex jedoch ein ausgesprochenes In-Produkt bei all jenen geworden, die sich beruflich in steilem Gelände bewegen.

Die Work-Serie besteht aus drei Modellen – wir hatten den Nepal Evo Work Gore-Tex im Test. Mit der Passform waren wir sehr zufrieden. Der Schaft ist eher weich geraten, was der Bequemlichkeit zugute kommt. Im Gegensatz zu den konventionellen Modellen ist bei der Work-Serie die Zwischensohle verhältnismäßig steif ausgeführt. Daran gewöhnt man sich aber schnell. Zweck ist eine längere Haltbarkeit und eine bessere Stabilität, wenn man im Steilhang stehen muss. Bei letzterem wird dadurch zusätzlich die Muskulatur entlastet.

Die Sohle stammt von Vibram, die Schnürsenkel laufen leicht in den Ösen. Die Anpassung ist individuell möglich. Klemmringe ermöglichen die Schnürung in zwei Zonen. Tiefzughaken sucht man vergeblich. Für eine gute Fixierung in diesem Übergangsbereich sorgt aber ein spezielles System. Lieferant für das Leder ist Perwanger, die Produktion der Stiefel erfolgt in Ziano di Fiemme im Trentino

Der größte Unterschied zwischen den Sport-Modellen und der Work-Serie ist die Verklebung des Geröllschutzrandes. Hier wird mit einem wasserlöslichen Kleber gearbeitet, dem der Kontakt mit Kraftstoffen und Ölen nichts anhaben soll. Und die Farbe ist eine andere: Orange, statt dem La Sportiva-typischem Gelb.

Wir waren mit diesem High-End-Stiefel voll zufrieden. Der Preis von 359 € ist absolut gerechtfertigt. Die Spanne der Schuhgrößen reicht von 37 bis 48. Übergrößen bis 50 gibt es auf Anfrage (413 €). Ein Schuh der Größe 43 wiegt 1 200 g.

Haix Black Eagle Safety

Haix ist sicherlich einer der bekanntesten Hersteller von Arbeitsschuhen. Das große Renommee hat seinen Ursprung in der Funktion als Premium-Lieferant zahlreicher Feuerwehren und anderer Blaulicht-Organisationen. Bekanntester Schuh im Schnittschutzbereich war lange Zeit der Trekker Mountain, heute ist es – wahrscheinlich wegen seiner auffälligen Farbgebung – der Protector Ultra. Doch abseits der Spezialanwendungen produziert Haix auch Sicherheitsschuhe für den breiten Markt: die Serie Black Eagle.

Uns haben die Mainburger den Haix-Sicherheitschuh Black Eagle Safety 40 low zur Verfügung gestellt. Er erfüllt die Sicherheitsklasse S3, ist also wasserdicht (Gore-Tex), hat eine durchtrittssichere Sohle und eine Schutzkappe aus Kunststoff. Der Schuh ist ein echtes Universaltalent: Egal ob in der Werkstatt oder in der Harvesterkabine, das Einsatzspektrum ist umfangreich. Das gilt auch für die Sohle, die sowohl auf glatten Böden als auch draußen guten Halt bietet.

Das Fußklima ist in Ordnung, das Außenmaterial besteht aus einem atmungsaktiven Mikrofaser-Textil-Mix. Es sind verschiedene Farb-Varianten erhältlich. Wir haben uns für die schicke Grau-Rot-Kombination entschieden. Auf eine konventionelle Schnürung verzichtet Haix. Der Arbeitsschuh wird per Stopperklemme aus Plastik verschlossen, die Enden steckt man dann in eine spezielle Schnürsenkeltasche. Das ist mitunter etwas fummelig.

Es ist bei den Schuhherstellern eine übliche Methode, billige Einlagesohlen zu verwenden, um Kosten zu sparen. Nicht so bei Haix. Hier sind sie von bester Qualität, was der Passform und dem Komfort zugute kommt. Außerdem lässt sich über unterschiedliche Einlegesohlen die Weite individuell anpassen. Sie sind als Zubehör für 7,40 € erhältlich. Standardmäßig ist die rote Sohle (= mittlere Weite) im Schuh. Die Dämpfung ist gut, aber nicht schwammig.

Den Black Eagle gibt es noch in vielen weiteren Ausführungen: mittelhoch, hoch, als Sportschuh ohne Schutzfunktion, aus Leder usw. Haix bietet die Variante Safety 40 low in den Größen EU 35 bis 50 an. Ein Schuh wiegt in Größe 42 keine 640 g. Der Preis beträgt 135 €. Somit ist er sicherlich kein Billigprodukt.

Alpenheat Schuhtrockner

Warum sollte man ganze 75 € für einen elektrischen Schuhtrockner ausgeben, wenn es doch eine zusammengeknüllte Zeitung und ein Platz am warmen Ofen auch tut? Ganz einfach: weil ein Schuhtrockner erheblich mehr kann! Egal ober es draußen nass ist oder heiß – nach einem langen Arbeitstag sind die meisten Schuhe innen feucht. Vor allem gilt das für solche, die mit einer Membran ausgestattet sind. Die Methode mit der Zeitung funktioniert zwar leidlich, doch meistens ist der Schuh am nächsten Morgen noch klamm. Und ein feuchtes Innenfutter bietet einen prima Nährboden für Bakterien und Pilze. Die Folge ist ein unangenehmer Geruch. Auch der Platz am warmen Ofen ist nicht ideal, denn große Hitze tut weder Kunststoffen am Schuh noch dem Leder gut.

Ein elektrischer Schuhtrockner dagegen arbeitet von innen mit angewärmter, zirkulierender Luft. Im Falle des Alpenheat UniversalDry gibt es verschiedene Aufsätze beziehungsweise Schläuche, so dass wahlweise zwei Paar Halbschuhe, ein Paar Stiefel oder auch Handschuhe, eine Mütze, Haube oder ein Hut getrocknet werden kann. Es gibt zwei Heizstufen, das Gerät kann im Dauerbetrieb oder zeitgesteuert (bis zu drei Stunden) arbeiten. Es zieht 230 Watt aus der Steckdose. Die Montage kann wahlweise an der Wand erfolgen oder der Schuhtrockner wird ganz einfach auf den Boden gestellt.

Wir haben den Alpenheat mittlerweile täglich im Einsatz. Sommers, wie winters. Klar kostet der Strom ein paar Cent, aber es ist ein wirklich angenehmes Gefühl, morgens in trockene Schuhe zu steigen. Außerdem hält ein vollständig durchgetrockneter Schuh länger. Und bei einem 350-€-Schnittschutzstiefel ist das sicherlich ein beachtenswerter Faktor.

Johannes Hädicke