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Dr. Martin Weiß

Dr. Martin Weiß verstorben

Am 18. Juni verstarb in Pirna der Forstwissenschaftler und Forstpflanzenzüchter Dr. rer. silv. Martin Weiß. Er wurde 1928 in Sigmar bei Chemnitz geboren und erlernte zunächst den Beruf des Werkzeugmachers. Das Abitur holte er nach und mit bestandener Reifeprüfung erfüllte sich Weiß einen Kindheitstraum und studierte von 1949 bis 1953 in Tharandt Forstwirtschaft.

Nach einer Assistenz bei Prof. Heger in Tharandt und seiner Promotion 1964 zur züchterischen Verbesserung von Erlenarten bei Prof. Schönbach führte ihn sein Weg an das Institut für Forstwissenschaften nach Graupa (heute Pirna) bei Dresden, wo er sich der Forstpflanzenzüchtung widmete und ihr bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 1994 treu blieb.

Der Fichte verbunden

Dort begann er mit den Arbeiten zu „seiner Baumart“ – der Fichte. Für die von ihm geleiteten Projekte mit dem Schwerpunkt Herkunftsforschung begründete er ein ausgedehntes Versuchsflächen-Netz. Die Ergebnisse gingen in zahlreiche Publikationen sowie in wissenschaftlich hochwertige Forschungsberichte ein, die – damals üblicherweise unveröffentlicht – auch heute noch eine wertvolle Grundlage für aktuelle Forschungsthemen bilden.

Neben der Fichten-Provenienzforschung widmete sich Martin Weiß auch der Erhaltung forstlicher Genressourcen. Er wirkte an der Entwicklung von Verfahren zur autovegetativen Vermehrung der Fichte mit und leitete die Züchtung von Fichten für Holzzuchtplantagen. Bereits 1969 beschäftigte er sich mit der Reaktion verschiedener Einzelbaum-Nachkommenschaften der Fichte auf Trockenperioden. In den 1980er-Jahren prägte die Rauchschadens-Forschung seine wissenschaftliche Tätigkeit mit der Aufgabe, überlebensfähige Fichten für die stark SO2-belasteten Schadgebiete insbesondere des Erzgebirges zu finden. Zu einer seiner letzten Arbeiten zählte die Neufassung der Herkunftsgebiete im Zuge der gesetzlichen Anpassung nach der Wiedervereinigung.

Als betrüblichste Zeit seines Berufslebens sah er die Jahre nach 1971, als das weltweit renommierte Graupaer Institut kurz nach seiner baulichen Fertigstellung aus politischen Gründen zur Versuchsstation degradiert wurde.

Es ist dem Engagement von Martin Weiß und den wenigen verbliebenen Mitarbeitern zu verdanken, dass damals die wissenschaftlichen Arbeiten weitergeführt werden konnten und ein Netz an Versuchsflächen und Samenplantagen erhalten blieb.

Umso mehr erfüllte es ihn mit Freude und Dankbarkeit, dass nach der friedlichen Revolution in Graupa mit der Sächsischen Landesanstalt für Forsten wieder eine eigenständige Forschungseinrichtung entstand und er die Leitung der neugegründeten Abteilung Generhaltung, Saatgutwesen und Züchtung übernehmen konnte.

Forstpflanzenzüchter Dr. Martin Weiß

Neben seinem wissenschaftlichen Werk bleibt die Erinnerung an einen sehr praxisverbundenen Forscher, der selbst vor Ort war, wenn es darum ging, Versuchsflächen anzulegen oder aufzunehmen. Die daraus entstandene enge Verbindung zu den Kollegen in der Praxis und das stets offene Ohr für deren Probleme und Anregungen waren prägend für sein Forscherleben.

Als Leiter lag Weiß stets eine gute, fruchtbare Arbeitsatmosphäre am Herzen, die auf gegenseitigem Respekt basierte und die Kommunikation mit Arbeitern und technischen Mitarbeitern genauso umfasste wie die Diskussion mit anderen Wissenschaftlern. Er war gern bereit, junge Wissenschaftler zu fördern und an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Immer wieder vermittelte er seine Freude an der täglichen Arbeit und förderte damit den Zusammenhalt im Kollektiv. So bleibt auch die ein oder andere fröhliche Feier im Institut lebhaft im Gedächtnis.

Dr. Martin Weiß wird als Forstpflanzenzüchter in Erinnerung bleiben, der zur Entwicklung der angewandten forstlichen Forschung nachhaltig beigetragen hat.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Matthias Paul, Dr. Frieder Leube

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