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Dr. Winfried Duffner verstorben

Dr. Winfried Duffner verstorben

Dr. Winfried Duffner verstarb am 15. September 2016 kurz nach Vollendung des 81. Lebensjahres.
Nach dem forstlichen Referendariat in Baden-Württemberg und einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Rom begann Duffner seine forstliche Laufbahn beim Fürstenhaus Waldburg-Zeil in Leutkirch. Hier wurde er mit der Optimierung des Holzhofes betraut und erhielt ausreichend Spielraum für die Entwicklung weiterer unternehmerischer Handlungsfelder. An Mut zur Risikobereitschaft fehlte es ihm schon damals nicht. In Leutkirch fand Duffner das Thema seiner Dissertation. Er erdachte bzw. programmierte Algorithmen zur Optimierung der Stammholzaushaltung und schuf damit die noch heute aktuelle Basis der Holzaushaltung auf dem Rundholzplatz des Sägewerks.

Winfried Duffner empfand die EDV nie als Bedrohung, sondern stets als Chance zur problemlösenden Komplexitätsreduzierung. Nach neun Jahren wechselte er zum benachbarten Fürsten Waldburg-Wolfegg-Waldsee, als sich ihm die Chance bot, erster Mann und damit Leiter des Forstbetriebs, aber auch des damit verbundenen und bis heute in der von ihm geschaffenen Grundkonstruktion arbeitenden Sägewerks zu werden.

In Wolfegg bot ihm Fürst Max Willibald, der die unternehmerischen Qualitäten von Duffner schnell erkannte, ein Arbeitsfeld, auf dem dieser sich entfalten konnte. In Prof. Peter Abetz fand er einen kongenialen, ebenfalls der Praxis verpflichteten Wissenschaftler, dessen Baumzahlleitkurven (1975) und Z-Baummaximen er als richtig erkannte und bei Pflanzungen und Durchforstungen konsequent in die Tat umsetzte.

Winfried Duffner blieb nie beim Wald allein stehen. Das wäre ihm zu wenig gewesen. Vielmehr wollte er die Forstwirtschaft stets als Ganzes begreifen und über die Grenze der Waldstraße hinaus – die er nie akzeptierte! – optimieren. Deshalb weitete er die Aktivitäten des fürstlich Waldburg-Wolfegg´schen Forstbetriebs entlang der Wertschöpfungskette überall dorthin aus, wo er Handlungsbedarf sah:

Zunächst setzte er auf die bis dato nur in Skandinavien bekannte hochmechanisierte Holzernte, indem er die entsprechenden Fachleute aus Schweden samt Maschinen ins Land holte und die mangels Kostendeckung bisher entstandenen Durchforstungsrückstände auflöste. Später experimentierte er erfolgreich mit Baggerharvestern und Yardern, um auch die Starkholzernte am Hang zu rationalisieren. Aus der mutigen Beschaffung von Harvestern, die natürlich eigene Werkstätten und zusätzliches Personal erforderlich machten, entwickelte sich eine eigene Division im Hause Waldburg-Wolfegg, die später verselbständigt und ausgegründet wurde. Sie ist heute als WFW-Forstmaschinen bekannt.

Die technische Seite der neuen Forstwirtschaft war das Eine, die logistische, also die Abwicklung des Einschlags selbst und die Belieferung der Sägewerke, die andere. Winfried Duffner funktionalisierte und verselbständigte auch den Harvestereinsatz. Wieder war eine neue Sparte im dynamisch wachsenden Wolfegger Forstbetrieb geboren.

Aber die Einführung des Harvesters zur Lösung des Problems der Schwachholzdurchforstung war nur ein Thema. Eine anderes war die Schaffung einer vollkommen neuartigen Softwarelösung mit der die Wertschöpfungskette von der Holzernte bis ins Werk abgebildet und gesteuert werden sollte. So erdachte er die ausschließlich für das interne Rechnungswesen, also die betriebliche Steuerung der Forstbetriebe bestimmten Softwareprogramme Comforst und Comhandel, deren Nachfolgeprodukte heute von der Firma Savcor IT weiterentwickelt und vertrieben werden.

Im Jahre 1991 wurde Duffner zum Leiter des größten deutschen Privatforstes, des Fürstlich Thurn- und Taxi´schen Forstbetriebs, berufen. In Regenburg standen für Winfried Duffner von Anbeginn an stets die Mitarbeiter im Vordergrund seines Tuns. Er erkannte, dass der TT-Forstbetrieb nicht in der Lage sein würde, eine nicht mehr zeitgemäß große Vielzahl von Angestellten zu ernähren. Deshalb nutzte er seine Kenntnisse aus dem Forstservicebereich und gründete die TTW-Waldpflege GmbH, die sich, wenn auch unter anderer Eigentümerschaft, unterdessen zu einem großen Holzlogistikunternehmen entwickelt hat. Er bot so vielen, unternehmerisch ausgerichteten Mitarbeitern neue Berufschancen, die viele engagiert nutzten.

Im Jahr 1998 endete das hauptamtliche Wirken Winfried Duffners für das Fürstenhaus Thurn und Taxis. Diesem Unternehmen blieb er noch einige Jahre im Unternehmensbeirat verbunden von wo aus er wesentliche Veränderungen, die etwa mit der Gründung der Firma Blauwald und dem Übergang der TTW zur Klenk Holz AG verbunden waren, aus der Distanz mitmoderierte. Auch für diese beiden Firmen war er noch lange in seiner Ruhestandszeit beratend tätig.

Wesentliche Anregungen seiner forstpraktischen Arbeit bekam Duffner im Ausland. Er war über viele Jahrzehnte hinweg für Forstbetriebe verschiedener Eigentümer im Kiefergürtel der US-Südstaaten verantwortlich.

Die Verdienste von Winfried Duffner wurden mehrfach geehrt. Er ist Träger hoher forstlicher Auszeichnungen: Im Jahr 1991 bekam er den Karl-Abetz Preis zugesprochen und im Jahr 1997 erhielt er auch den Georg-Ludwig-Hartig Preis.

Wesentliche Innovationsschritte verbinden sich bis heute mit dem Namen von Winfried Duffner: Die Erprobung, Einführung und Perfektionierung der hochmechanisierten Holzernte zunächst zur Schwachholz- und später auch zu Starkholzernte. Bis heute der bedeutendste Innovationsansatz nach der Motorsäge in der Forstwirtschaft. Weiter die Schaffung von stabilen Wäldern aufgrund einer konsequenten Hinwendung zur Z-Baumwirtschaft. Duffner hat als einer der ersten der Forstbranche die entsprechenden Hinweise der Wissenschaft erkannt und in Wolfegg und später in Regensburg auf ganzer Betriebsfläche umgesetzt.

Winfried Duffner war so etwas ein forstlicher Universalgelehrter der Branche. Möge das von ihm hinterlassene Werk, seine unzähligen Publikationen und Vorträge, vor allem aber seine Waldbilder, auch nach seinem Ableben weiterhin jungen Forstleuten als Vorbild für den stets von ihm vertretenen umfassenden Ansatz der Forstwissenschaft und vor allem der Erwerbsforstwirtschaft dienen!

Dr. Jens Borchers, Donaueschingen und Wolfegg

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