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Dramatischer Waldzustand in Baden-Württemberg

Es gibt im Land keine Parallelen zu den aktuellen Ereignissen in den Wäldern Baden-Württembergs, und dies trotz der Situation zum Waldsterben in den 1980er und den Trockensommern 1976, 2003 und 2015! So die Arbeitsgemeinschaft Wald Baden-Württemberg. Sie fordert Soforthilfe und einen Masterplan für den Wald.

Die Situation der Fichte im Lande ist den meisten geläufig, auch dass Kiefer, Lärche und Eiche sehr starke Schäden aufweisen, selbst die Douglasie zeichnet. Aber dass mit der Rotbuche die Charakterbaumart des Landes, deren Schutz wir uns in vielen FFH-Gebieten verschrieben haben so gefährdet ist, ist vielen in der Öffentlichkeit nicht bewusst. Einige Forstbehörden im Land melden teils flächiges Absterben.

Masterplan zur Anpassung des Waldbaus

„Die Landregierung muss sofort handeln!“, fordert Dietmar Hellmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft WALD Baden-Württemberg. Ein Wegschauen der grün geführten Landesregierung, eine Verharmlosung des Waldzustandes darf es nicht erneut geben. Der Wald selbst – wichtiger Faktor zur Senkung der CO₂-Belastung – leidet nun selbst extrem unter dem Klimawandel. „Um seiner Funktion als CO₂-Senke zu Schutz der Klimaerwärmung gerecht zu werden, muss der Wald durch Pflege und Wiederaufforstung gemanagt werden“, so der Vorsitzende weiter.

Der Wald und die Forstleute benötigen hierfür einen langfristigen Masterplan zur Anpassung des Waldbaus an den Klimawandel.

Dies geht aber nur mit einer Stärkung der seit Jahren extrem reduzierten Forstverwaltung. Schnellschüsse sind hierfür ungeeignet. Dies bedarf sorgfältiger Planungen.

Katastrophe erfordert Sofortmaßnahmen

„Aber Sofortmaßnahmen sind dennoch unabdingbar: Hierzu zählen die sofortige Streichung aller einsparauflagen des Finanzministeriums im Zusammenhang mit Forstreform und zusätzliche finanzielle Mittel im aktuellen Haushaltsentwurf des Landes für 150 Stellen sowie und Mittel für Schadensaufarbeitung, Schädlingsbekämpfung und Wiederaufforstung. Die langfristige Absicherung aller Maßnahmen im Landeshaushalt und auch eine Entschädigung der Waldbesitzer für die von ihnen nicht zu verantwortenden Klimaschäden in den Wäldern, die die Landesregierung auf Bundesebene angehen muss, gehören in einen Masterplan“, so die AG Wald.

Mit der aktuellen Personalausstattung in den Revieren und bei den Waldarbeitern ist die Katastrophe nicht ansatzweise zu bewältigen. Die Sperrung von Wäldern für die Bevölkerung als Sicherheitsmaßnahme wird unausweichlich sein. „Man kann wirklich nur noch den Kopf schütteln, wenn das Finanzministerium vor diesem Hintergrund weiterhin Geld und Personal aus dem Forst herausquetschen will“, kritisiert Hellmann die aktuellen Forderungen des Finanzministeriums vor dem Hintergrund des Waldzustandes.

Es wäre ein Anachronismus, wenn es in Baden-Württemberg nicht einmal gelänge den Wald als wichtigste CO₂-Senke zu erhalten, während parallel die ETH-Zürich die weltweite Aufforstung als das probateste Mittel zum Schutz des Weltklimas wissenschaftlich belegt und gleichzeitig die Bundesregierung ein umfassendes Aufbauprogramm ins Leben rufen will. Das Land muss jetzt handeln und die längst überfällige Stärkung der Forstwirtschaft entsprechend ihrer wichtigen Aufgaben zum Schutz des Klimas angehen. 20 % mehr Forstpersonal auf allen Ebenen, über alle Waldbesitzarten hinweg sind auf lange Sicht hierfür erforderlich!

 

In der AG Wald Baden-Württemberg sind der Baden-Württembergische Forstverein e.V., der Bund Deutscher Forstleute, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V., Landesverband Baden-Württemberg und der Verein für forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung zusammengeschlossen.

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Arbeitsgemeinschaft Wald Baden-Württemberg

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